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Bayerns Kommunen planlos bei Hitze: Todesfälle steigen weiter an – „immense Zahlen“

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Von: Thomas Eldersch

Hitze wird auch in Bayern zunehmend zu einem Problem. Nicht nur die Natur leidet unter zu hohen Temperaturen, sondern auch vulnerable Bevölkerungsgruppen.

München – Noch vor dem kalendarischen Sommeranfang am 21. Juni stiegen die Temperaturen in Bayern bereits über 35 Grad. Der Freistaat hat, genauso wie überall auf der Welt auch, mit dem Klimawandel zu kämpfen. Es wird immer früher und länger heißer. Das ist vor allem ein Problem für vorerkrankte, ältere und ganz junge Menschen. Die Zahl der Hitzetoten stieg in besonders heißen Sommern extrem an.

Gefahr durch Hitze in Bayern: Jedes Grad mehr erhöht das Risiko

Sterben durch Hitze mehr Menschen als im Straßenverkehr? In heißen Sommern kann das passieren. Die Augsburger Umweltforscherin und Professorin für Regionalen Klimawandel und Gesundheit, Elke Hertig, hat die Folgen zu hoher Temperaturen untersucht. Im Ausnahme-Hitzesommer 2003 starben 7600 Menschen. 2015 waren es 6100. Die Tendenz steigt, so die Forscherin gegenüber dem BR.

Für Bayern gebe es bislang noch keine Zahlen, aber Menschen mit Kreislauferkrankungen seien besonders gefährdet, so Hertig. „Wir sehen, dass die Sterblichkeit pro Grad Temperaturanstieg um circa 3,8 Prozent ansteigt“, sagt die Wissenschaftlerin. „Also, das sind schon immense Zahlen.“ Es werde zukünftig auch mehr Tage über 38 Grad geben, warnt Hertig.

Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt regelmäßig vor zu hohen Temperaturen. Dabei seien nicht die tatsächlichen Werte ausschlaggebend, sondern die gefühlten. Diese, so heißt es beim DWD, seien abhängig von Luftfeuchtigkeit, Strahlung, Wind und den tatsächlichen Temperaturen. Wenn so also die Werte zwei Tage am Stück über 32 Grad liegen, folgt die Warnung. In den vergangenen fünf Jahren passierte das 79 Mal in Bayern, schreibt der BR. Besonders betroffen sind die Städte Aschaffenburg, Altötting, Miltenberg und Würzburg sowie die Landkreise Rottal-Inn und Passau.

Hitzetote in Bayern: Kommunen müssen Konzept aufstellen

Städte sind es auch, die bei der Vermeidung von Hitzetoten im Fokus stehen. Denn Kommunen sind dafür verantwortlich, ihre Bürger zu schützen. Aber wie der BR herausgefunden und das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bestätigt hat, gibt es noch in keiner Gemeinde oder Stadt einen Hitzeaktionsplan. Beim LGL will man wenigstens mit einer Arbeitsgruppe, die seit September 2021 existiert und der auch Kliniken und Pflegeverbände angehören, an dem Problem arbeiten. Sicher ist jetzt schon, dass vor allem ältere Menschen gefährdet sind. Sie vergessen häufig zu trinken, dehydrieren und erleiden am Ende ein Nierenversagen.

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Andere Länder und auch Regionen in Deutschland sind in puncto Hitze schon weiter. In Frankreich würden beispielsweise Großveranstaltungen bei zu hohen Temperaturen abgesagt. In Wien gibt es rund 1000 Trinkwasserbrunnen in der Stadt. In Kassel gibt es seit zwölf Jahren ein Hitzetelefon. Senioren werden dort bei hohen Temperaturen angerufen und ans Trinken erinnert. Andere Kommunen öffnen ihre klimatisierten Räume wie Bibliotheken oder Museen für ihre Bürger.

Bayern zieht nach: Modellregionen und Hitze-Aktionspläne

Aber es tut sich was in Bayern. Würzburg, eine der heißesten Städte im Freistaat, will einen Hitzeaktionsplan aufstellen, schreibt der BR. In Augsburg, Regensburg und München will man den jeweiligen Stadträten ähnliche Pläne vorlegen. Martin Heilig (Grüne), Klimabürgermeister in Würzburg, weiß, dass das Hitzerisiko oft nicht richtig bewertet wird. „Das muss man ganz klar mit ‚Ja‘ beantworten, dass insgesamt das Problem lange unterschätzt wurde und eigentlich immer noch unterschätzt wird.“

In Zusammenarbeit mit der TU München habe man herausgefunden, dass in Stadtteilen, in denen die Überhitzung besonders groß ist, vermehrt Rettungseinsätze gefahren werden. „Insbesondere wenn wir Nächte haben, die sogenannten Tropennächte, wo es nicht unter 20 Grad abkühlt. Das ist eine ganz, ganz große Belastung für Menschen, die sowieso schon gesundheitlich angeschlagen sind, und sowohl für Kinder und auch für ältere Menschen“, so der Bürgermeister gegenüber dem BR.

Auch in Straubing tut sich was. Als Modellregion soll hier ein Leitfaden erarbeitet werden, der auf andere Kommunen übertragbar ist. In rund eineinhalb Jahren soll der Masterplan stehen. Dann steht fest, was bei großer Hitze zu tun ist und wie die Bürger geschützt werden können. Und es wird höchste Zeit. Wissenschaftler sind sich sicher, dass die Zahl der Hitzetage noch zunehmen wird. Sind es bislang 15 Tage im Sommer, an denen es über 30 Grad in Bayern warm wird, könnten es Ende des Jahrhunderts bereits mehr als 50 sein. (tel)

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