Protest bei der CSU: „Eich hau ma zum Deifi“

München - Pfeifkonzerte, ohrenbetäubendes Tröten, dazu original Tonband-Fluglärm vom Flughafen München - die Startbahn-Gegner haben vor der Münchner CSU-Zentrale lautstark protestiert. Ein Gesprächsangebot von Horst Seehofer schlugen sie aus.

Dirk Walter

München - Alexander Dobrindt verzieht den Mund zu einem Dauerlächeln, die lila Krawatte sitzt auch dann noch, als der CSU-Generalsekretär von einem Ei am Kopf getroffen wird. Später besudelt auch noch eine Tomate den Anzug. Dobrindt lächelt stoisch, langsam tropft die Eischmiere in den Kragen, ehe sie ihm sein Parteisprecher abwischt. Zeitweise hängt ihm jemand eine rote Trillerpfeife um den Hals. Er verzieht auch keine Miene, als Startbahn-Gegner Hartmut Binner ihm das Megaphon vorenthält. „Der Herr Dobrindt wird heute nicht zu Wort kommen.“

Derb die Sitten an diesem Freitagvormittag, derb die Plakate der angereisten rund 400 Startbahn-Gegner. „Saubande dreckate“, heißt es, „Eich hau ma a no zum Deifi.“ Dazu Sprechchöre: „Lügenpack“, „Saukopf“ oder einfach - gemünzt auf Dobrindt - „Hau ab“. Der folgt nicht, hört dafür eine Rede Binners, der eine „Riesenwut“ hat. Als Binner dann von einem Anruf aus dem Büro Seehofers berichten will, kommt selbst dieser wuchtige 1,90-Meter große Mann nicht zu Wort. „Lügenpack“, tobt die Menge. „Lasst’s mi ausreden“, mahnt Binner. So viel ist am Ende klar: Binner hat dem Büro postwendend abgesagt: „Es gibt keinen Dialog mehr, sofern nicht ergebnisoffen diskutiert werden kann.“ Mit „ergebnisoffen“ meint Binner den Verzicht auf eine dritte Startbahn.

Nach der Demo setzen sich vielleicht 100 Startbahn-Gegner spontan auf die Nymphenburger Straße. Doch die Sitzblockade wird von Binner, einem Ex-Polizisten, kurzerhand als Veranstaltungs-Verlängerung bei der Polizei angemeldet. Die Menge trottet nach zwei Stunden davon, nachdem einige Demonstranten auch noch bis in die CSU-Zentrale vorgedrungen sind und nur widerwillig gehen.

„Ich bin überglücklich“, meint Binner zu diesem Demoauftakt. Für die Besudelung Dobrindts entschuldigt er sich. „Das tut mir wirklich leid, das geht nicht.“ Dobrindt, mit frischem Hemd, trommelt noch Journalisten in der CSU-Zentrale zusammen. Der Dialog müsse weitergehen, meint er unverdrossen. Ei und Tomate - „das darf man nicht überbewerten“.

Quelle: Merkur.de