Am 2. Jahrestag kehrte der Hauskater zurück

Paulchen war zwei Jahre abgetaucht

+
Barbara und Dirk Arnold mit ihrem Kater Paulchen

Altenstadt - Paulchen ist das ganz persönliche Weihnachtswunder von Barbara und Dirk Arnold aus Altenstadt (Kreis Weilheim-Schongau): Auf den Tag genau zwei Jahre nach seinem Verschwinden hat der Kater auf Umwegen wieder nach Hause gefunden.

Auf dem Klingelschild der Arnolds stehen drei Namen: Barbara, Dirk und Paulchen. Der schwarze Kater ist ein Teil der Familie. Im Wohnzimmer des Ehepaares aus Altenstadt, das die "Weinstuben" in der Schongauer Altstadt betreibt, hat er einen Stammplatz: „Paulchen liegt auf der Ablage der Eckbank, von hier aus hat er alles im Blick“, erzählt Barbara Arnold und krault den Kater hinter dem Ohr. Dabei hat es lange so ausgesehen, als würde Paulchen nie mehr dort sitzen: Denn am 14. Dezember 2007 ist der heute siebenjährige Kater verschwunden.

Die 55-Jährige kann sich noch gut an den Abend erinnern: „Es war wahnsinnig kalt und hat geschneit. Normalerweise mag Paulchen bei so einem Wetter gar nicht raus.“ Barbara Arnold lässt den Kater aus der Wohnung und denkt sich nichts dabei, als er nicht gleich wiederkommt. „Ich hab geglaubt, er wäre bei unseren Nachbarn im Obergeschoss“, erzählt sie. „Am Abend wollte ich ihn holen – da sagte mir meine Nachbarin, dass sie ihn nicht gesehen hat.“

Die Arnolds machen sich sofort auf die Suche, klappern im Schnee die Nachbarschaft ab. „Wir sind alle Straßen abgefahren, haben die Leute gebeten, ihre Garagen und Hütten zu öffnen“, schildert Dirk Arnold. Seiner Frau kommen die Tränen, wenn sie an die Tage nach Paulchens Verschwinden denkt: „Das war so schmerzhaft für uns, wir haben tagelang geweint.“

Die Arnolds verteilen Plakate, rufen im Tierheim an und fragen bei den Tierärzten der Umgebung nach ihrem Kater. Doch Paulchen ist nicht aufzufinden. Am Ende sind die beiden so verzweifelt, dass sie einander schwören, nie mehr ein Tier zu sich zu holen. Erst vor vier Wochen werfen die Arnolds schweren Herzens die letzten Spielsachen, Näpfe und Paulchens Kratzbaum weg.

Doch das Schicksal will es anders: Am 14. Dezember dieses Jahres, auf den Tag genau zwei Jahre nach Paulchens Verschwinden, hat Barbara Arnold geschäftlich mit der Vorsitzenden des Schongauer Tierheims, Helga Brennauer, zu tun. Die Frauen kommen ins Plaudern, und Arnold erzählt Paulchens Geschichte. Brennauer schlägt vor, sie solle doch im Tierheim vorbei schauen – dort sei vor kurzem ein schwarzer Kater abgegeben worden, dem sie den Namen Hans gegeben haben. „Erst wollte ich gar nicht“, sagt Arnold, „aber der Hans ist mir einfach nicht mehr aus dem Kopf gegangen.“

Schließlich fährt sie ins Tierheim. Als Helga Brennauer die Käfigtür öffnet, kann es die 55-Jährige kaum glauben: „Es war unser Paulchen.“ Ohne zu überlegen, nimmt sie den Kater mit nach Hause, ruft ihren Mann auf dem Handy an. Kaum in der Wohnung angekommen, nimmt Paulchen seinen Platz ein „als wär nichts gewesen“.

Wo der Kater die vergangenen zwei Jahre verbracht hat, wissen die Arnolds nicht. Im Tierheim hat er etwa sechs Wochen gelebt, „wir sind froh und dankbar, dass man sich dort so gut um ihn gekümmert hat.“ Sie glaubt, es ist Schicksal, dass Paulchen wieder zurückgekommen ist. Ihr Klingelschild haben die Arnolds übrigens nie ändern lassen.

Kathrin Brack

Quelle: tz