Eröffnung in Regensburg

Neues Museum für bayerische Geschichte zeigt Bayerns Aufstieg zum Hightech-Land

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Das neue Museum liegt unweit des Regensburger Doms.

Am Dienstag wird in Regensburg ein neues Geschichts-Museum eröffnet.  Chronologisch wird in 25-Jahr-Etappen Bayerns Aufstieg zum Hightech-Land erzählt.

Regensburg Prunkschlitten, Lanz-Dampfmaschine und Goggomobil – Bayern bekommt ein neues Geschichts-Museum. Am Dienstag wird das Haus am Regensburger Donauufer eröffnet. Fast 100 Millionen Euro kostet der neue Geschichts-Tempel mit angeschlossener Bavariathek für Schulklassen. Außen ist das Museum mausgrau, innen erstrahlt das Foyer gleißend weiß. Es gibt einen Laden (das Wort Shop wird vermieden), ein Wirtshaus und im ersten Stock eine Leistungsshow bayerischer Geschichte – mit all dem, was Bayern berühmt und erfolgreich gemacht hat.

Haus der bayerischen Geschichte in Regensburg mit Landesausstellungen sehr erfolgreich

Museums-Macher Richard Loibl, 53, leitet seit über zehn Jahren das Haus der bayerischen Geschichte in Augsburg. Die von ihm organisierten jährlichen Landesausstellungen sind, gemessen an der Besucherzahl, sehr erfolgreich, allerdings auch wenig kontrovers. „Wir erzählen mit Humor“, sagt Loibl. Bayerns Bier, Ludwig II., Mythos Bayern – das zieht. Um kritische Themen macht der findige Geschichtendeuter lieber einen Bogen, und so hat man 2018 auch eine eigene Ausstellung zur bayerischen Revolution vor 100 Jahren vermisst.

Auch in Regensburg bleibt Loibl beim Vertrauten und Erprobten. Mit den Königen geht es los. Gleich vier Herrscherporträts empfangen den Besucher, und wer einige Schritte weitergeht, landet beim Modell des Mainschiffes „Ludwig I“ und dem Prunkschlitten für Ludwig II. Der Kini, klar, darf nicht fehlen – sein Schirm, den er beim Tod bei sich hatte, seine Uhr, Devotionalien vom Bierkrug bis zum Klodeckel. All das hat man aber meist schon irgendwo gesehen, es ist jetzt wenig aufregend.

Auch ein Historiker vom Institut für Kunst und Forschung München ist nicht begeistert. In einem Gastbeitrag zeigt er sich entsetzt vom neuen Museum der bayerischen Geschichte.

Geschichte Bayerns chronologisch erzählt: Neues Museum in Regensburg

Überhaupt ist der Aufbau des Museums brav und sehr traditionell. Chronologisch wird in 25-Jahr-Etappen Bayerns Aufstieg zum Hightech-Land erzählt. Eine Schwerpunktsetzung gibt es nicht, alles ist in etwa gleich groß.

Das hat zur Folge, dass Bayerns Revolution 1918, zweifellos ein epochemachendes Ereignis, in der Sektion 1900 bis 1925 genau so viel Platz bekommt wie die wenig aufregende Zeitspanne 1850 bis 1875. Dazwischen gibt es irritierende Sequenzen: Bayerns Brauereiwesen etwa scheint ein persönliches Hobby von Richard Loibl zu sein, so oft wird das Bier erwähnt. Das Schlierseer Bauerntheater ist gewiss berühmt – aber wirklich so wichtig, dass man ihm fast so viel Raum schenkt wie der NS-Zeit insgesamt?

Nur fast am Schluss wird das Museum richtig großzügig. Man schlendert an einer bayerischen Autoshow entlang – der Dienstwagen von Alfons Goppel, Isetta, Kabinenroller und Goggomobil – und landet unversehens bei Franz Josef Strauß und der CSU, der Loibl generös viel Platz einräumt. Die Bayern-SPD sei nun mal nicht so bedeutend wie die CSU, verteidigt er sich. Nun ja, gegenüber von FJS ist ein Raum für die Wackersdorfer Anti-WAA-Proteste, das renkt manches wieder ein.

Man hätte Bayerns Geschichte auch etwas anders erzählen könne. Schattenseiten gibt es ja auch, und zwar nicht nur in der NS-Zeit. Armut und Massenauswanderung im 19. Jahrhundert, der Protz der Könige, die Einkerkerung der Oppositionellen unter Ludwig I. – im Bayern-Museum wird das ausgespart. Man kann eben nicht alles zeigen.

Regensburg: Das neue Museum ist ein „Bürger-Museum“

Trotzdem sollte sich niemand von einem Besuch in Regensburg abhalten lassen. Das neue Museum ist ein „Bürger-Museum“. Von den 1000 Exponaten sind 300 Leihgaben und Schenkungen aus der Bevölkerung. Darunter sind wirklich spannende Einzelstücke, etwa die Pickelhaube des Simon Gammel, der trotz eines Kopfschusses den Ersten Weltkrieg überlebte. Bedrückend auch ein einfaches Pappschild mit der Aufschrift: „Hier starb ein Saboteur!“ Es wurde dem Regensburger Domprediger Johann Maier um den Hals gehängt, ehe er wegen Widerstands gegen das NS-Regime gehängt wurde. Ein Jeep der US-Armee und ein Care-Paket erzählen von der Nachkriegszeit, ein Einkaufswagen der Firma Wanzl aus dem Landkreis Günzburg vom Aufkommen der ersten Lebensmittel-Selbstbedienungsläden, die die Tante-Emma-Kramerläden bald völlig verdrängten.

Zudem gibt es abseits der Geschichts-Sektionen sogenannte Kulturkabinette, die epochenübergreifende bayerische Charakteristika in den Blick nehmen: die Architektur, die Natur, die Dialekte – in einer „Hördusche“ kann man sich sogar seine Aussprache analysieren lassen.

Dass nun aber unten im Foyer neben dem Initiator des Museums Horst Seehofer auch Markus Söder gedankt wird, dem das neue Haus als Nachfolger Seehofers in den Schoß fiel, könnte man auch als weiteren Hofknicks gegenüber Bayerns Herrschern deuten.

Informationen zum Museum für bayerische Geschichte in Regensburg

Das Museum für bayerische Geschichte ist ab Mittwoch, 5. Juni, für die Besucher geöffnet (täglich außer Montag 9 bis 18 Uhr); bis 30. Juni Eintritt frei, danach Erwachsene 5 Euro. Jugendliche bis 18 und Studierende bis 30 frei.

Quelle: Merkur.de