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„Finanzielle Notlage“: Unverpackt-Läden kämpfen ums Überleben – 2022 bereits zahlreiche Schließungen

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Von: Tanja Kipke

Immer mehr Unverpackt-Läden schließen ihre Türen für immer. Die Branche ist gebeutelt von den aktuellen Krisen. Viele Inhaber wissen nicht mehr weiter.

Passau – In der heutigen Zeit einen Laden zu führen, birgt durchaus seine Herausforderungen. Die durch den Ukraine-Krieg ausgelöste Energiekrise zwang bereits einige Geschäfte in die Knie. Mehrere Metzgereien in Bayern schlossen ihre Türen – und das für immer. Auch Unverpackt-Läden kämpfen derzeit ums Überleben, in Gilching beschlossen die Inhaber schweren Herzens bereits 2022 das Aus. Damit sind sie in Bayern bei weitem nicht die einzigen.

Unverpackt-Läden in der Krise: „Hatte Angst, Insolvenz anmelden zu müssen“

In Passau machte die Inhaberin des Unverpackt-Ladens „Tante Emmer“ ihre Sorgen bereits im August 2022 öffentlich. „Uns trifft die momentane gesellschaftliche und politische Situation ziemlich hart“, hieß es in einem Aushang sowie Facebookpost. Sie wisse nicht, wie es mit dem Laden weitergeht. „Wir befinden uns im Moment in einer akuten finanziellen Notlage!“ Das Team startete deshalb einen Spendenaufruf – und das mit Erfolg. Mit den Spenden (20.000 Euro) konnten sie die letzten Monate überbrücken.

Dennoch reicht es nicht. Etwa 20 Prozent ihres Umsatzes ist demnach weggebrochen. „Ich hatte nach dem Umbau Angst, Insolvenz anmelden zu müssen“, sagt Betreiberin Carolin Böhm gegenüber dem BR. Die Unterstützung ihrer Kunden habe ihr Mut gemacht und ihr gezeigt, dass sie „weitermachen“ muss. Jetzt steht sie jedoch wieder an dem Punkt, an dem sie nicht mehr weiter weiß. „Die Laufkundschaft fehlt einfach komplett.“

Plastikfrei einkaufen: In Unverpackt-Läden können Kunden nachhaltig einkaufen.
Plastikfrei einkaufen: In Unverpackt-Läden können Kunden nachhaltig einkaufen. © Sina Schuldt/dpa

19 Unverpackt-Läden schlossen 2022 in Bayern bereits ihre Türen

Laut dem BR haben 2022 19 Unverpackt-Läden im Freistaat zugesperrt. Es gebe jetzt noch 53, die meisten davon im Großraum München und Nürnberg. Der Grund für die ganzen Schließungen liege auf der Hand. Die Lebensmittelpreise sind von November 2021 auf November 2022 um 21,1 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Inflation und Energiekrise kommen noch hinzu. Vor allem Nudeln und Butter sind in Unverpackt-Läden teurer als im Supermarkt. Viele Menschen sparen beim Essen.

Ein weiterer Grund könnte laut Petra Süptitz vom Marktforschungsinstitut GfK der Trend zum „All-in-one“-Einkauf sein. „Viele Leute sind gestresst, haben wenig Zeit und wollen alles an einem Ort erledigen“, erklärt sie dem BR. „In Unverpackt-Läden ist das Sortiment kleiner, außerdem muss man Behälter mitnehmen. Der Einkauf ist mit einem höheren Aufwand verbunden.“ Nach wie vor wollen die Deutschen aber auf Nachhaltigkeit setzen, 60 Prozent planen, in Zukunft bio und unverpackt einzukaufen. (tkip)

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