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Mit 10 km/h durch Bayern: Züge fahren immer langsamer wegen kaputter Gleise - repariert wird erstmal nichts

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Von: Dirk Walter

Stopp, Langsamfahrt. Südlich von Eschenlohe weist das gelbe A-Schild auf den Beginn der Langsamfahrstelle hin. Derzeit enden die Züge aber ohnehin in Murnau.
Stopp, Langsamfahrt. Südlich von Eschenlohe weist das gelbe A-Schild auf den Beginn der Langsamfahrstelle hin. Derzeit enden die Züge aber ohnehin in Murnau. © Bartl

Die DB-Netz verhängt für immer mehr Regionalzugstrecken in Bayern krasse Tempo-Limits, einige sind ganz gesperrt. Die Lage wird sich weiter verschärfen. Reparaturpläne existieren nicht.

München – Mal werden die Züge auf 70 km/h runtergebremst, mal sind es 40 km/h, im Extremfall auch nur 10 km/h: Die Zahl der Langsamfahrstellen auf den bayerischen Regionalstrecken nimmt stetig zu. Ein Grund sind möglicherweise poröse Betonschwellen eines bestimmten Bautyps – bundesweit 200.000, vielleicht noch mehr wurden verbaut. Aber auch generelle Oberbaumängel bremsen die Bahn aus.

Mit 20 km/h von München nach Oberau - repariert worden ist noch nichts

Bereits in den Tagen nach dem Zugunglück von Burgrain hatte die Bahn auf der Werdenfelsstrecke zwischen Oberau und München insgesamt fünf Stellen als schadhaft identifiziert und Tempolimits verordnet. Die erste gibt es gleich zwischen Oberau und Eschenlohe – von der daneben liegenden Bundesstraße aus sind gut die großen gelben Schilder zu sehen, die den Lokführer auf die Langsamfahrstelle hinweisen. Teilweise darf, etwa bei Gauting, nur noch 20 km/h gefahren werden. Repariert worden ist seitdem noch nichts – im Gegenteil: Der Reparaturstau wird immer größer.

Unserer Zeitung liegt der aktuelle La-Bericht vor. La heißt Langsamfahrstelle, die DB Netz schickt an ihre Lokführer wöchentliche Aktualisierungen. Der für die Woche 19. bis 25. August umfasst für den La-Bereich Süd, wozu auch Baden-Württemberg zählt, 180 Seiten. Demnach sind auf der Strecke der Ammerseebahn Geltendorf-Weilheim zwei weitere Langsamfahrstellen wegen Oberbaumängeln hinzugekommen.

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Neue Tempolimits für Regionalzüge in Weilheim-Schongau - mit Folgeproblemen

Auch zwischen Weilheim-Schongau gibt es bei Peißenberg seit dem 20. Juli neue Tempolimits: Der Zug muss teilweise auf 20 km/h runterbremsen – ausgerechnet dort, wo er sonst Tempo 80 fahren darf (was auf der Strecke schon viel ist). Norbert Moy, Sprecher von Pro Bahn für Oberbayern, findet das sehr problematisch: Denn die Bahnlinien sind auch Zulaufstrecken, die Züge dort an den Knotenpunkten Murnau und Weilheim mit den Regionalzügen Richtung München vertaktet. „Manchmal wartet jetzt der Zug nach München, manchmal nicht.“

Oberammergau-Murnau dauerhaft gesperrt - auch BOB-Strecken in Tölz und Miesbach betroffen

Noch extremer ist es zwischen Oberammergau und Murnau: Zwischen Bad Kohlgrub und Oberammergau darf der Zug seit dem 4. Juli an einer Stelle nur noch 10 km/h fahren. Allerdings ist das derzeit hypothetisch: Die gesamte Strecke ist auf unabsehbare Zeit offiziell wegen Reparaturarbeiten gesperrt – es fahren nur Busse. Auch auf anderen Regionalstrecken sind Oberbaumängel ein Thema – beispielsweise auf der BOB-Strecke Holzkirchen-Bayrischzell und Schaftlach-Bad Tölz oder auch auf der Nebenbahn Rosenheim-Mühldorf (seit Mittwoch bei Rott).

Bürgermeister schlagen Alarm wegen toter Strecke bei Garmisch-Partenkirchen - Bahn spricht von Konzept

Die Bürgermeister im Landkreis Garmisch-Partenkirchen beschweren sich in einem gemeinsamen Brief bei Heike Junge-Latz, der Leiterin des Instandhaltungsmanagements bei DB Netz in Südbayern. Die Bahn müsse „umgehend“ mit der Sanierung der Strecke beginnen. Derzeit enden die Züge schon in Murnau. Es sei „nicht nachvollziehbar, dass diese Bahnlinie, die als ,Lebensader‘ für viele Pendler, Schülerinnen und Schüler und Gäste dient, nicht oder nicht mehr regelmäßig bedient“ werde. Dass sich am maroden Zustand der Bahnstrecken schnell etwas ändert, ist indes nicht zu erwarten. „Derzeit wird das Konzept für Erneuerungsmaßnahmen erarbeitet“, erklärt eine Bahnsprecherin. Details würden „zeitnah“ bekannt gegeben.

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