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„Sabralot, da hast fei an Dusel ghabt“: Anna (25) geht mit Dialekt-Videos viral

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Von: Katarina Amtmann

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Anna Neubauer ist auf Instagram mit fränkischen Reels erfolgreich. © Ingo Urban

Den fränkischen Dialekt versteht nicht jeder. Anna Neubauer kann da Abhilfe schaffen. Die junge Frau aus Fürth teilt entsprechende Reels auf Instagram.

Fürth - Fei, gell und a weng. Wer in Franken wohnt, kennt diese Wörter zu Genüge. Und wer sie nicht kennt, für den gibt es Anna Neubauer. Die 25-Jährige aus Fürth „übersetzt“ auf Instagram deutsche Redewendungen ins fränkische - immer mit einem Augenzwinkern.

Fränkische Reels auf Instagram: Fürtherin teilt Dialekt-Videos - mit Erfolg

Mit ihrem Kanal @annather_story hat die Studentin einen riesen Erfolg. Mittlerweile folgen ihr über 17.000 Menschen. Doch wie kommt man auf die Idee zu fränkischen Reels? Als Reels (also kurze Videos) auf Instagram aufkamen, fand sie es einfach cool. Sie wollte selbst Reels machen, immerhin habe sie das Schneiden von Videos im Studium gelernt. Aber: „Ich wusste erst nicht, worüber ich das machen will“, erzählt sie im Gespräch mit Merkur.de.

Es sei langweilig, wenn jeder das selbe mache. „Ich wollte etwas Neues, habe überlegt, was kann ich, was bringt die Leute zum lachen?“. Sie sei sowieso ein Gute-Laune-Mensch und das sollte sich auch auf ihrem Kanal zeigen. Im Urlaub kam dann die Idee: „Viele haben mich im Urlaub - zumindest außerhalb von Franken - auf das rollende R angesprochen“, so Anna weiter. Sie dachte sich: „Das ist eigentlich eine coole Idee, du machst einfach mal ein Franken-Reel.“ Die Idee war geboren.

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Dialekt: Fränkische Reels auf Instagram - „Sabralot, da hast fei an Dusel ghabt“

Auf Instagram war sie schon zuvor, doch erst mit den Franken-Reels kam der Durchbruch. Schnell hatten ihre Clips über 100.000 Klicks, die Followerzahl verdoppelte sich in kurzer Zeit. Aktuell folgen dem Kanal 17.300 Menschen. Das erfolgreichste Reel der Fränkin hat fast eine halbe Million Klicks.

Der virale Clip stammt aus dem Dezember 2021: „In Franken sagt mer net: Woaaah da hast du echt Glück gehabt. In Franken sagt mer: Sabralot, da hast fei an Dusel ghabt“.

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Reels über den fränkischen Dialekt: Anna nimmt Videos allein auf - und teilt sie mit Tausenden

Warum gerade das Video durch die Decke ging? Es sei recht kurz, was auf Instagram wohl wichtig sei. Keiner würde sich mehr lange Videos anschauen. Die Wörter „Dusel“ beziehungsweise „Glück“ kenne außerdem jeder. Auch habe ihre Mimik wohl gut dazu gepasst, schätzt Anna.

Im Schnitt gibt es einmal pro Woche ein solches Reel, in der Prüfungszeit auch mal nur alle zwei Wochen, dafür in den Ferien dann wieder öfter. Die Reels selbst sind schnell geschnitten, 5 bis 10 Minuten braucht sie dafür. Das Video (der Aufbau ist immer gleich) nimmt sie allein mit Hilfe eines Handystativs auf. „Wenn Leute im Raum sind und ich mit mir selber rede, das finde ich irgendwie komisch“ erzählt Anna lachend. Immerhin verziehe sie auch oft das Gesicht, es sei ungewohnt, wenn dann ihr Freund im gleichen Raum sitze.

Als sie mit ihrem Kanal gestartet ist, dachte sie mit Blick auf die Redewendungen: „Irgendwann hört es auf.“ Mittlerweile hat sie aber keine Angst mehr, dass ihr das Material ausgeht. „Follower schicken mir Begriffe zu“, erzählt die Studentin. Auch aus ihrem Umfeld gibt es Vorschläge, zum Beispiel auch von ihrer Oma. Außerdem gebe es sowieso teilweise schon von Dorf zu Dorf andere Wörter.

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Anna Neubauer teilt auf Instagram fränkische Reels. ©  Frank Heindl

Fränkin macht Dialekt-Reels auf Instagram: „Für mich ist das keine Arbeit, sondern ein Hobby“

Alle Vorschläge setze sie aber nicht um. „Nicht alle eignen sich“, findet Anna. Manche Wörter seien zum Beispiel langweilig oder sie kenne sie selbst nicht. Manchmal müsse sie deshalb länger überlegen, „was cool ist“. Dieser Teil des Videos - also sich auf eine Redewendung festzulegen - dauert deshalb bei den Reels meist am längsten.

Auf ihrem Kanal postet die 25-Jährige aber nicht nur Franken-Reels. Auch Urlaubsbilder oder Motivationssprüche sind dort zu finden. Wieviel Zeit sie sich pro Tag für Instagram nimmt, kann sie nicht abschätzen. „Für mich ist das keine Arbeit, sondern ein Hobby“. Dass sie mehr Zeit mit Instagram verbringt als andere, die sich dort Fotos oder Videos anschauen, glaubt sie aber nicht, „weil ich mir nicht so viel von anderen anschaue, ich produziere lieber.“

Fränkischer Dialekt: Reels auf Instagram - „Meine Oma ist mein größter Fan“

Mittlerweile verdient Anna mit ihrem Kanal dank Kooperationen sogar Geld. Davon leben könnte sie aber nicht. Die Fränkin studiert und arbeitet nebenbei als Werkstudentin, dabei macht sie Social Media für Unternehmen. Zusätzlich hat sie ihren eigenen Kanal. Womit soll es zukünftig weitergehen? „Es gefällt mir alles drei voll“, erzählt sie. Deshalb habe sie sich noch nicht entschieden, was sie davon weitermachen will, ob sie bei einem Unternehmen angestellt sein, oder doch lieber selbstständig sein will.

Die Reaktionen aus ihrem Umfeld waren durchweg positiv, alle fänden es witzig. Mittlerweile werden die Verwandten sogar von anderen im Dorf oder Verein darauf angesprochen. Besonders gut kommen die Reels bei ihrer Oma an. „Meine Oma ist mein größter Fan“. Sie habe sich extra für den Kanal der Enkelin Instagram geholt. „Sie liked jede Story“, lacht Anna im Interview.

Typisch fränkisch: Lebensweisheiten und Sprichworte

Meine Oma ist mein größter Fan. Sie liked jede Story

Anna Neubauer

Im fränkischen Dialekt schreiben? „Das pack ich irgendwie gar nicht“

Ihr liebstes fränkisches Wort ist „fei“. Das könne man in jedem Satz verwenden, „das geht immer, das kennt jeder“ - zumindest in Franken. „Franken ist da, wou die Hasen Hoosn haaßn und die Hosen Hussn haaßn“, ist ihr Lieblingssprichwort.

Von im Dialekt schreiben - zum Beispiel auf Whatsapp - hält sie aber nichts. „Das pack ich irgendwie gar nicht“, erzählt sie. Es sei schwer zu schreiben, schwer zu lesen und „beim Schreiben bin ich überkorrekt“, lacht sie - wohl studienbedingt. Immerhin hat sie ihren Bachelor in Technik-Journalismus gemacht.

Bei jemandem, der Franken-Reels produziert, stellt sich natürlich die Frage: Geht‘s auch ohne rollendes R? „“Das geht tatsächlich eigentlich nicht“, gibt sie zu. Sie versuche es hin und wieder, doch ihre Kommilitonen sagen ihr jedes Mal: „Das hochdeutsche klingt auch nicht hochdeutsch“. Und Anna meint: „Das werd ich nie hinbekommen.“ (kam)

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