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Verurteilter Mörder geflohen – Polizei und Justiz geben Fehler zu: „Hätte verhindert werden können“

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Von: Tanja Kipke, Felix Herz, Katarina Amtmann

Durch ein Fenster ist ein verurteilter Mörder in Regensburg geflohen. Inzwischen konnte der Mann geschnappt werden, Polizei und Justiz räumen nun eigene Fehler ein.

Update vom 23. Januar, 16.54: Nach der Flucht eines verurteilten Mörders aus dem Regensburger Justizgebäude haben Polizei und Justiz nun Fehler bei der Bewachung eingeräumt.

Vorläufige Untersuchungen der beteiligten Stellen zeigen, der 40-jährige Rachid C. konnte unter anderem deswegen fliehen, weil die zu seiner Bewachung abgestellten Polizisten die örtlichen Gegebenheiten am Amtsgericht in Regensburg nicht kannten. Dies geht aus einer am Montag von den beteiligten Justizbehörden und Polizeipräsidien herausgegebenen Erklärung hervor.

2011 hatte der 40-Jährige mit einem Komplizen eine die 76-jährige Besitzerin eines Nürnberger Lottoladens umgebracht und war zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Zunächst saß er im Hochsicherheitsgefängnis in Straubing, wurde wegen Widerstands gegen die dortigen Vollstreckungsbeamten jedoch nach Würzburg verlegt. Für einen Gerichtstermin am 5. Januar hatten unterfränkische Polizisten den verurteilten Mörder nach Regensburg gebracht.

„Flucht hätte verhindert werden können“ – Justiz und Polizei geben Erklärung ab

Dort entkam der 40-Jährige durch ein Fenster im Erdgeschoss, als er für eine Besprechung mit seinem Verteidiger in einem Anwaltszimmer war. „Für Besprechungen mit inhaftierten Angeklagten ist der nicht überwachte Raum nicht konzipiert“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Die Flucht sei „durch die mangelnden Kenntnisse der Vorführbeamten zu baulichen und sicherheitstechnischen Gegebenheiten begünstigt“ worden.

Darüber hinaus hatten die Polizisten demnach versäumt, dem Mann beim Verlassen des Gerichtssaals Handschellen anzulegen. Zusätzlich hätten sie die Beamten das Fenster in dem Anwaltszimmer „lückenlos“ überwachen müssen. Durch diese beiden Maßnahmen hätte „die Flucht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verhindert“ werden können, hieß es in der Erklärung.

Polizei und Justiz wollen den Vorgang nun weiter aufarbeiten, um solche Zwischenfälle künftig zu vermeiden. „Besondere Aufmerksamkeit wird hierbei auf die noch konsequentere und stringentere Umsetzung der Vorgaben zur Fesselung gelegt“, betonten die betroffenen Stellen. Der 40-Jährige wurde vier Tage nach seiner Flucht in Frankreich gefasst und sitzt derzeit dort im Gefängnis.

Der flüchtige Mörder konnte ihn Frankreich geschnappt werden.
Der geflüchtete Mörder aus Regensburg auf einem Fahndungsfoto. © Polizeipräsidium Oberpfalz

Update vom 10. Januar, 12.45 Uhr: Zur Festnahme erklärt der Polizeisprecher: „Rachid C. wurde in Frankreich in einem Auto mit seiner Schwester entdeckt“. Die französische Polizei war über die Fahndung informiert und nahm den Mann 110 Kilometer von Straßburg entfernt fest. Insgesamt legte der Flüchtige 470 Kilometer zurück. Der gesuchte Mörder hatte sein Aussehen verändert, insbesondere Haare und Bart. „Er leistete keinen Widerstand bei der Festnahme.“

Ob Rachid C. bei der Flucht Hilfe hatte, wird derzeit ermittelt. Ob der Mörder ein illegales Handy in der JVA besaß, wie mehrere Medien berichtete, will der Polizeisprecher nicht bestätigen. Auch ob der Mann wegen eines verletzten Fußes keine Fußfessel getragen hat, können die Beamten nicht bestätigen. Fußfesseln sind keine generelle Pflicht, im Gerichtssaal entscheidet der Vorsitzende Richter über eine mögliche Fesselung des Angeklagten.

Verurteilter Mörder gefasst! Polizei berichtet auf Pressekonferenz über Ermittlungen

Update vom 10. Januar,12.35 Uhr: Polizeivizepräsident Thomas Schöniger geht auf der Polizei-PK nochmals auf die Flucht des verurteilten Mörders ein. Dem Mörder wurde bereits bei der Abholung in der JVA keine Fußfesseln angelegt, seine Handfesseln wurden auf Anordnung der Gerichtsvorsitzenden im Prozess abgenommen. Kurz vor Ende der Verhandlung verlangte der Verurteilte eine Besprechung mit seinem Anwalt. Die Polizeibeamten, die für die Bewachung zuständig waren, beschlossen, die Tür des Besprechungszimmers zu bewachen, sowie nach draußen zu gehen und das Fenster zu bewachen.

Dennoch gelang es Rachid C. durch einen Sprung aus dem Fenster zu entkommen. Er sei „losgesprintet“, laut Augenzeugen in „enormer Geschwindigkeit“. Die Verfolgung wurde umgehend aufgenommen, der verurteilte Mörder konnte die Beamten allerdings abhängen. Wie das passieren konnte?. „Der Vorfall wird gründlich nachbearbeitet“, so Schöniger. Er bittet um Verständnis, dass man heute darauf noch nicht näher eingehen kann.

Update vom 10. Januar, 12.11 Uhr: Am gestrigen Montag konnte der geflohene Mörder aus Regensburg nahe der deutschen Grenze gefasst werden (siehe vorige Updates). Ein Tag nach der Festnahme gibt die Polizei auf einer Pressekonferenz Details zur Festnahme bekannt. Im Livestream können Sie die PK hier ab 12.30 Uhr mitverfolgen.

Fahndungserfolg nach vier Tagen: Verurteilter Mörder nahe deutscher Grenze gefasst

Update vom 9. Januar, 20.56 Uhr: Endlich ist die Fahndung nach dem geflohenen Mörder Rachid C. vorbei, am Montagabend konnte er nahe der deutschen Grenze in Frankreich festgenommen werden (siehe voriges Update). Nun konzentrieren sich die Ermittlungen darauf, wie es zur Flucht aus dem Amtsgericht überhaupt kommen konnte und ob der Mann im Anschluss Hilfe von außen hatte. Einiges deutet darauf hin, dass sein Sprung aus dem Fenster des Amtsgerichts durchaus schon länger geplant war.

Update vom 9. Januar, 19.32 Uhr: Die Beamten konnten den verurteilten Mörder, der sich seit Donnerstag (5. Januar) auf der Flucht befand, festnehmen. „Der flüchtige Rachid C. wurde vor wenigen Minuten von der Polizei in Frankreich nahe der deutschen Grenze festgenommen“, teilte die Polizei am Montag (9. Januar) um 19.20 Uhr mit. Nähere Informationen zur Festnahme werde sie am Dienstag bekannt geben.

Mann erwürgte 2011 Kiosk-Besitzerin: Verurteilter Mörder weiter auf der Flucht

Update vom 8. Januar: Noch immer ist der verurteilte Mörder Rachid C. auf der Flucht. Am Donnerstag (5. Januar) entkam er durch ein Fenster des Amtsgerichts (siehe Erstmeldung). 2011 erwürgte er eine Kiosk-Besitzerin, der Sohn der getöteten 76-Jährigen ist über die Flucht schockiert. „Jetzt muss ich wieder Angst vor dem Mörder meiner Mutter haben“, sagte er der Bild am Sonntag. Der Mann habe seine ganze Familie zerstört.

Sein Bruder beging drei Jahre nach der Tat Selbstmord, sein Vater überlebte 2016 seinen zweiten Schlaganfall nicht. „Das Schicksal unserer Familie hat ihn dahingerafft“, erklärt der 53-jährige Nürnberger der Bild. Vier Wochen wurde damals nach Chouakri gefahndet. „Hoffentlich fassen sie ihn wieder, damit er seine gerechte Strafe absitzt.“

Verurteilter Mörder in Regensburg noch immer flüchtig: Er erwürgte Kiosk-Besitzerin

Update vom 7. Januar, 18 Uhr: Es gibt noch keine Erfolgsmeldung aus Regensburg – der gesuchte Häftling Rachid C. ist weiter auf der Flucht. Auch am Samstag war die Polizei intensiv mit der Suche nach dem verurteilten Mörder beschäftigt. Polizisten, Zivilfahnder, Suchhunde und Hubschrauber waren im Einsatz.

Auch über die bislang vonseiten der Polizei eingegangenen Hinweise berichten die Beamten in ihrer Pressemitteilung von Samstagabend: „Bislang gingen über 125 Hinweise aus der Bevölkerung ein, die bereits abgearbeitet wurden oder noch werden. Ein konkreter Hinweis auf den aktuellen Aufenthaltsort des Flüchtigen liegt jedoch noch nicht vor“, heißt es.

2011 hatte der Mann gemeinsam mit einem anderen Täter einen Lottoladen in Nürnberg überfallen. Dabei ermordete er die 76 Jahre alte Besitzerin. Weiter warnt die Polizei daher die Bevölkerung den Mann anzusprechen – er könnte mit Gewalt reagieren. Wer ihn sieht, solle sofort per 110 Kontakt zur Polizei aufnehmen.

Mörder in Regensburg aus Haft entflohen – Internationale Fahndung

Update vom 7. Januar, 7.03 Uhr: Der aus dem Amtsgericht in Regensburg entflohene Häftling ist weiterhin auf der Flucht. Der Täter sei europaweit in jeder Polizeistelle bekannt und mittlerweile werde international nach dem Mann gefahndet, sagte ein Polizeisprecher am frühen Samstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Ob sich der 40-Jährige noch in Regensburg befinde, sei völlig unklar. Weder der Einsatz von Polizeihubschraubern und Suchhunden noch die intensiven Ermittlungen im Umfeld des Gesuchten hatten bisher zum Erfolg geführt.

Entflohener Häftling in Regensburg - Suche international ausgeweitet

Update vom 6. Januar, 11.24 Uhr: Die Polizei fahndet weiter nach einem entflohenen Mörder. „Zum Einsatz kamen und kommen Polizeihubschrauber, Personensuchhunde und geschlossene Polizeieinheiten“, heißt es in einer neuen Pressemitteilung. Die Polizeiinspektion Regenburg Süd hat ihre Kräfte erheblich verstärkt „und ist im Stadtgebiet spürbar präsent.“ Die Suche nach dem Mann wurde bereits am Donnerstag international ausgeweitet.

Bislang gingen 25 Hinweise aus der Bevölkerung ein, die bereits abgearbeitet wurden oder noch werden. Ein konkreter Hinweis auf den aktuellen Aufenthaltsort des Gesuchten liegt aber noch nicht vor.

Regensburg: Mörder auf der Flucht - „Vorsprung von wenigen Sekunden“

Nach derzeitigem Kenntnisstand wurde Rachid C. am Donnerstag zur Verhandlung wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte von der Polizei am Amtsgericht Regensburg vorgeführt. Zum weiteren Verlauf heißt es: „In einer Verhandlungspause zogen sich er und sein Verteidiger zur Beratung in ein Anwaltszimmer im Erdgeschoss zurück. Wie üblich befanden sich dabei nur der Verurteilte und sein Verteidiger im Raum. Dabei floh Rachid C. über ein Fenster und flüchtete über die Augustenstraße in Richtung Kumpfmühler Straße und die Margaretenstraße. Der Vorsprung von wenigen Sekunden ermöglichte die Flucht vor den verfolgenden Beamten.“

Sofort 110 wählen - Polizei mit Appell

Hinweise zum Aufenthaltsort des Mannes „sollen sofort über den Polizeinotruf 110 mitgeteilt werden! Sprechen Sie den Flüchtigen nicht an, sondern verständigen Sie die Polizei. Der Mann könnte gewalttätig reagieren.“

Regensburg: Verurteilter Mörder auf der Flucht

Update vom 6. Januar, 6.36 Uhr:  Der aus dem Amtsgericht in Regensburg geflohene Häftling ist weiterhin auf der Flucht. Das bestätigte ein Polizeisprecher am Freitagmorgen auf dpa-Anfrage. Der Mann (40) war am Donnerstag aus einem Fenster in einem Anwaltszimmer im Erdgeschoss des Gerichtsgebäudes gesprungen und geflohen. Die Umstände der Flucht waren zuletzt noch unklar. Er war zuvor für einen Verhandlungstermin an das Gericht in Regensburg gebracht worden.

Die Polizei bittet bei der Suche nach dem Mann Zeugen um Hinweise. Sie warnt aber davor, den Mann anzusprechen. Er gilt als gewalttätig. Er ist demnach 1,76 Meter groß, schlank und hat schulter- bis ellenbogenlange, wellige dunkle Haare.

Verurteilter Mörder auf der Flucht: „Polizei sucht mit allen verfügbaren Kräften“ – Großeinsatz in Regensburg

Erstmeldung vom 5. Januar: Regensburg – Erschreckende Nachrichten aus Regensburg: Ein verurteilter Mörder ist auf der Flucht. Der 40-jährige Rachid C. verbüßt seit 2011 eine lebenslange Haftstrafe. Am Donnerstag, 5. Januar, sollte er vor dem Amtsgericht wegen einer Straftat in einer Justizvollzugsanstalt erscheinen. Dabei entfloh er aus einem Fenster im Erdgeschoss und ist seitdem flüchtig.

Mörder flieht aus Amtsgericht: Polizei mit Großaufgebot im Einsatz

Gegen 14 Uhr erhielt die Polizei die Mitteilung, dass der als gefährlich und gewalttätig geltende Mann flüchtig ist. Er war vor mehr als zehn Jahren unter anderem wegen Mordes und Raub mit Todesfolge rechtskräftig verurteilt worden. „Die Polizei fahndet derzeit mit allen verfügbaren Kräften nach dem Mann“, heißt es bei vifogra.de. Ein Polizeihubschrauber ist im Einsatz. Auch auf Twitter meldete die Polizei Oberpfalz den Vorfall.

Die genauen Umstände zur Flucht des Mannes werden derzeit noch geprüft. Sicher scheint nur, dass er dem Amtsgericht in der Augustenstraße vorgeführt wurde und bei der Gelegenheit durch ein Fenster im Erdgeschoss sprang und Richtung Dörnbergpark floh.

Polizei bittet um Mithilfe – und warnt Bevölkerung

Wer den Flüchtigen sehe oder etwas zu seinem derzeitigen Aufenthaltsort weiß, solle sofort durch die Notfallnummer 110 Kontakt zur Polizei aufnehmen. Gleichzeitig warnen die Beamten davor, den Mann anzusprechen – er könnte gewalttätig reagieren. Der Gesuchte wird wie folgt beschrieben:

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