Advent, Advent, die Hütte brennt

Nichts anbrennen lassen! Gastkolumne von Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler*

Susanne Breit-Kessler, ehemalige evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern.

Advent, Advent, die Hütte brennt. Dieser Satz, fröhlich ausgerufen in einer Kochsendung des deutschen Fernsehens, hat mich tatsächlich bis ins Mark getroffen.

Es ist einfach ein Jammer, dass Traditionen nein, nicht unbedingt verkommen, aber doch Anlass für manch lockeren Spruch sind. Der, wenn man ihn ernst nimmt, alles andere als heiter und das pure Gegenteil von dem ist, was Advent bedeutet. Meine Alternative: Altes Wissen hervorkramen. Denn die Adventssonntage, an denen bestenfalls Kerzen brennen sollten, haben schöne lateinische Namen, die unsereins noch auswendig lernen durfte.

Sie heißen nach den Eingangsgesängen, die an diesem Tag in den Kirchen erklingen. Der erste Advent wird zum Beispiel „Ad te levavi animam meam“ genannt. Das mutet tänzerisch an, wie zarte, feine Musik und heißt: Zu dir, Gott, erhebe ich meine Seele. Eine angenehme Vorstellung – gedanklich, seelisch nicht eingekrampft zu leben, gedeckelt zu werden. Sondern sich erheben zu dürfen, vor allem innerlich aufrecht zu sein. Am zweiten Adventssonntag „Populus Sion“ geht es visionär um weltweiten Frieden. Solche Bilder geben anders als Resignation ordentlich Kraft zu leidenschaftlichem Widerstand gegen Hass und Hetze, gegen Gewalt.

Eine Gegenposition zum oft gepflegten Genörgel hierzulande

Der dritte Advent morgen hat den fröhlichen Namen „Gaudete“, „Freut euch im Herrn allezeit“. Eine deutliche Gegenposition zu dem oft gepflegten Genörgel hierzulande. Wer sich freut, der hält ganz bewusst Ausschau nach allem, wofür er oder sie richtig dankbar sein kann. Und davon müsste es bei mancher Kritik an den Zuständen doch im eigenen und im Leben dieser Gesellschaft Einiges geben. Man sollte sich abends mal hinsetzen und Gründe für eine persönliche geistliche Gaudi zusammensuchen. Wenn am Ende eines Tages die prächtige Christrose übrigbleibt, die man geschenkt bekam, dann ist das schon allerhand.

Der vierte Adventssonntag trägt den Namen "Rorate": Tauet ihr Himmel von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten“. Tauwetter ist nichts, was man im Advent dringend braucht: Pfützen, nasse, kalte Füße und verschnupfte Nasen. Aber Tauwetter lässt sich natürlich auch übertragen verstehen: Eine Eiszeit zwischen Partnern oder in der Familie hört auf. Das zwischenmenschliche Klima wird insgesamt besser. Anständiger. Heutzutage unbedingt erstrebenswert! Advent, Advent. Selbstbewusst sein, friedfertig, soweit es an einem selbst ist, guter Dinge und immer fair. So gestimmt brennt auch echt nichts an.

*Susanne Breit-Kessler war bis 1. Dezember evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern. Künftig schreibt sie alle zwei Wochen eine Kolumne im Bayernteil.

Sie erreichen die Autorin per mail unter: bayern@merkur.de

Quelle: Merkur.de