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„Deftig, herzhaft, fleischlastig“: Experten analysieren Speiseplan von Markus Söder

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Von: Carina Zimniok

Markus Söder mag es deftig – politisch eh, aber auch kulinarisch. Der Ministerpräsident isst gerne Fleisch und zeigt das auch regelmäßig im Internet. Warum macht er das? Und ist das, was er auftischt, auch gesund?

München – Essen ist, das weiß Markus Söder genau, Politik. Im September 2021 fotografiert der bayerische Ministerpräsident sein Frühstück für seine 315 000 Fans auf Instagram: Joghurt in einem Glasschüsserl, darauf rote und grüne Trauben. „Ein gesundes Frühstück für einen spannenden Tag. Heute kommt Angela Merkel nach Bayern“, schreibt Söder drunter – und es dauert nur Minuten, bis die ersten Leser sich über die Kombination „Rot-Grün“ amüsieren, ärgern, auslassen. Mehr als 10 000 Nutzern gefällt das Joghurt-Bild. So viel Aufmerksamkeit bekommt auf Instagram höchstens noch Söders wirklich niedlicher Hund.

Söders Speiseplan: Ministerpräsident zeigt sein Essen – Das Phänomen #söderisst

Der Eintrag mit dem Joghurt war einer der ersten, seither postete der Ministerpräsident zig Bilder von seinem Essen. Unter dem Schlagwort #söderisst kriegt das Volk den Speiseplan des Landesvaters serviert – zumindest einen Teil davon.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gemeinsam mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber beim Grillen.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gemeinsam mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber beim Grillen. © Sven Hoppe/dpa

Saures Lüngerl, Weißwürst mit Brezen und Senf, Strammer Max, frittierter Karpfen, Spiegelei mit Spinat, Backfisch, ziemlich verkohlte, selbst gegrillte Steaks, Gulaschsuppe, ein Eis (Lieblingssorte Pistazie). Manche Leser wünschen höflich einen guten Appetit, andere fühlen sich provoziert. Unter einem saftigen Stück Lachs auf Gemüse („Schmeckt und gibt Kraft“, so Söder) schimpft einer: „Nicht jeder Bürger kann sich das leisten, mit Mindestlohn von 12 Euro kann man keinen Lachs für 25 Euro/kg zahlen. Aber guten Appetit, genießen Sie für uns alle.“

Das Essen der Spitzenpolitiker: Nahrung als „politisch delikate Angelegenheit“

Was essen Spitzenpolitiker? Das ist nicht nur ein Thema der sozialen Medien, also der jüngeren Generation. Schon über Helmut Kohl wusste jeder, dass er Saumagen liebt. Angela Merkel mag Kartoffelsuppe aus der Uckermark, Gerhard Schröder Currywurst. Bodenständig, regional, bescheiden – und das ist natürlich nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern auch Kalkül. „Ohne Zweifel – das Essen ist eine politisch delikate Angelegenheit“, schreibt der Bremer Politikwissenschaftler Philip Manow in seinem Buch „Die zentralen Nebensächlichkeiten der Demokratie“.

Es geht, sagt der Professor am Telefon, um Mehrheitsfähigkeit, um Volksverbundenheit. Und deshalb müssen Politiker mit ihrem Essen Fettnäpfchen unbedingt umschiffen. Nicht umsonst versuchte Sahra Wagenknecht zu verhindern, dass Fotos von ihrem Hummeressen in einem Brüsseler Spitzenrestaurant an die Öffentlichkeit geraten, so Manow. Sag mir, was du isst – und ich sag dir, wer du bist.

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Isst Söder gesund? Ernährungsberaterin zeigt sich zwiegespalten

Zurück zu Söder. Ist das, was der Ministerpräsident da alles isst, denn gesund? Taugt der Instagram-Speiseplan – auch wenn er natürlich nicht vollständig ist – als Blaupause fürs Volk? Tanja Maxeiner (49) ist seit sechs Jahren Ernährungsberaterin mit eigener Praxis in München und ein wenig zwiegespalten, wenn sie Söders Mahlzeiten anschaut.

„Er ist schon eher auf der deftigen, herzhaften, sehr fleischlastigen Seite“, sagt sie. „Bratwurst, Gans ... die tierischen Fette können die Cholesterinwerte erhöhen“, sagt Maxeiner, die kürzlich für t-online.de einzelne Gerichte aus Söders Liste analysiert hat. Das erhöht das Risiko von Übergewicht, Gefäßkrankheiten oder Herzinfarkten. Die Ernährungsexpertin nimmt Söder aber auch ein wenig in Schutz: „Es ist schwierig für Menschen, die viel unterwegs sind, viel Stress haben, sich gesund und ausgewogen zu ernähren“, sagt sie.

Söder teilt sein Essen auf Instagram: Nutzerin wundert sich über Salat-Posting

Es ist aber auch so: Die bayerische Küche macht es einem nicht leicht, findet Tanja Maxeiner. Wer im Wirtshaus vegetarisch essen will, landet meist bei Kasspatzen oder Knödl mit Schwammerlsoße. „Sehr schwer, sehr kalorienreich – wenn man das mittags isst, fällt man erst einmal in ein Loch“, sagt Maxeiner. Der Körper muss verdauen – Schwerstarbeit. Sie würde sich wünschen, dass Prominente mehr auf ihre Fitness, auf gesunde Ernährung achten und so ihrer Vorbildfunktion gerecht werden.

Söder zeigt natürlich auch mal Salat auf seinem Teller – er ist geschickt genug für die Gratwanderung zwischen deftiger, volksnaher Ernährung und gesundem Essen. Das Gericht, das er dem Internet zuletzt präsentiert hat: gemischter Salat mit gebackenem Feta. „Nach drei Tagen Klausurtagung in Kloster Banz gibt’s heute Mittag einen Salat. Mal wieder was Leichtes und Gesundes zur Stärkung“, schreibt Söder. Und eine Dame antwortet säuerlich: „Sieht ja aus wie das Mittagessen von Baerbock.“