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Längere Höchstarbeitszeit: Söders Ministerin will mehr als 10 Stunden täglich erlauben

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Von: Thomas Eldersch

Länger arbeiten für eine bessere Anpassung an die Lebenswelten der Menschen. Das schlägt jetzt Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf vor.

München – Der Trend geht in vielen europäischen Ländern inzwischen in die diese Richtung. Ein 30-, 32- oder 35-Stunden-Woche oder gleich eine 4-Tage-Woche sind bei vielen Arbeitnehmern angesagt – vor allem vor dem Hintergrund der Work-Life-Balance. Aber genau mit dieser argumentiert jetzt die bayerische Arbeitsministerin Ulrike Scharf (CSU), um die Höchstarbeitszeit aufzuweichen. Geht es nach der CSU-Politikerin, sollen mehr als zehn Stunden täglich möglich werden.

CSU-Politikerin will Arbeitszeitgesetz aufweichen – die Gastronomie freut es

Auch um dem Fachkräftemangel Einhalt zu gebieten, soll das Arbeitszeitgesetz in Bayern geändert werden. Vorgestellt hat den Vorschlag Scharf auf der Arbeits- und Sozialministerkonferenz im Saarland. „Ein erster wichtiger Schritt ist es, für einzelne Arbeitstage in der Woche auf freiwilliger Basis und unter Beachtung des Arbeitnehmerschutzes Arbeitszeiten von mehr als zehn Stunden zu ermöglichen.“ Weiter sagt die CSU-Politikerin: „Wir brauchen mehr Flexibilität, um Familie mit Beruf vereinbaren zu können – das steigert auch die Beschäftigungsquote.“ Dafür müssten die Arbeitszeitgesetze an die Lebenswelten der Menschen angepasst werden, so die dpa mit Bezug auf die Rheinische Post.

Bayerns Arbeitsministerin will Arbeitszeitgesetz aufweichen. Höchstarbeitszeit über zehn Stunden soll somit möglich werden.
Bayerns Arbeitsministerin will Arbeitszeitgesetz aufweichen. Höchstarbeitszeit über zehn Stunden soll somit möglich werden. © Peter Kneffel/dpa

Lob bekommt die Arbeitsministerin aus Reihen der Gastronomie und Hotellerie. Von der Dehoga Bayern heißt es: „Nicht nur Betriebe brauchen mehr Flexibilität, auch die Mitarbeiter fordern hier mehr Spielraum in der Gestaltung ihrer Arbeitszeit.“ Landesgeschäftsführer Thomas Geppert sagt: „Das Gastgewerbe ist keine Fließbandarbeit. Es muss gearbeitet werden, wenn die Arbeit anfällt.“ Das gelte beispielsweise bei Hochzeitsfeiern, bei denen die Gäste noch länger feiern wollten oder im Biergarten, wenn die Sonne scheine. Man wolle angesichts des Arbeitskräftemangels nicht weniger Mitarbeiter mehr arbeiten lassen, sondern sie flexibler einsetzen.

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Gewerkschaften sehen Vorstoß kritisch – „Die Folge wäre Arbeit ohne Ende und ohne Grenzen.“

Kritik gab es vorwiegend vonseiten der Gewerkschaften. „Die Vorschläge führen nur zu noch mehr Leistungsdruck, zu noch mehr Hamsterrad, aber zu keiner einzigen neuen Fachkraft“, sagte der Vorsitzende des DGB Bayern, Bernhard Stiedl. Die Beschäftigten wünschten sich mehr Flexibilität, aber keine Experimente beim Arbeitszeitgesetz, betonte er. „Überlange Arbeitszeiten und zu geringe Ruhezeiten sind ein Gesundheitsrisiko.“ Um die Beschäftigungschancen von Frauen zu verbessern, brauche es qualitativ hochwertige Betreuungsmöglichkeiten und dabei habe „das ‚Familienland Bayern‘ noch viel Luft nach oben“.

Stiedls Kollege von der IG Metall Bayern, Johann Horn, teilte seine Meinung. „Eine Ausweitung der täglichen Höchstarbeitszeit würde Tür und Tor für die Ausbeutung von Beschäftigten öffnen“, sagte er. „Die Folge wäre Arbeit ohne Ende und ohne Grenzen.“

Von diesem Mittwoch an beraten die Arbeits- und Sozialminister der Länder in Perl im Saarland. Seit Jahren gibt es immer wieder Forderungen von Unternehmen, aber auch Parteien wie der FDP, das Arbeitszeitgesetz zu lockern. Bisher sind täglich maximal zehn Stunden Arbeitszeit erlaubt. (tel mit dpa)