Passionsspiele 2010: Fünfstellige Warteliste bei Einzelkarten

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Ungebrochen ist die Nachfrage für Einzeltickets der Oberammergauer Passionsspiele

Oberammergau - Ungebrochen ist die Nachfrage für Einzeltickets der Oberammergauer Passionsspiele. Bei den Arrangement-Paketen rechnet der Verkaufsleiter mit einer Rückgabequote, die unter fünf Prozent liegt.

Er verliert weder Nerven noch Geduld, und sieht „kein großes Problem“ darin. Ganz cool gibt sich Werner Herrlinger (57), seit September vergangenen Jahres Verkaufsleiter bei den Oberammergauer Passionsspielen. Am Sonntag endete nämlich für rund 800 Reiseveranstalter aus dem In- und Ausland die Zahlungsfrist, bis zu der sie ihre bestellten Arrangements aus Karte, Übernachtung und Verpflegung – hier geht es um Einzelbeträge von bis zu zwölf Millionen Euro – überwiesen haben müssen. Noch steht eine Gesamtsumme im hohen zweistelligen Millionenbereich aus – für Herrlinger kein Grund zur Sorge: „Viele warten bis zur letzten Frist, um zu zahlen. Das macht der Privatmann ja auch nicht anders.“

Im Februar soll er also kommen, der große Geldsegen. Wer bis zum 31. Januar nicht überwiesen hat, erhält noch in der ersten Februar-Woche die erste Mahnung, dann zwei weitere in den folgenden Wochen. Ist danach das Geld immer noch nicht auf der Bank, wird der Vertrag aufgelöst und die Agenturen haben 20 Prozent des Werts ihrer bestellten Kontingente in den Sand gesetzt. Gängige Praxis in der Abwicklung solcher Geschäfte. Insgesamt 319 000 Arrangements stehen für die 102 Aufführungen zur Verfügung. Dass viele Kunden ihre Pakete zurückgeben, glaubt Herrlinger nicht: „Wir rechnen nach unserer Einschätzung mit einer Quote von drei bis fünf Prozent. Das wären etwa 10 000 Arrangements.“ Die würden sofort in den Kreislauf des Wiederverkaufs zurückfließen. Sollte sich der Absatz kurz vor Beginn der Passion tatsächlich schwierig gestalten, zieht man in Oberammergau in Betracht, die Arrangements in Einzelkarten umzuwandeln.

Damit könnte dann eine Vielzahl von Wünschen nach Einzeltickets befriedigt werden. Nach Angaben des Verkaufsleiters hat die Warteliste inzwischen Dimensionen im mittleren fünfstelligen Bereich angenommen. Der 57-Jährige empfiehlt dennoch: „Es lohnt, sich auf die Warteliste setzen zu lassen. Man muss dann nur Geduld haben, denn vor März, April wird sich nichts entscheiden. Ich sehe gute Chancen für Einzelbesteller, dass sie noch an Karten kommen.“ Interessenten sollten sich am besten übers Internet melden: www.passionsspiele 2010.de.

Die mitunter geäußerte Kritik von außen, die Preise seien zu hoch (Einzeltickets 49,50 bis 165 Euro, Arrangements von 199 bis 839 Euro), relativiert Herrlinger: „Erstens wurden die Preise zu einem Zeitpunkt festgelegt, wo es die ganzen Krisen noch nicht gab. Und dann hat die Passion nun einmal eine Art Sonderstatus. Es ist was ganz Besonderes. So etwas leistet man sich nur alle zehn Jahre.“

Dennoch schränkt der DER-Mann, der nach der Passion wieder als Regionalleiter von 64 Reisebüros in ganz Bayern arbeiten wird, ein: „Ich glaube nicht, dass wir bei den Arrangements wirklich zu 100 Prozent ausgebucht sein werden.“ Angesichts der derzeit sehr begrenzten Rückgaben ist der gebürtige Tübinger aber zuversichtlich, „dass kurzfristig der Verkauf noch einmal so richtig anzieht“. Herrlinger sieht spannenden Wochen und Monaten entgegen.

Ludwig Hutter

Quelle: tz