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Ozonwerte in Bayern steigen konstant an – Wie gefährlich ist das Gas wirklich?

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Von: Thomas Eldersch

Die Ozonbelastung in Innenstädten – wie hier in München – ist häufig geringer, als wie am Stadtrand oder auf dem Land.
Die Ozonbelastung in Innenstädten – wie hier in München – ist häufig geringer, als wie am Stadtrand oder auf dem Land. © Sven Hoppe/dpa

In Bayern steigt seit Jahren der mittlere Ozonwert an. Das kann gesundheitliche Folgen haben – vor allem bei vulnerablen Gruppen.

München – Die etwas ältere Generation kennt sie noch. Die Warnungen aus den 1980er- und 1990er-Jahren vor dem Ozonloch. Die Konsequenz war damals das Verbot der schädlichen Fluorchlorkohlenwasserstoffe, kurz FCKW. Jetzt ist das Ozon wieder da. Aber nicht in Form eines Lochs in der Stratosphäre. Diesmal herrscht Gefahr auch in Bodennähe, denn die Ozonwerte stiegen in den letzten Jahren konstant an.

Ozon kann für gewisse Bevölkerungsgruppen gefährlich sein

Meteorologen wie Jörg Kachelmann warnen jetzt in der heißesten Zeit des Jahres häufiger vor den Gefahren des geruchlosen Gases. Denn mit Ozon ist nicht zu spaßen. Vor allem für vulnerable Gruppen kann das Gas gefährlich sein. Also sollten Babys, Kinder, ältere Menschen und lungenkranke Menschen (Asthma, COPD) vorsichtig sein, wenn die Konzentration bestimmte Grenzwerte erreicht oder sogar überschreitet.

Diese werden vom Umweltbundesamt festgelegt. Ab einem Wert von 180 µg/m3 (1-Stunden-Wert) wird die Informationsschwelle erreicht. Das heißt, dass Verhaltensempfehlungen an die Bevölkerung ausgegeben werden. Wird ein Wert von 240 µg/m3 (1-Stunden-Wert) erreicht, ist die Alarmschwelle erreicht.

Weiter heißt es beim Umweltbundesamt:

Zum Schutz der menschlichen Gesundheit ist ein Zielwert festgelegt: Der maximale 8-Stunden-Wert eines Tages darf an höchstens 25 Tagen pro Kalenderjahr, gemittelt über 3 Jahre, den Wert von 120 µg/m3 überschreiten. Langfristig sollen die maximalen 8-Stundenmittel den Wert von 120 µg/m3 gar nicht mehr überschreiten. Zum Schutz der Vegetation gilt im 5-Jahresmittel ein Zielwert von 18.000 µg/m3 als Summe der Differenz zwischen Einstundenmittelwerten über 80 µg/m3 und 80 µg/m3 während Tagesstunden (8–20 Uhr) der Hauptvegetationszeit von Mai bis Juli (AOT 40).

Risiken einer zu hohen Ozonbelastung

Aber welche Risiken drohen bei einer zu hohen Belastung? Das Gas greift die Lunge an und kann ihre Funktion beeinträchtigen. Es kann zu Atembeschwerden führen und Entzündungen in den Atemwegen hervorrufen. Etwa 15 Prozent der Bevölkerung quer durch alle Schichten reagieren besonders empfindlich auf das Gas. Da Ozon ein sehr reaktionsfreudiges Gas ist, steht es sogar im Verdacht, krebserregend zu sein. Die MAK-Kommission (MAK=Maximale Arbeitsplatz Konzentration) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beurteilte Ozon als einen Stoff, der „im Verdacht steht, beim Menschen Krebs auszulösen“.

Auch für Pflanzen ist Ozon schädlich. Auf der Seite des Umweltbundesamtes heißt es dazu: „Ozon wird von Pflanzen durch die Spaltöffnungen der Blattorgane aufgenommen. Dadurch können bei Pflanzen Schäden an Blattorganen auftreten. Länger anhaltende Belastungen stellen ein Risiko für das Pflanzenwachstum, Ernteerträge und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte dar.“

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Wie kann man sich vor einer zu hohen Ozonbelastung schützen?

Wie entsteht Ozon in Bodennähe eigentlich? Das Gas wird dann gebildet, wenn die Sonneneinstrahlung besonders hoch ist. Dann finden komplexe photochemische Prozesse aus Vorläuferschadstoffen statt. Dazu zählen überwiegend Stickstoffoxide. Rund die Hälfte aller Stickstoffoxide werden durch den Straßenverkehr erzeugt. Aber auch Farben, Lacke und Reinigungsmittel mit Lösemittel können Ozon erzeugen. Um die Entstehung von Ozon zu vermeiden, sollte man daher, wenn möglich an heißen Tagen das Auto stehen lassen oder auf lösemittelfreie Produkte zurückgreifen.

Um sich vor möglichen Schäden durch Ozon zu schützen, sollte man Sport an heißen Tagen in die Morgenstunden verlegen. Dann ist die Belastung am geringsten. Hier sollte auch durchgelüftet werden, damit am Nachmittag und Abend die Fenster zu bleiben können.

Außerdem ist die Belastung am Stadtrand meistens höher, als direkt in der Innenstadt – obwohl dort mehr Verkehr fließt. Beim Umweltbundesamt heißt es dazu: „Das klingt scheinbar paradox, liegt aber daran, dass Stickstoffmonoxid (NO), das in Autoabgasen enthalten ist, mit Ozon reagiert. Dabei wird Ozon abgebaut, sodass die Ozonbelastung in Innenstädten deutlich niedriger ist. Andererseits werden die Vorläuferstoffe mit dem Wind aus den Städten heraus transportiert und tragen so entfernt von deren eigentlichen Quellen zur Ozonbildung bei.“

Ozonloch über der Antarktis erreicht eins der größten Ausmaße der letzten 15 Jahre (Video)

Trotz wärmeren Sommern in Bayern nimmt die maximale Ozonbelastung ab

Durch die zunehmend wärmeren Sommer aufgrund des Klimawandels könnte man glauben, dass die Grenzwerte heutzutage viel häufiger überschritten werden müssten. Dem ist aber nicht so. Eine regelmäßige Überschreitung der Informationsschwelle trat häufiger in Bayern in den 1990er-Jahren auf, heißt es beim Bayerischen Landesamt für Umwelt. Das letzte Mal, dass die Alarmschwelle überschritten wurde, war 2003. Aber wie kann das sein?

Die Grafik zeigt, an wie vielen Tagen im Jahr der Grenzwert von 120 µg/m3 überschritten wurde.
Die Grafik zeigt, an wie vielen Tagen im Jahr der Grenzwert von 120 µg/m3 überschritten wurde. © Umweltbundesamt

Die Temperaturen liegen zwar immer häufiger über 35 Grad, aber die Voraussetzungen für die Entstehung von Ozon haben sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten geändert. Vorläufersubstanzen wie NOx werden weniger erzeugt – Stichwort Feinstaub. Beim Umweltbundesamt heißt es dazu: „Wären im Juli 2013 noch die hohen Emissionen des Jahres 2003 freigesetzt worden, hätte dies in großen Teilen Deutschlands zu höheren Ozonwerten geführt […]. Hätten im Juli 2013 die für die Ozonbildung etwas ungünstigeren meteorologischen Bedingungen des Juli 2003 geherrscht, hätte dies in weiten Teilen Deutschlands zu niedrigeren Ozonwerten geführt […]. Die Bedingungen für die Ozonbildung waren also im Juli 2013 günstiger als im Juli 2003; trotzdem kam es im Juli 2013 zu niedrigeren Ozonkonzentrationen und damit zu weniger Überschreitungen von Zielwerten und der Informations- und Alarmschwelle.“

Eigentlich ein Grund zur Freude, oder? Nicht ganz. Die Spitzen bei den Ozonwerten sind zwar zurückgegangen. Die mittlere Ozonbelastung hat allerdings in den letzten Jahren zugenommen. „Der Zielwert für den Schutz der Gesundheit – 120 µg/m³ als 8-Stunden-Mittelwert, darf an höchstens 25 Tagen pro Kalenderjahr überschritten werden, gemittelt über 3 Jahre – wird vielerorts in Deutschland nicht eingehalten. Das langfristige Ziel – 120 µg/m³ als 8-Stunden-Mittelwert – wird aktuell flächendeckend in Deutschland verfehlt“, heißt es beim Umweltbundesamt. Dieser konstante Anstieg kann jedoch nur global durch weitere Reduzierung von Vorläuferemissionen gestoppt werden. (tel)

Hier können Sie die Ozonbelastung und andere Luftwerte für Bayern und Ihre Region nachverfolgen.