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Traunstein: Lage, Geschichte, Wirtschaft, Politik und Sehenswürdigkeiten von Kreisstadt und Landkreis

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Die Stadt Traunstein in Bayern
Die Stadt Traunstein hat die Funktion eines Oberzentrums für die Region Chiemgau © Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Traunstein hat die Funktion eines Oberzentrums für die Region Chiemgau. Zahlreiche Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung und größere privatwirtschaftliche Unternehmen sind hier ansässig.

Traunstein – Am 26. April 1851 war die Stadt durch einen verheerenden Brand in der vorangegangenen Nacht nahezu vollständig zerstört worden. Rund 120 Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude waren verbrannt. Knapp 1.000 Bürger wurden obdachlos, zahlreiche Menschen hatten ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage verloren. In dieser schwierigen Lage gewährte König Maximilian II Josef von Bayern der Stadt Traunstein großzügige finanzielle Hilfe. Bereits wenige Jahre nach dieser Brandkatastrophe gelang es den Traunsteinern, ihre Stadt wieder aufzubauen.

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Traunstein: Geografie und Lage

Traunstein liegt zentral in der Region Chiemgau und damit im Vorland der Chiemseer Alpen auf einer Höhe von knapp 600 Metern. Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Fläche von knapp 49 Quadratkilometern. Bei der namensgegeben Traun handelt es sich um einen circa 153 Kilometer langen Nebenarm der Donau. Der Chiemsee liegt in rund zehn Kilometern Entfernung westlich des Stadtgebiets. Die Lage der Stadt in der bayerischen Tourismus-Region Chiemsee-Chiemgau hat entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaft Traunsteins.

Traunstein: Von den Anfängen der Geschichte bis zum Beginn der Wittelsbacher Herrschaft

Bereits gegen Ende des 8. Jahrhunderts wurden Besitztümer der Salzburger Kirche in der heutigen Region Traunstein ausgewiesen. Im 10. und 11. Jahrhundert existierten hier mehrere Wehranlagen. Sie lagen östlich der Traun und erstreckten sich von Traunstein bis Siegsdorf. In den folgenden Jahrhunderten herrschte die Adelsfamilie De Truna über das Traunsteiner Gebiet.

Die erste urkundliche Erwähnung von Traunstein stammt aus dem Jahr 1245. In einem kirchlichen Dokument des Klosters Bamberg wurde die Stadt als „Trauwenstain“ mit einer Vorform ihres heutigen Namens bezeichnet. Er bedeutete Burg am Fluss Traun. Diese stand nach Überzeugung vieler Historiker im Besitz des Adelsgeschlechts De Truna. Später gelangte die Region Traunstein in den Herrschaftsbereich der Wittelsbacher, einem uralten deutschen Adelsgeschlecht, das über Jahrhunderte große Teile Bayerns regierte. Die neuen Herrscher machten sich die strategisch vorteilhafte Lage im Grenzgebiet zum Erzstift Salzburg zunutze. Darüber hinaus lag Traunstein an der damals wichtigen Handelsstraße von München nach Bad Reichenhall. Die Wittelsbacher bauten im weiteren Verlauf der Geschichte die Burganlage an der Traun aus und errichteten eine größere Siedlung. Dieser verliehen die Wittelsbacher Herrscher Zoll- und Handelsprivilegien.

Traunstein: Von der Stadtgründung bis zum Bau der Sole-Leitung

Es existieren keine erhaltenen Dokumente, die über die erste Verleihung der Stadtrechte an Traunstein Auskunft geben könnten. Geschichtswissenschaftler gehen davon aus, dass dies in der Mitte des 13. Jahrhunderts erfolgte. Später erneuerte Herzog Friedrich von Bayern 1375 in einem Freiheitsbrief die Gewährung von Stadtprivilegien.

Die Lage an der bedeutenden Salzstraße von Bad Reichenhall nach München förderte in den folgenden Jahrzehnten die Entwicklung der Wirtschaft in der Region durch intensiven Salzhandel. Die Stadt erreichte aus diesem Grund größeren Wohlstand. Sie wies bereits Ende des 15. Jahrhunderts gepflasterte Straßen auf. Diese durch den Salzhandel entstandene wirtschaftliche Blütezeit endete 1587, als Wilhelm V der Fromme Herzog von Bayern die Bad Reichenhaller Salzproduktion verstaatlichte und den privaten Salzhandel unterband. In der Folgezeit gelang es den Traunsteiner Handwerkern und Manufakturen, diesen wirtschaftlichen Verlust weitgehend auszugleichen.

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gewann das Bad Reichenhaller Salz erneut große Bedeutung für die Wirtschaft Traunsteins: Von 1616 bis 1619 ließ Herzog Maximilian I ein 31 Kilometer langes Rohrsystem bauen, um die Sole von einer neu entdeckten Salzquelle in Bad Reichenhall nach Traunstein zu befördern. Dort erfolgte die Salzsiedung.

Traunstein: Vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts

Die Stadt Traunstein blieb anders als zahlreiche bayerische Städte von Belagerungen, Plünderungen und Brandschatzungen im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) weitgehend verschont. Allerdings verlor die Stadt an der Traun viele ihrer Bürger durch mehrere in dieser Epoche wütende Pestepidemien.

1794 kam es während des Spanischen Erbfolgekrieges zur Besetzung der Stadt durch österreichische Truppen. Ein großer Brand vernichtete dabei den mittelalterlichen Stadtkern nahezu vollständig.

Nach einer grundlegenden Erneuerung der Saline, die zu einer deutlichen Effizienzsteigerung der Salzgewinnung führte, intensivierte Traunstein die Salzproduktion. Sie entwickelte sich im 18. Jahrhundert erneut zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Auch als Getreidehandelsmarkt besaß Traunstein in dieser Zeit große Bedeutung für die Region.

Die Gründung des Königreichs Bayern führte 1808 zu einem Verlust umfangreicher Privilegien und Rechte der Stadt Traunstein, sie blieb dennoch das Handels- und Verwaltungszentrum für die Chiemgauer Region. 1851 kam es erneut zu einem Großbrand, der die Stadt verheerend traf.

Traunstein: Von der Gründerzeit bis in die Gegenwart

Der Wiederaufbau Traunstein verlieh der Stadt ihr heutiges Erscheinungsbild mit zahlreichen Gebäuden im Gründerzeit- beziehungsweise Jugendstil. 1912 endete die jahrhundertelange Salzproduktion in Traunstein. Die Saline wurde im Ersten Weltkrieg als Lazarett und Gefangenenlager zweckentfremdet.

Nach Kriegsende bewirkten die Weltwirtschaftskrise und die aus ihr resultierende Hyperinflation eine Verarmung großer Bevölkerungsschichten. Im Dritten Reich wurde Traunstein zu einem bedeutenden Truppenstandort, unter anderem bezog das Gebirgsjäger-Regiment 100 hier Quartier. US-amerikanische Flieger bombardierten mehrfach den Traunsteiner Bahnhof. Am 3. Mai 1945 wurde die Stadt den US-amerikanischen Truppen kampflos übergeben. Traunstein gehörte zur amerikanischen Besatzungszone und wurde zur kreisfreien Stadt. Sie nahm zahlreiche Heimatvertriebene auf. Im Zuge der großen bayerischen Gebietsreform wurde Traunstein 1972 in den gleichnamigen Landkreis integriert und zu dessen Kreisstadt.

Traunstein: Einwohner und Verwaltung

Die Bevölkerungsdichte liegt in Traunstein bei 424 Einwohnern je Quadratkilometer. Das Stadtgebiet gliedert sich in die folgenden sechs Gemarkungen:

Die Gemarkungen bestehen aus insgesamt 63 Gemeinden. In diesen leben rund 20.600 Einwohner (Stand 2019). Damit nahm die Bevölkerung seit dem Ende der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts um beinahe 20 Prozent zu.

Traunstein: Wirtschaft und Politik

Seit vielen Jahrhunderten spielen Brauereien eine wichtige Rolle für die Traunsteiner Wirtschaft.

Neben zahlreichen kleinen und mittelgroßen Unternehmen sind verschiedene große Firmen in der Stadt ansässig, unter anderem:

Traunstein gilt als wichtigstes Einkaufszentrum für die gesamte Chiemgau-Region. Auch der Tourismus stellt ein bedeutendes ökonomisches Standbein der Stadt dar.

Die CSU bestimmt seit dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich die Politik in Traunstein. In den Kommunalwahlen vom 15. März 2020 sicherte sich die Partei zehn der 30 Sitze im Stadtrat. Die Grünen erreichten sieben Sitze, die Unabhängigen Wähler und die SPD jeweils vier. Die CSU stellt mit Christian Hümmer auch den Oberbürgermeister seit 2020.

Traunstein: Sehenswürdigkeiten

Verschiedene historische Gebäude und Anlagen aus der Zeit der Salzproduktion gehören zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Traunstein, wie zum Beispiel die ehemaligen Sudhäuser und der Salinen-Park.

Darüber hinaus hat die Stadt zahlreiche bedeutende Baudenkmäler, die vor allem während der Gründerzeit vor dem Ersten Weltkrieg errichtet wurden:

Vom Hochberg (774 Meter), dem Hausberg von Traunstein, bietet sich bei gutem Wetter ein hervorragender Blick über den gesamten Chiemgau.

Traunstein hat ein Heimatmuseum, das anhand vieler Dokumente und Exponate die Geschichte der Stadt veranschaulicht. Die Städtische Galerie präsentiert eine Dauerausstellung mit Zeichnungen, Holzschnitten und anderen Werken lokaler Künstler.