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Späti-Dorfladen in Bayern: Einkaufen bis kurz vor Mitternacht – Personal gibt es keins

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Von: Jannis Gogolin

Ein Dorfladen in Schwaben glänzt mit langen Öffnungszeiten und zentraler Lage. Personal gibt‘s keins.

Illertissen – In Berlin sind die Spätis ein fester Teil der Stadtkultur. Ehemals in der DDR speziell für Arbeiter der Nachtschicht eingeführt, versorgen sie noch heute die Bevölkerung spätabends mit den Dingen, die man zum Überleben braucht. 600 Kilometer südlich in der schwäbischen Stadt Illertissen können deren Einwohner nun auch an dem Komfort teilhaben, sich wenig Gedanken über Öffnungszeiten zu machen. Denn im Dezember eröffnete dort ein Tante-Emma-Laden, der dem bayerischen Ladenschlussgesetz trotzt.

Späti-Dorfladen in Bayern: Einkaufen bis kurz vor Mitternacht – Kunde gleichzeitig Kassenpersonal

„Wir können Nahversorgung“ ist das Motto des Supermarkts „Tante-M“. Für knapp 18.000 Einwohner bietet die Filiale in Illertissen alles, was das Herz frühmorgens oder spätabends begehrt, seien es Getränke, regionales Obst und Gemüse, Nudeln, Pizza oder Drogerieartikel. Egal ob Werktag oder Wochenende, täglich hat der Nahversorger von fünf bis 23 Uhr geöffnet.

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Jeder Kunde scannt seinen Einkauf selbst an der Kassentheke, bezahlt, und verlässt das zentral gelegene Geschäft. „Im besten Fall habe ich 20 Sekunden im Laden verbracht“, erklärt Stefan Schrapp, Inhaber des Franchise-Dorfladens, gegenüber dem TV-Sender BR24. Nach dessen Angaben sorge besonders die Häufigkeit von Ladendiebstahl für eine große Überraschung.

Schild Tante-M. Shop im Rathaus Kohlberg
Kurze Wege, © Horst Rudel/imago

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Wenig Ladendiebstahl dank spezieller Kamera-Überwachung

Wie Schrapp in dem Kurzfilm von BR24 über innovative Supermärkte betont, liege die Diebstahl-Quote im Dorfladen gleichauf mit anderen Lebensmittelgeschäften – trotz fehlender Mitarbeiter. Dafür seien vermutlich auch mehrere Kameras verantwortlich, mit denen Inhaber Schrapp jederzeit und ortsunabhängig einen Blick in seinen Dorfladen werfen kann. Ausschließlich für das Aufräumen und Auffüllen der Regale muss Schrapp vorbeikommen, meist unterstützt von seiner Frau.

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Eigentlich sind solche Öffnungszeiten vom bayerischen Ladenschlussgesetz verboten. Doch in der BR24-Reportage klärt „Tante-M.“-Gründer Christian Maresch auf, warum es die Filialen trotzdem gibt. Nach dessen Angaben sind es sogenannte „digitale Kleinstsupermärkte“, die eine Sondergenehmigung für theoretisch 24 Stunden pro Tag besitzen – „solange sie ohne Personal betrieben werden“. Auch an den Münchner Heimeranplatz soll ein solcher Nahversorger kommen, der Kunden sogar rund um die Uhr offensteht.

Einen Schritt weiter ist REWE bei einem seiner Märkte in München gegangen. Mithilfe von Gewichtssensoren, vielen Kameras und einer App konnte dort sogar auf die Kassen verzichtet werden. Man betritt und verlässt den Laden gänzlich ohne Zwischenschritt.