Ihr wird Arroganz vorgeworfen

Nach geplatztem Empfang: Hitzige Diskussion um Olympiasiegerin Geisenberger in Miesbach

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Harmonie und Freude herrschte 2015 bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Natalie Geisenberger (r.) durch Bürgermeisterin Ingrid Pongratz. Inzwischen ist das Verhältnis der beiden getrübt.

Der geplatzte Empfang für Doppel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger sorgt weiter für Knatsch. Nun wehrt sich die Sportlerin gegen die Darstellung der Bürgermeisterin.

Miesbach – Die Nachricht vom geplatzten Empfang der Kreisstadt für ihre Olympiasiegerin Natalie Geisenberger (merkur.de) lässt die Miesbacher nicht kalt. Auf der Facebook-Seite des Miesbacher Merkur hat sich unter dem Artikel eine hitzige Diskussion entzündet. Auch der Sportstar selbst hat sich mit einem Statement zu Wort gemeldet – verbunden mit einem Aufruf an Bürgermeisterin Ingrid Pongratz.

Pater Havlik: Geisenberger verhält sich anmaßend

Die Reaktionen auf Geisenbergers Distanz zur Stadt waren bisweilen heftig. Das Verhalten der Doppel-Gold-Medaillen-Gewinnerin von Pyeongchang sei „arrogant und daneben“, sie sitze auf einem „hohen Ross“ und spiele sich auf, schreiben die Facebook-Nutzer. Auch der scheidende Weyarner Kaplan Pater Stefan Havlik äußert seine Meinung. Dass Geisenberger den Empfang verweigere, weil bei ihrer Rückkunft kein Willkommensplakat am Ortseingang hing, sei „anmaßend und kein gutes Signal von einem Vorbild“, kommentiert Havlik. Und er schlägt vor, stattdessen einen Empfang für Hebammen, Krankenpfleger und Hospizbegleiter zu organisieren. Diese würden mehr für die Menschen tun „als einen Eiskanal flott hinunterzufahren“.

Doch es gibt auch Verständnis für die Doppel-Olympiasiegerin. „Spitzensportler leben, ebenso wie Künstler, von Anerkennung und Applaus“, findet die FDP-Kreisvorsitzende Uschi Lex. Nur die Aussicht auf diese Anerkennung lasse einen Athleten „die monatelangen extremen Trainingsanstrengungen durchhalten“. Gerade in den sogenannten Randsportarten habe man ohne Öffentlichkeit keine Chance, seinen Lebensunterhalt mit dem Sport zu bestreiten. Andere Kommentatoren erinnern daran, dass auch die Stadt von Geisenbergers Leistungen und der damit verbundenen medialen Aufmerksamkeit Miesbachs profitiert habe. Dies zu „verpennen“ oder „ignorieren“, sei ein grober Fehler.

Geisenberger: Die Wahrheit ist ganz anders

Geisenberger selbst findet die Reaktionen „teilweise verständlich“, wie sie in ihrer Antwort schreibt. In Richtung ihrer Kritiker merkt sie an, man solle in jedem Fall vorsichtig sein, „Menschen aufgrund von Mutmaßungen oder Gerüchten zu verurteilen“. Die 30-Jährige nimmt Bezug auf die Darstellung, wonach das Fehlen eines Empfangs oder Begrüßungstransparents ihre Missstimmung ausgelöst habe. „Alle Beteiligten wissen, dass es sich so eben nicht verhalten hat“, sagt Geisenberger. Die Wahrheit sei eine ganz andere.

Wie die genau aussieht, will die Sportlerin auf Nachfrage unserer Zeitung aber nicht sagen. Wie berichtet, hatte auch ihr Vater und Manager Helmut Geisenberger keine Stellungnahme abgegeben. Vielmehr erwartet die Rodlerin von der Bürgermeisterin, die Sache „in den kommenden Tagen richtigzustellen“. Das habe sie Pongratz auch in einer persönlichen Nachricht so geschrieben. Eine Antwort habe sie noch nicht bekommen, meint Geisenberger. Sollte Pongratz ihrer Bitte nicht nachkommen, werde sie ihrerseits „die Wahrheit veröffentlichen“.

Bürgermeisterin: „Ich weiß nicht, was es noch zu sagen gibt“

Die Rathaus-Chefin sieht dafür keinen Bedarf. „Ich weiß nicht, was es noch dazu zu sagen gibt“, sagt Pongratz auf Anfrage unserer Zeitung. Falls es für Geisenberger noch Klärungsbedarf gebe, müsse sie ihr Anliegen konkret benennen. Am liebsten in einem persönlichen Gespräch, meint die Bürgermeisterin. „Das Angebot besteht weiterhin.“ Von den Facebook-Reaktionen habe sie ohnehin nichts mitbekommen. „Ich bin da nicht angemeldet, und ich werde mich auch nicht anmelden.“

Keine Rolle gespielt hat der Zwist übrigens beim Empfang, den Geisenbergers Heimatverein SV Miesbach der Doppel-Olympiasiegerin bereitet hat. „Das hat da nicht interessiert“, berichtet SV-Vorsitzender Stefan Griesbeck. Rund 40 Freunde und Fans hätten im Vereinsheim gemeinsam mit Geisenberger gefeiert. Mit Videos aus Pyeongchang habe man sich nochmals richtig in Olympia-Stimmung versetzt, erzählt Griesbeck. „Es war ein sehr schöner Abend.“

Quelle: tz