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CSU-Generalsekretär Huber unter Abschreibeverdacht: Experte vermutet „dicke“ Plagiate

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Von: Dirk Walter

CSU-Generalsekretär Dr. Martin Huber steht unter Plagiatsverdacht seiner Doktorarbeit.
CSU-Generalsekretär Dr. Martin Huber steht unter Plagiatsverdacht seiner Doktorarbeit. © Sven Hoppe/dpa

Ein CSU-Generalsekretär unter Abschreibeverdacht. Dr. Martin Huber hat nicht nur bei seiner Doktorarbeit, sondern auch schon bei seiner Magisterarbeit abgeschrieben, sagt ein Plagiatejäger. Dieser hat etliche Stellen identifiziert.

München – Über ihren jüngsten Forschungsgegenstand möchte Claudia Wiener, Professorin für Lateinische Philologie an der Münchner Uni, eigentlich nicht viel sagen. Nur so viel: Ja, die Doktorarbeit von Martin Huber („Der Einfluss der CSU auf die Westpolitik der Bundesrepublik“) aus dem Jahr 2008 liege auf dem Tisch des Promotionsausschusses. Es gab bereits Sitzungen, Stellungnahmen seien angefordert, sagt die Vorsitzende des Gremiums. Noch in diesem Jahr, vielleicht noch in diesem Semester, werde der siebenköpfige Ausschuss sein Urteil fällen.

Danach könnte es für Huber noch dicker kommen. „Der mit der Überprüfung der Doktorarbeit befasste Ausschuss wird sich nach Abschluss dieser Prüfung zuständigkeitshalber auch der Überprüfung der Magisterarbeit annehmen“, teilt die Pressestelle der Uni mit. Schon in seiner Magisterarbeit hatte Huber, damals Mitarbeiter der CSU-Landesleitung, seine eigene Partei zum Thema gemacht. Die Studie zu „Bundestagswahlkämpfe der CDU/CSU als Oppositionsparteien“ erschien später wie auch die Dissertation als Buch in einem kleinen Verlag – daher ist sie auch für jedermann einsehbar.

CSU: Dr. Huber unter Abschreibeverdacht – Plagiatejäger fällt vernichtendes Urteil

Der Publizist und Plagiatsforscher Jochen Zenthöfer aus Luxemburg fällt in einem elfseitigen Untersuchungsbericht, der unserer Zeitung vorliegt, ein vernichtendes Urteil: „Inhaltlich kann die Arbeit kaum Neues beitragen.“ Huber versuche, theoretische Grundlagen der Wahlforschung auf die Ergebnisse der untersuchten Bundestagswahlen zu übertragen. „Allerdings erfolgt dies sehr kurz und ohne tiefere Erläuterungen.“ Zudem gebe es in der Magisterarbeit einige Plattitüden, etwa die: „Neben der Politik gilt vor allem dem Fußball Edmund Stoibers große Leidenschaft.“

Insgesamt listet Zenthöfer 19 sogenannte Plagiatsfragmente auf – ganze Passagen wurden mehr oder minder abgeschrieben. So weist Zenthöfer nach, dass sich Huber aus einer Arbeit von Dieter Roth, dem Mitbegründer der Forschungsgruppe Wahlen, kräftig bedient hat. Selbst die Gliederung von Roths Buch „Empirische Wahlforschung“ aus dem Jahr 1998 ist demnach zum Teil wortgleich in die Magisterarbeit kopiert worden. „An sehr vielen Stellen gibt Huber fremde Gedanken als eigene aus“, resümiert Zenthöfer. Dabei sei Vorsatz anzunehmen. „Es handelt sich nicht um Flüchtigkeitsfehler.“

Vorwürfe gegen CSU-Generalsekretär Dr. Huber: „Dicke“ Plagiate vermutet

Der Plagiateforscher fand zudem heraus, dass Huber beim Verfassen seiner Doktorarbeit auch aus der eigenen Magisterarbeit abgeschrieben hat – wobei die drei beanstandeten Textpassagen ursprünglich aber aus einem Buch des Sozialwissenschaftlers Wolfgang Hartenstein stammen.

Als Zenthöfer seine Plagiatsvorwürfe im Mai erstmals öffentlich machte, konnte er auf 26 Seiten von Hubers Doktorarbeit insgesamt 25 Zitate ohne oder mit falscher Quellenangabe nachweisen. Mittlerweile hat der Plagiatejäger seine Analyse fortgeschrieben und 20 weitere Stellen gefunden, wo Huber sich aus anderen Werken ohne hinreichende Belege bedient habe. Die Analyse liegt unserer Zeitung vor. Selbst den einstigen ZDF-Historiker Guido Knopp hat Huber demnach nicht ordentlich zitiert. Zenthöfer ist allerdings noch nicht ganz fertig – gerade am Ende der Dissertation, so der Forscher zu unserer Zeitung, vermute er noch „dicke“ Plagiate.

Gespannt darf man sein, wie der Promotionsausschuss mit diesen Erkenntnissen umgeht – und ob Huber Doktor bleiben kann. Nach der Promotionsordnung ist eine Aberkennung des Doktorgrades nur maximal fünf Jahre nach Abgabe der Arbeit möglich. Diese Frist ist längst verstrichen.