Nach 24 Jahren: Sie fand seine Flaschenpost!

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Wilfried Jürgens (90) mit seiner Post-Finderin Mariann (25). „Ich hab mich so gefreut, sie endlich zu sehen.“

Bad Tölz - 1987 wirft Wilfried Jürgens (65) in Bad Tölz am Isar­Ufer eine Flaschenpost ins Wasser. 24 Jahre bleibt sie unentdeckt – und führt dann zu einer großen Freundschaft.

Es ist der 8. Juli 1987, ein sonniger Sommertag. Wilfried Jürgens (65) steht in Bad Tölz am Isar­ufer. Dann holt der Urlauber aus Norddeutschland plötzlich weit aus und wirft etwas in den glitzernden Fluss: eine Flaschenpost. „Mal sehen, wer sie findet“, denkt sich Wilfried zufrieden. Was er nicht ahnt: Seine Botschaft wird 24 Jahre unentdeckt bleiben – und dann zu einer großen Freundschaft führen.

„Ich hatte die Flasche wenige Wochen später schon wieder völlig vergessen“, erzählt der heute 90-Jährige im Tölzer Kurier. 30 Jahre machte er jedes Jahr Urlaub in der schönen bayerischen Stadt. Einen netten Brief hatte er in das Gefäß gepackt (siehe rechts) – mit Anschrift. „Beim Reinwerfen dachte ich schon, die Flasche schafft es zumindest bis in die Donau“, so Wilfried im tz-Gespräch. Doch es sollte ganz anders kommen.

Die irrsten wahren Geschichten der Welt

Der gläserne Briefkasten versandelt erst einmal ein paar Jahre in der Isar bei Bad Tölz, dann gleitet er irgendwann zumindest bis München weiter, wo er wieder hängen bleibt.

Mittlerweile ist es Spätherbst 2011. In München geht Mariann Szalay an der Isar spazieren. Die junge Ungarin arbeitet seit rund einem Jahr in der Stadt – und sieht plötzlich die funkelnde Flasche im Wasser treiben. Sie schnappt sie sich und liest mit offenem Mund die gut 24 Jahre alten Zeilen. In dem Jahr, als Wilfried die Post losschickte, war sie gerade erst auf die Welt gekommen. Irre!

Natürlich schreibt sie dem Autor sofort einen Brief. „Ich bin fast umgekippt, als da plötzlich ein Schreiben kam“, erklärt der Rentner gegenüber der tz. „Da hat uns irgendetwas zusammengeführt, irgendwie sollte das sein.“ Die zwei beginnen eine innige Brieffreundschaft. Und vor wenigen Wochen war es so weit: Mariann, die mittlerweile in England lebt, beschloss, Wilfried in dessen Heimat St. Michaelisdonn (Schleswig-Holstein) zu besuchen. „Sie ist so nett und wir haben uns sofort gut verstanden“, erzählt der Senior über das Treffen. Und das war nicht alles: „Durch den Kontakt kam es dazu, dass meine Urenkelin, die gerade Wirtschaft studiert, gerade ein Praktikum in Ungarn macht“, freut sich der Rentner. Und klar – die Einladung zum Gegenbesuch in England steht!

tz