Schock für Miesbacherin

Oma gewinnt „Traumurlaub“ - ist aber schon seit zehn Jahren tot

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Ist fassungslos: Petra Hehl mit der Gewinnbenachrichtigung an ihre verstorbene Oma.

Als sie den Brief öffnete, lief Petra Hehl ein kalter Schauer über den Rücken: Ihre Oma habe kürzlich bei einem Gewinnspiel mitgemacht und gewonnen, stand da. Die ist aber schon lange tot.

Miesbach – Acht Tage Traumurlaub auf Zypern für zwei Personen im Wert von 998 Euro: „Herzlichen Glückwunsch, Frau Hehl“, heißt es auf dem Schreiben, das Petra Hehl aus Miesbach von der Reiseagentur „James Cook Holidays“ aus Bremen erhalten hat. Sie gehöre zu den 25 glücklichen Personen, deren Name bei einem „bekannten Rätsel-Gewinnspiel“ gezogen worden sei. Zum Beweis ist die handschriftliche Teilnahmekarte auf dem Brief abgebildet. Als Hehl einen genaueren Blick darauf wirft, läuft ihr ein Schauer über den Rücken. Die Absenderin der Karte ist nicht sie, sondern ihre Oma Paula. Und die ist vor fast genau zehn Jahren gestorben.

Hehl ist entsetzt über das Vorgehen des ominösen Reiseveranstalters. „Das ist geschmacklos und makaber“, sagt sie. An der Echtheit der offensichtlich eingescannten Teilnahmekarte hat sie keinen Zweifel. „Das ist die Handschrift meiner Oma“, sagt sie. „Sie hat öfter mit ihrer Schwester bei Gewinnspielen mitgemacht.“ Dass ihre Daten aber zehn Jahre nach ihrem Tod genutzt werden, um eine Reise zu verkaufen, hat sie damals wohl kaum vermutet.

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Verkaufen ist tatsächlich der richtige Ausdruck. Denn komplett gratis nach Zypern fliegen können die glücklichen Gewinner nicht, wie aus dem Schreiben hervorgeht: „Je nach gewähltem Termin und Abflughafen fällt eventuell ein Flughafen- und/oder ein Saisonzuschlag pro Person an.“ Konkrete Preise werden nicht genannt. Dafür ist von einem zubuchbaren Ausflugsprogramm die Rede.

Nicht nur wegen der dreisten Masche mit der zehn Jahre alten Karte zweifelt Hehl an der Seriosität des Reiseveranstalters. Logo und Name erinnern sie an den renommierten Anbieter „Thomas Cook“. Und damit ist sie nicht allein. Auch in mehreren Verbraucherforen im Internet weisen Nutzer auf diese wohl nicht ganz zufällige Ähnlichkeit hin. Alleine die Anzahl an Rückmeldungen deutet darauf hin, dass nicht nur 25 „Gewinner“ Post von „James Cook“ erhalten haben. Diejenigen von ihnen, die ihren Preis abgerufen haben, berichten von einer Anzahlung von 20 Prozent, die sie leisten mussten. Und das, obwohl doch angeblich alles gratis sein sollte. Auch von Stornogebühren oder grundlosen Absagen der Reise durch den Veranstalter ist die Rede. „Das sind richtige Gauner“, schreibt ein Nutzer.

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Die Miesbacherin ließ die Finger von der Buchung. Dafür erkundigte sie sich unter der angegebenen Telefonnummer, wie die Firma denn an die Teilnahmekarte ihrer Oma gekommen sei. Die Antwort der Mitarbeiterin fiel knapp aus. „Sie hat gesagt, dass das rechtlich alles in Ordnung ist“, berichtet Hehl. Die Auswahl erfolge über einen Computer.

Bei der Verbraucherzentrale Bayern ist man sich da nicht ganz so sicher. „Grundsätzlich ist die Nutzung der Daten nur dann zulässig, wenn es eine gesetzliche Erlaubnisnorm gibt oder aber der Betroffene eingewilligt hat“, sagt Katharina Grasl, Referentin im Bereich Verbandsklage. Eine solche Einwilligung könnte bei einem Gewinnspiel erfolgt sein, an dem die Verstorbene zu Lebzeiten teilgenommen habe.

Diese sei jedoch nur dann wirksam, wenn die Betroffene darüber aufgeklärt worden sei, in welchem Umfang und von welchen Drittunternehmen die Daten genutzt und gespeichert werden. „Das ist hier eher in Zweifel zu ziehen“, sagt Grasl. Da Hehls Oma bereits verstorben ist, könne man nicht davon ausgehen, dass die weitere Nutzung ihrem Willen entspreche. „Die Daten müssten damit eigentlich gelöscht werden.“

Was den Reiseveranstalter anbelangt, hebt die Verbraucherzentrale ebenfalls den Zeigefinger. Die Ankündigung, dass bei Inanspruchnahme des Gewinns zusätzliche Kosten entstehen, sei grundsätzlich nicht zulässig. „Es ist also davon auszugehen“, so Grasl, „dass es sich nicht um ein seriöses Unternehmen handelt.“

Hehl ist derselben Meinung. Sie stört sich vor allem an der Praxis, Gewinnmitteilungen an Verstorbene zu verschicken. „Das kann bei manchen Leuten alte Wunden wieder aufreißen.“

Quelle: tz