Sechs Mal am Tag - Herausforderung für den Railjet

Ab Dezember: Westbahn fährt auf der Strecke München–Wien

Zum Start der München-Verbindung hat die Westbahn auch eine neue Passagier-Klasse erfunden: die Comfort Class.
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Zum Start der München-Verbindung hat die Westbahn auch eine neue Passagier-Klasse erfunden: die Comfort Class.

Die österreichische Westbahn wagt sich an die Isar. Bis zu sechs Mal am Tag fährt der private Bahnanbieter aus Wien ab Ende 2021 auf der Strecke München–Wien. Für den Fernverkehr, wo bisher die Deutsche Bahn fast ein Monopol hat, ist das eine interessante Neuerung.

München/Wien – Von München nach Wien mit der Westbahn – Eisenbahn-Experten haben da ein Déjà-vu. Schon vor zwei Jahren wollte die Westbahn, in der der bekannte österreichische Unternehmer Hans Peter Haselsteiner das Sagen hat, den Sprung nach München wagen. Das wurde damals abgesagt.

Jetzt aber gibt es offenbar kein Zurück. Ab 12. Dezember werde die Westbahn täglich sechs Mal je Richtung (sonntags fünf Mal) über Linz und St. Pölten zwischen München und Wien fahren, heißt es in einer Pressemitteilung. Dafür wurden neue elektrische und sechsteilige Triebzüge des Typs KISS 3 beim Schweizer Hersteller Stadler gekauft. Der Fahrplan ist noch nicht abgestimmt, sagt Westbahn-Sprecherin Ines Volpert. Doch ist schon sicher, dass die Züge nur am Münchner Hauptbahnhof sowie am Ostbahnhof halten und dann bis Salzburg durchfahren. „Ein Halt in Rosenheim ist nicht vorgesehen.“ Das liege auch an sogenannten Trassenkollisionen – das großteils nur zweigleisige Bahnnetz München–Rosenheim–Salzburg gilt als überlastet. Außerdem möchte die Westbahn wohl den Meridian-Zügen von Transdev, mit der sie eine Kooperation hat, keine Konkurrenz machen.

Im Fernverkehr sind die nicht-bundeseigenen Eisenbahnen bisher kaum vertreten, sagt Matthias Stoffregen von Mofair, der Interessenvertretung der Privatbahnen. Ihr Marktanteil betrug 2019, also vor der Pandemie, gerechnet nach Trassenkilometern nur knapp vier Prozent. Zum Vergleich: Im Regionalverkehr sind es rund 40 Prozent – hier haben große Anbieter wie Transdev (Bayerische Regiobahn) der Deutschen Bahn viele Strecken abgeluchst. Es ist ein volatiler Markt: Nicht jedem Privatanbieter geht es gold. Das Unternehmen Abellio Deutschland, das Regionalzüge unter anderem in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg fährt, hat derzeit massive finanzielle Schwierigkeiten – der Konzernbetriebsrat des Unternehmens mit 3100 Mitarbeitern hat soeben einen Brandbrief an die betroffenen Landesregierungen geschickt.

Im Fernverkehr bisher kaum privateAnbieter

Der Fernverkehr ist indes bisher nur eine Nische für private Anbieter, da der Verkehr eigenwirtschaftlich finanziert werden muss. sprich: Zuschüsse vom Staat gibt es nicht.

„Durch Corona ist der Wert im Fernverkehr sogar noch gesunken, jetzt steigt er aber wieder“, sagt Stoffregen. Flixtrain, der Zugableger des bekannten Fernbus-Anbieters Flixbus, hat Mitte Juni sein Angebot ausgebaut und fährt nun auch von München aus nach Frankfurt. Daneben gibt es RDC (Rail Development Cooperation), die beispielsweise Autoreisezüge nach Sylt betreiben und mit Partnerunternehmen auch von Berlin nach Schweden unterwegs sind.

Die Westbahn will einen wuchtigen Auftritt hinlegen. Sie wirbt damit, dass ihre KISS-Züge, weil als Leichtbau konzipiert, besonders klimaschonend sind und für eine Fahrt 25 Prozent weniger Energie verbrauchen als ältere Züge. Zudem wird eine neue – dritte – Klasse eingeführt. Zwischen der Standard Class und der First Class gibt es dann eine Comfort Class. Über die Fahrpreise will die Westbahn noch nichts mitteilen – günstiger als andere, lautet die allgemeine Auskunft.

Das zielt auf die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), deren Railjets in Kooperation mit der Deutschen Bahn ab München derzeit sieben Mal am Tag nach Wien starten. Die Fahrzeit beträgt etwas über vier Stunden. Die Westbahn will schneller sein: unter vier Stunden.