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9-Euro-Ticket: Bayern fordert Nachbesserungen – „Nach wie vor eine Mogelpackung“

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Von: Tanja Kipke

Das 9-Euro-Monatsticket aus dem Entlastungspaket 2022 soll im Juni kommen. In Bayern ist man mit dem Beschluss der Regierung alles andere als zufrieden.

München – Für 9 Euro im Monat Bus und Bahn im Nahverkehr fahren? Genau das ist Teil des Entlastungspakets 2022, welches die Ampel am 27. April im Bundeskabinett beschlossen hat. Mit dem milliardenschweren Hilfspaket soll den Bürgern in Deutschland während des Ukraine-Kriegs geholfen werden. Auch eine Energiepreispauschale von 300 Euro, ein Tankrabatt, ein Hartz-IV-Zuschuss und ein Kindergeldbonus sind Teil des Pakets. Das 9-Euro-Ticket soll bereits ab Juni gelten. In Bayern ist man darüber alles andere als begeistert, da die Umsetzung in den Händen der Länder liegt.

9-Euro-Monatsticket in Bayern: Verkehrsminister empört – „nach wie vor eine Mogelplackung“

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) fordert daher Nachbesserungen beim 9-Euro-Monatsticket. Und zwar eine komplette Finanzierung durch den Bund. Die Diskussion sei mit dem Beschluss des Bundeskabinetts vom Mittwoch noch nicht vorbei, sagte Bernreiter der Deutschen Presse-Agentur. „Wir lassen uns vom Bundesverkehrsministerium nicht einfach sang- und klanglos in die Umsetzung schicken, sondern wollen zentrale Fragen wie die verlässliche und vollständige Finanzierung durch den Bund geklärt haben.“

Junge Frauen kaufen an einem Fahrtkartenautomaten ihre Tickets. Im Vordergrund hält eine Hand ein 9-Euro-Ticket.
Ab Juni startet das 9-Euro-Ticket aus dem Entlastungspaket 2022, auch in München. © Frank Hoermann/Sven Simon/imago

Jetzt sei der Bundestag gefordert, die notwendigen Nachbesserungen vorzunehmen, damit die Länder, Verkehrsunternehmen und Kommunen die Ankündigungen des Bundes auch umsetzen können. „Das 9-Euro-Monatsticket ist nach wie vor eine Mogelpackung“, sagte Bernreiter. „Ein nicht unerheblicher Teil der Lasten wird einfach bei Ländern, Kommunen und Verkehrsunternehmen abgeladen, ohne dass von der dreimonatigen Werbemaßnahme eine dauerhafte Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs zu erwarten ist.“ Dies werde auch ein wichtiges Thema bei der Verkehrsministerkonferenz nächste Woche.

9-Euro-Ticket in Bayern: Chef der MVV in München von „Knallerangebot“ begeistert

Bernd Rosenbusch, Chef des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds, ist völlig begeistert von dem „Knallerangebot“.  Für ihn sei das 9-Euro-Ticket „eine Riesenchance zu zeigen, dass wir attraktiv sind“, sagte Rosenbusch im Gespräch mit dem BRDas Angebot sei „unglaublich preisgünstig“. Er sorgt sich jedoch auch vor einer Überlastung des ÖPNV. Überfüllte Waggons und dichtes Gedränge könnten die Folge sein, was bei einer Corona-Inzidenz über 800 nicht gerade wünschenswert wäre. Auf der Homepage des MVV wird bereits vor der möglichen Überbelastung gewarnt.

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9-Euro-Ticket aus Entlastungspaket: Bund will Ländern 2,5 Milliarden Euro extra geben

Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch wegen der stark gestiegenen Energiepreise ein milliardenschweres Entlastungspaket für die Bürgerinnen und Bürger auf den Weg gebracht. Es profitieren Bahn- wie Autofahrer und fast alle Erwerbstätigen. Ein Teil ist das 9-Euro-Monatsticket: Von Juni bis Ende August sollen Fahrgäste bundesweit für 9 Euro pro Monat im Nah- und Regionalverkehr fahren können - und damit viel günstiger als mit üblichen Monatstickets.

Das Kabinett beschloss Änderungen am Regionalisierungsgesetz - das ist Grundlage für die Gelder, die der Bund den Ländern jährlich zur Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs zur Verfügung stellt.

Der Bund will den Ländern für das 9-Euro-Monatsticket nun 2,5 Milliarden Euro extra geben. Allerdings reicht das den Ländern nicht aus - sie wollen deutlich mehr Geld, um stark gestiegene Energie-, Bau- und Personalkosten im ÖPNV ausgleichen zu können. Sie könnten das Projekt daher im Bundesrat theoretisch vorerst scheitern lassen. (tkip/dpa)

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