1. news-bayern
  2. Nachrichten

Bayerische Regiobahn: Ein mühsamer Start – heute eine Regionalmacht

Erstellt:

Von: Dirk Walter

Fünf Netze, ein Betreiber: Die BRB fährt in ganz Südbayern.
Fünf Netze, ein Betreiber: Die BRB fährt in ganz Südbayern. © BRB/Nadine Kolbeck

Die Bayerische Regiobahn, aus dem Bahnverkehr in Südbayern nicht mehr wegzudenken, feiert in diesem Jahr 25. Geburtstag. Der Beginn war mühselig, erinnert sich ein Mann der ersten Stunde.

München/Holzkirchen – Die Bayerische Regiobahn ist eine Macht in Bayern: fünf Netze, 13 Millionen Zugkilometer jährlich, 850 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – und 30 Millionen Fahrgäste, die in einem der 140 Züge zwischen Berchtesgaden und Buchloe, Schongau und Eichstätt unterwegs sind. „Wir sind aus der ÖPNV-Landschaft nicht mehr wegzudenken“, erklärt BRB-Chef Arnulf Schuchmann nicht ohne Stolz. In diesem Jahr wird die Regiobahn, die zum französischen Transdev-Konzern gehört, 25 Jahre alt.

Am 29. November 1998 fuhr der erste Zug der damaligen Bayerischen Oberlandbahn (BOB) – der Freistaat Bayern hatte zuvor das Streckennetz zwischen München und Bayrischzell, Lenggries und Tegernsee privatisiert. Die BOB war damals das erste Unternehmen in Bayern, das nach der Bahnreform Strecken von der Deutschen Bahn übernehmen konnte.

Heino Seeger erinnert sich

Am Anfang lief es unrund, erinnert sich Heino Seeger. Der ehemalige BOB-Chef stieß 1999 zum Unternehmen. Zuvor hatte der Gründungs-Geschäftsführer nach nur einem Jahr entnervt das Handtuch geworfen, denn der Start der BOB war mit Pannen übersät. Vor allem das Kuppeln und Flügeln der Züge am Bahnhof Holzkirchen klappte nicht. Auch blieben Fahrzeuge vom Typ Integral einfach liegen. Peinlich: Zeitweise musste die Deutsche Bahn, die ja die Strecken zuvor betrieben hatte, mit Zügen aushelfen.

„Du hast nur einen Schuss, und der muss sitzen“ , so habe ihn der damalige bayerische Verkehrsminister Otto Wiesheu zum Start begrüßt. Seeger, der als ehemaliger Lokführer („ich hab noch Dampf gefahren“) von der Deutschen Bahn kam, erwies sich als Kümmerer. Er fuhr selbst nach Jenbach/Tirol ins Werk des Integral-Herstellers. Es hakte an vielen Stellen. Die Dieseltriebzüge, so sagt Seeger heute, waren „vom Reißbrett weg gekauft“ worden. Die Materialien waren nicht immer beste Qualität – unter anderem erwiesen sich Kabel- und Steckverbindungen als marode. Auch Software-Probleme gab es.

Es dauerte Jahre, bis die BOB sich in der Region Vertrauen buchstäblich er-fahren hatte. Bis heute sagen viele „Bob“, auch wenn die Züge schon längst unter der Dachmarke „Bayerische Regiobahn“ fahren.

Der jüngste Zuwachs: das Berchtesgadener Land

Seeger blieb bis 2013, ehe er nach einem Streit mit dem Mutterkonzern, damals Veolia, das Unternehmen verlassen musste. Zu dieser Zeit war die damalige BOB schon gewachsen – das Netz Ammersee-Altmühltal kam 2008 dazu. Heute sind es fünf Netze, die BRB fährt auch nach Rosenheim, Salzburg und Kufstein sowie nach Buchloe und Füssen bis hoch nach Augsburg. Jüngstes „Küken“, wie der heutige Geschäftsführer Schuchmann es nennt, war Ende 2021 das Liniennetz Berchtesgaden-Ruhpolding. Es ist mit 0,7 Millionen Zugkilometern eher klein, zeigt aber, dass die BRB auf Expansionskurs ist.

ein Mann
Mann der ersten Stunde: Heino Seeger © THOMAS PLETTENBERG

Ob in Bayern künftig noch mehr BRB-Züge fahren werden, hängt auch von kommenden Ausschreibungen ab. Mit insgesamt 13,7 Millionen Zugkilometern in Südbayern ist die BRB schon heute hinter der (noch?) tonangebenden DB Regio auf Rang 2 der bayerischen Zugbetreiber. Dahinter folgen Agilis und Go-Ahead. Branchenkenner sagen, dass die BRB auch am Netz der Werdenfelsbahn, also den Zugstrecken nach Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald bis Innsbruck, Interesse hat. Per Übergangsvertrag wurde der Weiterbetrieb nach Angaben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) zwar bis 2025 der DB Regio übertragen. Doch die Ausschreibung eines Anschlussvertrags „Werdenfels 2027+“ steht aber noch aus .

Acht Zugbetreiber neben DB Regio gibt es heute in Bayern. Seeger glaubt, dass die BEG, die im Auftrag des Freistaats die Strecken vergibt, ihre Politik überdenken muss. „Immer billiger, das funktioniert heute nicht mehr“, sagt er mit Blick auf das jüngste Desaster bei Go-Ahead – der Neuling hatte bei der Übernahme des Augsburger Fuggerexpresses gleich einen desaströsen Start hingelegt. „Controller regieren heute bei der Eisenbahn – das ist ein Übel“, sagt Seeger.

Momentan plagt sich Geschäftsführer Schuchmann indes nicht mit strategischen Planungen, sondern vor allem mit Alltags-Problemen: der „schier aussichtslosen“ Suche nach Lokführern und Zugbegleitern und andauernden Großbaustellen – allein drei im BRB-Liniennetz in diesem Jahr. Immerhin: Auf das 49-Euro-Ticket („der richtige Weg“) sei man „bestens“ vorbereitet.

Übrigens: Unser Bayern-Newsletter informiert Sie über alle wichtigen Geschichten aus dem Freistaat. Melden Sie sich hier an.