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Bornavirus-Studie in Maitenbeth: 157 Mäuse untersucht – und eine gute Nachricht

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Von: Katrin Woitsch

Zwei Kinder aus dem kleinen Ort Maitenbeth sind an dem bisher noch wenig erforschten Bornavirus gestorben. Eine groß angelegte Studie sollte Aufklärung bringen. Am Dienstag stellten die Forscher ihre Ergebnisse vor. Viele Fragen sind noch offen – doch zumindest eine gute Nachricht gibt es für die Bürger.

Maitenbeth – Die Feldspitzmaus ist selten und sieht harmlos aus. Doch sie ist Überträger des hochgefährlichen Bornavirus – das ist eines der Ergebnisse der Studie, die die Wissenschaftler gestern in Mühldorf präsentierten. Für die Untersuchung waren die Maitenbether aufgefordert worden, tote Spitzmäuse an das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zu schicken. Insgesamt 157 Spitzmäuse kamen bei den Forschern an. „Bei 16 davon handelte es sich um Feldspitzmäuse“, berichtete die FLI-Veterinärin Viola Haring. „Von diesen 16 wurde bei sechs das Bornavirus nachgewiesen.“ Alle anderen Mäuse waren virenfrei.

Eine gute Nachricht ist, dass es sich bei den Tieren um eine relativ seltene Art handelt. Feldspitzmäuse gehören nicht zu den Nagetieren, sondern sind Insektenfresser. Bisher sind sie der einzige bekannte Überträger der Viren. Auch 336 Zecken aus der Region wurden untersucht – bei ihnen wurde das Virus nicht gefunden.

Groß angelegte Suche nach dem Bornavirus in Maitenbeth

Eine gute Nachricht der Studie ist: Infektionen mit dem Bornavirus bleiben offenbar nicht unerkannt. Im Kreis Mühldorf waren drei Menschen erkrankt, zwei davon waren Kinder aus Maitenbeth. In allen drei Fällen verlief die Infektion tödlich. Die Forscher hatten die Bürger in Maitenbeth im Juli um Blutproben gebeten. 679 Bürger beteiligten sich an der Studie – das sind 41 Prozent der Einwohner. In keiner der Blutproben wurden Antikörper gegen das Virus nachgewiesen, berichtete Merle Böhmer, Infektionsepidemiologin am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Es gibt keinen Hinweis auf andere Verlaufsformen der Infektion. Und das bedeutet, dass die Erkrankung sehr selten ist.

Merle Böhmer, Infektionsepidemiologin am LGL

Auch alle Nasenabstriche waren negativ. Das bedeutet, dass niemand in Maitenbeth mit dem Virus infiziert war, ohne es zu merken. „Es gibt keinen Hinweis auf andere Verlaufsformen der Infektion“, betonte Böhmer. „Und das bedeutet, dass die Erkrankung sehr selten ist.“

Bürgermeister Thomas Stark lässt sich für die Studie Blut abnehmen
Blutabnehmen für die Forschung: Der Maitenbether Bürgermeister Thomas Stark war einer von 679 Bürgern der Gemeinde, die sich an der Studie beteiligten. © Richterstetter

Borna-Infektionen in Maitenbeth wohl Zufall – Ort kein Hotspot

Eines der Rätsel, das die Forscher lösen wollen, ist, warum es in der Region Mühldorf so viele Fälle gab. Bundesweit sind nur rund 40 Infektionen mit dem Bornavirus bekannt. Dafür analysierten die Forscher die Varianten des Virus. Rund um Mühldorf überlappen sich zwei Bornavirus-Linien. Die beiden Kinder aus Maitenbeth waren mit unterschiedlichen Varianten infiziert. „Es gibt keine Hinweise, dass Maitenbeth ein Hotspot ist, von dem weitere Infektionen ausgehen könnten“, erklärte Dennis Rubbenstroth vom FLI. Die Kinder hatten sich wohl an unterschiedlichen Orten in der Gemeinde angesteckt. Es handelt sich wohl eher um einen Zufall. Die meisten Borna-Infektionen gibt es in ländlichen Gebieten.

Eine Feldspitzmaus
Sie sieht harmlos aus: Die Feldspitzmaus gilt als Überträger des Bornavirus. © Frank Rumpenhorst

Unklar ist weiterhin, wie das Virus auf den Menschen übertragen wird. Die Bodenproben, die die Wissenschaftler in Maitenbeth entnommen hatten, brachten keine Hinweise. Es wird vermutet, dass die Feldspitzmäuse das Virus über Kot, Urin oder Speichel übertragen. 20 Prozent der Studienteilnehmer hatten angegeben, Kontakt mit Spitzmäusen gehabt zu haben. 38 Prozent hatten Spitzmäuse im direkten Wohnumfeld gesehen. Ob es weitere Überträger gibt, ist unklar.

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Die Unsicherheit in Maitenbeth ist weiterhin da

Den Maitenbethern präsentierten die Forscher die Ergebnisse schon am Montagabend. Das Interesse war sehr groß, berichtet Bürgermeister Thomas Stark. „Die Unsicherheit ist nach wie vor da“ – auch wenn das Virus nicht mehr täglich Thema im Ort sei. „Die Bürger sind nun vor allem erleichtert, dass keine weiteren Fälle nachgewiesen wurden.“ Der Mühldorfer Landrat Max Heimerl betonte, die Forschungsarbeit dürfen nun nicht enden. Die interdiszplinäre Zusammenarbeit soll fortgesetzt werden, das Geld dafür ist bereits zugesagt. Die Wissenschaftler wollen weiterhin gezielt Bodenproben entnehmen und Feldspitzmäuse untersuchen.