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„Blanke Existenzangst“: Handwerksbetriebe in Bayern kämpfen mit Energiepreisen – und stellen Forderung

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Von: Tanja Kipke

Ob Bäcker, Müller, Konditor oder Brauer: Bayerische Handwerkbetriebe fürchten Betriebsschließungen.
Ob Bäcker, Müller, Konditor, Metzger oder Brauer: Bayerische Handwerkbetriebe fürchten Betriebsschließungen. © Marijan Murat/dpa

Sie fürchten flächendeckende Schließungen: Die Bayerischen Ernährungshandwerke leiden enorm unter den hohen Energiepreisen. Sie fordern Maßnahmen von der Regierung.

München – Es ist von Existenzangst und Betriebsschließungen die Rede. Bayerische Handwerbetriebe wüssten nicht mehr, wie sie die hohen Energiepreise stemmen sollen. In einer gemeinsamen Presseerklärung fordern die Landesverbände der bayerischen Fleischer, Bäcker, Müller, Konditoren und Brauer die Regierung zum Handeln auf. Dafür finden sie eindeutige Worte. „Ergreift die Politik hier nicht schnellstmöglich Gegenmaßnahmen, werden Betriebsschließungen die unweigerliche Folge sein“, wird Lars Bubnick, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes für das bayerische Fleischerhandwerk, zitiert.

Hohe Energiepreise in Handwerksbetrieben: „Viele haben Existenzangst“

Viele Betriebe hätten Existenzängste. Dr. Josef Rampl, Geschäftsführer des Bayerischen Müllerbundes sagt: „Wir können deshalb nur eindringlich an die Bundesregierung appellieren, Lösungen zu finden, um die Existenz dieser mittelständischen Betriebe zu sichern.“ Der Verband stellt folgende Forderungen:

Neben den Bayerischen Ernährungshandwerke meldete sich am Mittwoch (14. September) auch der Präsident des Bayerischen Handwerkstags (BHT), Franz Xaver Peteranderl, zu Wort. „Ohne bezahlbare Energie ist die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe massiv gefährdet“, sagte er laut dpa. Aus immer mehr Zuschriften der Mitglieder spreche „die blanke Existenzangst“.

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Statt 140.000 Euro 450.000 Euro für Strom: Müllermeister verzweifelt

Müller, Bäcker und Konditoren seien stark von den Energiepreissteigerungen betroffen. „Die aktuelle Situation an den Strommärkten ist existenzgefährdend und sie bedroht den sozialen Frieden“, warnt Stephan Kopp, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes für das Bayerische Bäckerhandwerk.

Ein Beispiel der Schuster Mühle aus dem Landkreis Augsburg zeigt das Ausmaß des Anstiegs. Der Besitzer Markus Schuster zahlt in diesem Jahr 140.000 Euro für Strom inklusive Nebenkosten und zuzüglich Mehrwertsteuer. Für das kommende Jahr lautet das Angebot seines Energieversorgers 450.000 Euro. „Man weiß nicht, wie man es stemmen soll.“ Neben den explodierenden Energiepreisen macht ihm auch der durch den Krieg in der Ukraine stark gestiegene Getreidepreis zu schaffen. Bei einer Metzgerei in Oberfranken seien die Kosten von 88.000 auf 321.000 Euro im Jahr gestiegen.

Bei Brauereien komme noch ein weiteres Problem hinzu. „Neben den hohen Energiekosten hat die mittelständische Brauwirtschaft das dringliche Problem, dass nahezu keine Kohlensäure für das Abfüllen von Bier und anderen Getränken zur Verfügung steht“, erklärt Stefan Stang, Geschäftsführer des Verbandes Private Brauereien Bayern e.V. „Es gibt bereits mehrere Betriebe, die aufgrund dieser Tatsache nicht mehr produzieren können.“ So zum Beispiel die Aktienbrauerei Kaufbeuren, die keine Limonade mehr produzieren kann.

Über die Bayerischen Ernährungshandwerke:

Zusammenschluss des Verbands Private Brauereien Bayern, der Landes-Innungsverband für das bayerische Bäckerhandwerk, der Fleischerverband Bayern, die Konditoren-Innung Bayern sowie der Bayerische Müllerbund. Gemeinsam stehen die Organisationen für rund 100.000 Mitarbeiter und 10.000 Auszubildende in mehr als 8.000 Lebensmittelbetrieben.

Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstags (BHT) forderte bei Hilfen für Unternehmen unbedingt auch „energieintensive Bereiche des Handwerks wie Bäcker, Metzger, Konditoren, Textilreiniger und Metallhandwerker zu berücksichtigen“. Zudem betonte er, es wäre „fahrlässig, das Stromangebot zu verknappen und mit der Atomkraft nur als Notreserve in den Winter zu gehen“. (tkip)

Angesichts der Energiekrise wird auch auf Weihnachtsmärkten einiges anders - auf eine Sache wird wohl ganz verzichtet werden.