Vorfall bei Protesten in Schweinfurt

Groß-Demo in München: „Gottesdienst“ gegen Corona? Polizei stimmt erst zu - und greift dann doch durch

Jürgen Fliege, Fernsehpfarrer, steht auf der Theresienwiese bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen nach seiner Rede neben der Bühne.
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München Anti-Corona-Demo: Rund 10.000 Menschen protestierten im September auf der Theresienwiese und TV-Pfarrer Jürgen Fliege predigte auf der Bühne. Am Sonntag soll es weitergehen.

Auch in Bayern kommt es am Sonntag zu Corona-Demos. In München werden mehrere tausend Demonstranten erwartet - trotz strenger Auflagen.

  • Die Infektionszahlen* steigen: Ab Montag beginnt deshalb auch in Bayern der Teil-Lockdown
  • Um gegen die Maßnahmen zu protestieren zog es am Wochenende auch Demonstranten auf die Straße
  • Bei der Corona-Demo in München wollen sich Veranstalter mit einem Trick die Auflagen umgehen

Update vom 2. November: Nach einer zum Gottesdienst erklärten Protestversammlung gegen die verschärften Corona Vorschriften hat der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) strenge Kontrollen angekündigt. „In Zukunft werden Polizei und Versammlungsbehörden solche Ablenkungsmanöver von Beginn an unterbinden“, sagte Herrmann der „Bild“-Zeitung (Dienstag). Die Einhaltung der Infektionsschutz-Verordnung habe „oberste Priorität und wird durch die Polizei zusammen mit den weiteren zuständigen Behörden konsequent überwacht“.

Auf der Münchner Theresienwiese hatten am Sonntag fast 2000 Menschen gegen den neuen Teil-Lockdown protestiert. De Veranstalter hatte die Versammlung zu einem Gottesdienst erklärt. Die Polizei brach di Veranstaltung ab, „als sich die Veranstaltung immer stärker in die Zielrichtung eines Konzerts entwickelte“. Herrmann sagte, der Einsatz auf der Theresienwiese werde behördenintern eingehend nachbereitet.

Der Generalvikar des Erzbistums München und Freising, Christoph Klingan, sagte der „Bild“-Zeitung: „Unsere Antworten als Kirche sind nicht Verschwörungstheorien, Schwarz-Weiß-Denken oder eine Instrumentalisierung von kirchlichen ‚Formaten‘ für politische Zwecke. Unsere Antwort ist Gebet, Solidarität und schlicht verantwortungsvolles Handeln.“

Update vom 1. November, 22.02 Uhr: Nach Angaben der Polizei kam es schon während den Anfängen der Corona-Demonstrationen in München zu Verstößen gegen die Tragepflicht des Mund-Nasen-Schutzes, vereinzelt auch zu Anzeigen. Für die Haupt-Versammlung der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen auf der Theresienwiese wurden von der Stadt München 1.000 Teilnehmer zugelassen.

Corona-Demo in Bayern: „Querdenken 089“ ruft zur Demo als „Gottesdienst“

Um diesen Auflagen zu entgehen, verkündete der Versammlungsleiter der Demonstration statt einer Kundgebung werde ein Gottesdienst stattfinden. In Bayern sind Gottesdienste im Freien ohne beschränkte Zuschauerzahl erlaubt. Allerdings lag der Polizei zufolge weder eine Genehmigung noch ein Hygienekonzept vor.

Nach anfänglicher Beurteilung ließ die Polizei die Veranstaltung laufen, obwohl teilweise 1.900 Personen an der Demonstration teilnahmen. Weil man, so der Polizeibericht „dem Gedanken eines Gottesdienstes zunächst folgen konnte, da Inhalte und der Charakter eines Gottesdienstes erkennbar waren“. Als sich die Demo der Initiative „Querdenken 089“ jedoch immer mehr in ein lautes Konzert verwandelte, griff die Polizei ein. Da sich der Veranstalter nicht einsichtig gezeigt habe, habe man die Veranstaltung schließlich gegen 18.55 Uhr beendet.

Groß-Demo in München: „Gottesdienst“ gegen Corona? Vorfall bei Protesten in Nordbayern

Erstmeldung vom 1. November, 18.41 Uhr: Ein letztes Mal hatten am Sonntag sämtliche Freizeit-Aktivitäten geöffnet, bevor der „Lockdown lightGastronomie, Kultur und Freizeit-Betrieb für den November schließt - als Reaktion auf die steigenden Coronavirus-Zahlen in Bayern und Deutschland. Während es den Großteil der Bayern dabei in geregelten Bahnen auf die Straße trieb, fanden sich am Wochenende auch Gegner des Teil-Lockdowns zu Demonstrationen zusammen. Unter anderem in Schweinfurt und München.

Aufgestellte Kreuze und Särge mit Blumenkränzen und Deutschland-Flaggen schmückten die Bühne auf der Theresienwiese in München. Neben einigen Rednern - unter ihnen der Fernseh-Pfarrer Jürgen Fliege - hatten sich zu Beginn der Corona-Demonstration bereits 1700 Münchner und Münchnerinnen versammelt. Die Initiative „Querdenken 089“ rief zur Kundgebung. Die Demonstranten wollten gegen die verschärften Corona-Maßnahmen der Bundesregierung protestieren.

Corona-Demo in München: „Querdenken 089“ ruft zur Kundgebung - oder zum Gottesdienst?

Schon Mitte September versammelten sich hier mehr als 10.000 Demonstranten, viele von ihnen ohne Maske oder Abstand. Auch am Sonntag sollte ebenfalls eine große Zahl werden. Die vielfachen Versuche der Initiative, 5000 Demonstranten anzumelden, lehnte die Stadt München allerdings ab. Zwei Gerichte bestätigten die Beschränkung auf 1000 Teilnehmer.

Mit einem kleinen Trick will sich ein Veranstalter der „Querdenken 089“-Demo jetzt gegen die Auflagen wehren. „Hier geht es nicht um Versammlungsfreiheit, hier geht es um einen Gottesdienst“, sagte der Redner bevor er die Teilnehmer aufrief, mit ihm zu beten. Warum die Veranstalter der Münchner Demonstration gegen die Coronavirus*-Maßnahmen aus ihrer Kundgebung einen Gottesdienst machen wollen? Ganz einfach, Gottesdienste im Freien haben in Bayern keine begrenzte Teilnehmerzahl.

Corona-Demos in Bayern: Polizei zeigt Maskenverweigerer in Schweinfurt an

Die Demo der Initiative war der größte, aber nicht der einzige Corona*-Protest in Bayern. Auch in Schweinfurt wehrten sich Demonstranten gegen die Auflagen der Polizei. Etwa hundert Teilnehmer schlossen sich am Sonntag der Bürgerinitiative „Eltern stehen auf“ an, um in der Schweinfurter Innenstadt unter anderem gegen die Maskenpflicht zu demonstrieren.

Weil 18 Teilnehmer ebendiese besonders vehement ablehnten und eine Maske auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht tragen wollten, griff die Polizei durch. Ein Sprecher bestätigte der dpa „Die Veranstaltung war in der Größe genehmigt, allerdings unter der Auflage, dass die Teilnehmer Masken tragen.“ Die Maskenverweigerer werden deshalb für ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz angezeigt.

Der Beginn der Demonstration in München soll zu Beginn dagegen ruhig verlaufen sein, bestätigte die Polizei der deutschen Presse-Agentur am Sonntag-Nachmittag.

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Bevor am Montag Bayern in den Teil-Lockdown geht, um die Infektionszahlen zu senken, genossen viele noch die letzten Stunden in Kultur und Freizeit-Einrichtungen des Freistaats, sowie in Restaurants und Cafés. Ab Montag greifen dann strenge Kontaktbeschränkungen: Höchstens zehn Menschen dürfen zusammenkommen - in privaten wie in öffentlichen Räumen. Anders als im Frühjahr beim ersten Corona-Lockdown sollen Schulen, Kindertagesstätten, Friseure und Universitäten offen bleiben. (vs) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks