Auftakt unserer Spendenaktion

Merkur unterstützt „Lichtblick Seniorenhilfe“: Gemeinsam ist man weniger einsam

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Die erste Spende: Die Sparda-Bank München startet auch heuer unsere Patenschaftsaktion und spendet wieder 250.000 Euro.

Zum Auftakt unserer Spendenaktion haben wir ein Gespräch über Einsamkeit im Alter geführt – und wie man sich trotz größter Not gegen sie stemmen kann.

München - In Deutschland gibt es immer mehr Menschen, die arm sind. Ein Schicksal, das vor allem viele Senioren trifft: Ihre schmale Rente reicht kaum für das Nötigste im Alltag, sie schämen sich dafür und vereinsamen. Daher unterstützt unsere Zeitung mit der Sparda-Bank München den Verein Lichtblick Seniorenhilfe. Dieser kümmert sich um Menschen, die im Ruhestand finanziell nicht über die Runden kommen - obwohl sie zeitlebens gearbeitet haben. Zum Auftakt unserer Spendenaktion haben wir den Vorstands-Vorsitzenden der Sparda-Bank München, Helmut Lind, Vereins-Chefin Lydia Staltner, Privat-Dozentin Dr. Brigitte Buchwald-Lancaster, Chefärztin des Zentrums für Akutgeriatrie am Klinikum Neuperlach sowie unseren Chefredakteur Georg Anastasiadis an einen Tisch gebeten.

Werden wir im Alter einsamer?

Lydia Staltner: Viele schon! Unsere Senioren zum Beispiel werden einsamer, weil sie nicht genug Geld haben, um am Alltagsleben teilzunehmen. Da wollen Freunde mal ins Café oder zum Wandern – aber unsere Rentner können nicht mit. Sie können sich nicht mal die kleinsten Dinge leisten. Es gibt aber auch noch eine andere Form der Einsamkeit …

Welche ist das?

Staltner: Viele sind traurig, dass sie älter werden und dann alleine sind. Dann ziehen sie sich zurück, werden depressiv, geben sich auf. Dabei muss man Freundschaften pflegen oder sich Gruppen anschließen. Natürlich kann es sein, dass mir der eine oder andere dort nicht passt. Aber dafür sind es die anderen doppelt wert!

Überspitzt ausgedrückt: Ist Einsamkeit zum Teil selbst verschuldet?

Brigitte Buchwald-Lancaster: Sagen wir so: Psychologisch gesehen gibt es zwei Formen der Einsamkeit, nämlich die emotionale und die soziale. Bei Letzterer habe ich keine sozialen Kontakte, ich kenne also kaum Leute. Bei der emotionalen Einsamkeit kann ich hingegen tatsächlich von vielen Menschen umgeben sein – und mich trotzdem einsam fühlen.

Wann genau tritt die Form der emotionalen Einsamkeit auf?

Buchwald-Lancaster: Sie kann in jedem Alter auftreten, allerdings ist sie bei Menschen ab 75 Jahren stärker ausgeprägt. Dann versterben bei vielen langjährige Freunde oder der Partner, mit dem sie mehr als 40 Jahre verheiratet waren. Diese Vertrautheit, die man zum Partner hatte, kann dann oft durch niemanden ersetzt werden. Bei finanziellen Problemen verstärkt sich diese Einsamkeit dann natürlich noch mal.

Mittlerweile gründen viele Senioren Wohngemeinschaften ....

Buchwald-Lancaster: Und das ist auch gut so! Denn solange jemand im Alter mobil und auch geistig fit ist, sollte er unbedingt von sich aus Kontakte knüpfen. Zudem können ältere Menschen auch sehr viel zur Gesellschaft beitragen, selbst wenn sie körperlich nicht mehr so fit sind. Dafür können sie Traditionen weitergeben wie etwa den echten Familiensinn.

Helmut Lind: Dem stimme ich zu. Ich selbst durfte noch in einer Großfamilie aufwachsen, auf einem Bauernhof. Die Anwesenheit meiner Großeltern habe ich dabei total genossen. Vor allem auch deshalb, weil mein Großvater noch bis kurz vor seinem Tod mit 93 Jahren sehr aktiv war: Er hat nicht nur auf dem Hof bei kleinen Arbeiten mitgeholfen, sondern ging zum Beispiel auch in den Männergesangsverein.

Und warum unterstützen Sie und Ihre Bank schon seit Jahren Senioren in Not?

Lind: Als Unternehmen können wir für ältere Menschen Rahmenbedingungen schaffen, damit sie aktiv werden und mal mit Freunden einen Kaffee trinken oder einen Wanderausflug machen können, um bei den Beispielen von vorhin zu bleiben. Mein Großvater war bis zum Schluss agil, auch wenn er oft Stunden in seinem Sessel saß - aber dazwischen hatte er eine Aufgabe.

Und eine Großfamilie um sich herum. Sind Senioren auf dem Land weniger einsam als in der Stadt?

Buchwald-Lancaster: Studien sagen, dass es zwischen Stadt und Land keinen Unterschied gibt. Die Einsamkeit stellt sich nur anders dar. Auf dem Land haben wir zwar mehr gewachsene Strukturen und einen gewissen Zusammenhalt - wobei der leider abnimmt. Aber: Auf dem Land sind größere Entfernungen zu überwinden. Das wiederum stellt meist eine größere Herausforderung dar als in der Stadt.

Staltner: Aus diesem Grund unterstützt unser Verein auch ein Projekt im Kreis Mühldorf am Inn. Dank der Spenden ist es möglich, Senioren aus kleinen Gemeinden einen Fahrtdienst zum Arzt und zum Einkaufen anzubieten. Solche notwendigen Fahrten waren zuvor oft ein unüberbrückbares Hindernis für die älteren Menschen.

Lind: Das ist eine gute Sache! Ich selbst habe ähnliche Hürden in meiner Familie erlebt. Mein Vater hat Demenz. Deshalb haben wir meinen Eltern nun ein Elektrogefährt gekauft. Jetzt fährt meine Mutter – und mein Vater sitzt daneben. Seitdem können sich die beiden wieder mit anderen, vor allem mit Gleichaltrigen, treffen. Meine Eltern blühen richtig auf und sind glücklich. Sie können selbst diejenigen besuchen, die es allein nicht mehr schaffen, in deren Küche zu kommen.

Buchwald-Lancaster: Und all das können sie selbst bestimmen! Das ist entscheidend. Solche Dinge haben mit Stolz, Eigenständigkeit und positivem Denken zu tun. Sie, Herr Lind, haben Ihren Eltern eine Hilfestellung für den Alltag gegeben. Ein sehr guter Therapieansatz. Zu sagen, setz dich hin, ich mach’ alles für dich – damit wird ein älterer Mensch selten glücklich. Außerdem baut er dann körperlich und geistig ab.

Die Wirtschaft engagiert sich selten gegen Altersarmut und Einsamkeit. Ist das zu unspektakulär?

Lind: Natürlich könnten wir uns auch beim FC Bayern engagieren, das wäre womöglich prestigeträchtiger. Aber: Wir sind aus einer Genossenschaft entstanden – und das wollen wir weitergeben. Zum Zweiten ist in unserem Wirtschaftsunternehmen Rendite nicht die oberste Maxime. Wir verstehen uns als eine Lebensbank und haben uns damit die Verantwortung gegenüber anderen ausgesucht. Der Staat kümmert sich um ältere Menschen mehr schlecht als recht.

Georg Anastasiadis: Auch unsere Leser schätzen es sehr, wenn wir solche Schwerpunkte setzen wie Altersarmut oder Einsamkeit. Das merken wir an den vielen Rückmeldungen; ich selbst kommuniziere auch mit sehr vielen Lesern. Erst kürzlich wollte ich eine ältere Leserin an einem Sonntag im Heim besuchen. Ich habe seit zehn Jahren jede Woche mindestens einmal mit ihr telefoniert. Doch leider ist sie am Tag vor dem geplanten Besuch gestorben. Am Freitag davor hatte ich noch mit ihr telefoniert. Sie erzählte mir, sie sei so einsam in ihrem Heim.

Staltner: Wenn unsere Senioren ins Heim oder ins Krankenhaus kommen, schwingt auch oft Einsamkeit und damit eine gewisse Hilflosigkeit mit. Sie wissen nicht, wer ihnen dort hilft oder wer ihnen einfach die Zahnpasta bringt. Bei uns im Verein ist immer jemand da. Deswegen werden wir auch noch zwei bis drei neue Mitarbeiter in unser Team aufnehmen, die sich dann speziell um einsame ältere Menschen kümmern.

Sie bieten mithilfe von Spenden auch Ausflüge an...

Staltner: Das ist das beste Anti-Einsamkeits-Programm! Unsere Rentner können zum Beispiel einmal in der Woche zu einem Kegelabend gehen oder sich einer Wandergruppe anschließen. Dann verabreden sich die Senioren – und wir bekommen hinterher die Rechnung. Es ist toll, wie eigenständig das inzwischen passiert. Wir mussten anfangs mehr organisieren, nun sind solche Begegnungen oft ein Selbstläufer. Das wiederum spornt auch unsere Senioren an.

Was kann die Gesellschaft noch tun, damit einsame ältere Menschen mal aus ihren vier Wänden herauskommen?

Buchwald-Lancaster: Angebote wie Senioren-Cafés gibt es erstaunlich viele. Aber entweder ist das den Leuten nicht bewusst, es fehlt der Anstoß oder der Mut. Dabei stellt Ihre Wandergruppe, Frau Staltner, bestimmt auch fest: Beim ersten Mal muss man sich überwinden – dann sorgen die entstandenen Kontakte dafür, dass man beim nächsten Mal wieder gern mitgeht. Und dabei neue Energie tankt.

Anastasiadis: Bei einer Bekannten von mir war es genauso, wie Sie es beschreiben, Frau Buchwald-Lancaster: Sie ist ins Heim gezogen, dabei wollte sie zuerst partout nicht hin. Dort frühstückte sie jedoch mit anderen und traf diese Menschen dann auch bei Freizeitaktivitäten. Dadurch blühte sie förmlich auf. Daheim hätte sie noch nicht einmal gewusst, an wen sie sich überhaupt wenden müsste.

Lind: Vorhandene Potenziale nutzen - das ist auch unsere Motivation. Wir bieten Rahmenbedingungen. Dabei geht es auch gar nicht darum, alles komplett neu zu erschaffen. Die Senioren sollen „nur“ die Möglichkeiten erkennen und diese wahrnehmen. Alles andere ergibt sich dann von selbst.

Zusammengefasst von Angelika Mayr

Schenken Sie ein bisschen Würde: Mit unserer Patenschaftsaktion

Bei der Aktion des Münchner Merkur und der Sparda-Bank München gegen Altersarmut können Sie eine Patenschaft für in Not geratene Senioren übernehmen. Eine Patenschaft kostet 35 Euro im Monat. Das Geld kann viertel-, halbjährlich oder für ein ganzes Jahr gespendet werden. Auch einmalige Spenden sind willkommen. Der Verein Lichtblick Seniorenhilfe leitet stets die volle Summe an die Bedürftigen weiter. 

Überweisungen bitte auf das Spendenkonto des Vereins Lichtblick Seniorenhilfe (Balanstraße 45, 81669 München) bei der Sparda-Bank München, IBAN: DE 307 0090 50 0000 4901010, BIC: GENODEF1S04. 

Weitere Informationen gibt es beim Verein Lichtblick unter www.lichtblick-sen.de oder unter Tel.: 089/67 97 10 10. Die E-Mail-Adresse des Vereins lautet: info@lichtblick-sen.de. Lichtblick Seniorenhilfe ist ein gemeinnützig anerkannter Verein. Für Ihre Spenden erhalten Sie eine Spendenquittung. Bitte geben Sie Ihre Adresse an.

Quelle: Merkur.de