Noch keine staatliche Hilfe möglich

Bayerns marode Freibäder: So will die Politik helfen

+
Einfach mal abtauchen: Bayerns Freibäder laden trotz Mängeln in diesem Hochsommer zum Verweilen ein.

Bayerns Freibädern droht das Aus. Weil es keine staatliche Unterstützung gibt, werden Sanierungen hinausgezögert oder Einrichtungen ganz geschlossen. Das soll sich ändern. Bayerns Bauministerin Ilse Aigner plant ein Förderprogramm.

Miesbach - Im Miesbacher Warmfreibad herrscht derzeit Hochbetrieb. Kein Wunder: Es ist Ferienzeit, und es ist heiß. Sportler drehen bereits frühmorgens ihre Runden auf den 60 Meter langen Bahnen, Familien verbringen dort für wenig Geld den Tag, und Senioren verabreden sich zum Sonnenbaden. Sport, Erholung, sozialer Treffpunkt - es sind Tage wie diese, an denen die Bedeutung des gemeindlichen Freibads für die Bürger besonders deutlich wird.

Doch dem Badevergnügen in der Kreisstadt droht ein jähes Ende. Die Einrichtung ist in die Jahre gekommen. Technik, Bausubstanz - alles ist veraltet. Die Beckenfolie hält bereits an die vier Jahrzehnte, der Gasbrenner ist von 1972. Wasserrückgewinnung? Fehlanzeige. Die Stadt muss und will handeln. 2,5 bis drei Millionen Euro wird der Umbau kosten. Es ist das Nötigste - nur für den Schwimmbetrieb.

Lesen Sie auch: Badespaß nur im richtigen Höschen: Stadt sorgt mit kurioser Verordnung für Aufsehen

Freibäder bekommen keine staatliche Sanierungshilfe

So wie Miesbach geht es vielen Kommunen in Bayern. Bäder sind teuer im Unterhalt. Doch während es für Hallenbäder, wenn sie für den Schulunterricht mitgenutzt werden, über den Finanzausgleich staatliche Sanierungshilfe gibt, gehen die Freibäder leer aus. Wetterrisiko und die kurze Öffnungszeit zwischen Pfingst- und Sommerferien machen sie als Schulbad unattraktiv. Deshalb wurden sie bislang als freiwillige Aufgabe gewertet, die Kommunen selbst tragen müssen. Eine finanzielle Unterstützung durch Nachbargemeinden, die ebenfalls profitieren, kommt kaum zustande.

Weil es keine Fördermittel gibt, hat der Förderverein des Miesbacher Freibads 2017 die Initiative ergriffen. Dem SPD-Landtagsabgeordneten Markus Rinderspacher wurde das Dilemma ebenso vor Ort geschildert wie der damaligen Wirtschaftsministerin und Stimmkreisabgeordneten Ilse Aigner (CSU). Das Ergebnis: Im Landtag wurde ein Arbeitskreis eingesetzt. Nun - ein Jahr danach - lud der Förderverein zum Miesbacher Bäderdialog ein, um Aigner - mittlerweile Bauministerin - zum aktuellen Stand zu befragen.

Leeres Becken: Einige Bäder Bayerns bangen um ihre Existenz.

Fördertopf wird wohl erst 2019 aktiv

Die Chancen stehen gut, berichtete Aigner. Ihr Bauministerium habe den Zuschlag bekommen, den Fördertopf zu planen. Die Vorbereitungen laufen, doch bis das Programm im zweistelligen Millionenbereich starten kann, werde es bis Anfang 2019 dauern. Denn vor den Landtagswahlen im Oktober geht nichts, erläuterte die Ministerin: „Das Förderprogramm muss es in den Haushalt schaffen, doch der wird erst aufgestellt, wenn das neue Kabinett steht.“ Eines könne sie aber bereits jetzt schon versichern: „Ich werde für die Freibäder kämpfen.“

Gefördert werden sollen nur Schwimmbäder in kommunaler Hand - keine Spaßbäder. Volker Härdtl begrüßt das. „Wir brauchen die Freibäder, damit unsere Kinder schwimmen lernen können“, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Bayern und verweist auf steigende Zahlen von Ertrunkenen. „Immer weniger Eltern sind in der Lage, ihren Kindern das Schwimmen beizubringen.“ Dies bestätigt Birgit Moosbauer, Vorsitzende der Wasserwacht Oberbayern, die sich wie Härdtl beim Bäderdialog für eine Förderung stark machte: „Wir müssen jetzt handeln.“ Die Kindergeneration, die jetzt nicht richtig schwimmen lerne, werde es später auch den eigenen Kindern nicht vermitteln. „Das potenziert sich.“

Miesbachs Fördervereinsvorsitzender Bernhard Heidl ist mit der Entwicklung zufrieden: „Wir haben es geschafft, die Politik für das Thema zu sensibilisieren. Wenn nach der Wahl ein Förderprogramm für Freibäder kommt, haben wir echt etwas geschafft, von dem ganz viele Menschen in ganz Bayern profitieren.“

Lesen Sie auch: Ein ganzes Jahr ins kühle Nass: Das sind Deutschlands 365 beliebteste Freibäder

Dieter Dorby

Quelle: tz