NACHGEFRAGT

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler ist die Knopf-Botschafterin

Botschafterin für faire Textilien: Susanne Breit-Keßler

Am „Grünen Knopf“ sollen Verbraucher fair produzierte Kleidung leichter erkennen können. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) will das Gütesiegel im Juli einführen. Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler wirbt als Textilbotschafterin für den „Grünen Knopf“ und verrät, welche Kleidung in ihren Schrank darf.

Frau Breit-Keßler, wie viele grüne Knöpfe haben Sie denn in ihrem Kleiderschrank?

Grüne Knöpfe habe ich noch gar keine. Aber ich hoffe, dass sich das bald ändert, wenn im Juli das Gütesiegel „Grüner Knopf“ vorgestellt wird. Zehn Modeunternehmen präsentieren dann auf einer Modemesse in Berlin ihre mit dem Siegel ausgezeichnete Kollektion. Der „Grüne Knopf“ setzt ökologische und soziale Standards in der gesamten Lieferkette voraus. Ich hoffe, dass er sich durchsetzt und zu einem Mega-Siegel wird, auf das man vertrauen kann.

Was macht Kleidung fair und nachhaltig?

Das geht bei der Baumwolle los: Stammt sie aus ökologischem Anbau? Sind die Farben gesundheitsverträglich? Und für mich noch wichtiger sind die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken in Entwicklungsländern. Die Näherinnen, meistens sind es Frauen, sollten einen angemessenen Lohn bezahlt bekommen, kranken- und sozialversichert sein. Außerdem müssen Sicherheitsstandards eingehalten werden, damit Unglücke wie 2013 in Bangladesch nie wieder passieren. Damals stürzte die Textilfabrik Rana Plaza in Savar ein, mehr als 1000 Menschen kamen um. Für unsere Kleidung darf kein Mensch krank werden oder sterben.

Der „Grüne Knopf“ ist verknüpft mit dem „Bündnis für nachhaltige Textilien“, das 2014 ins Leben gerufen wurde. Auch Billigketten wie H&M oder Primark sind dabei. Wie passt das zusammen?

In dem Bündnis haben sich mittlerweile über 130 Unternehmen zusammengeschlossen. Natürlich haben manche von ihnen nur einen Bruchteil ihrer Produktion fair gehandelt. Auch gibt es noch keine 100-prozentige Sicherheit für die gesamte Lieferkette. Aber mit ihrer Mitgliedschaft geben sie zumindest zu erkennen, dass sie daran weiterarbeiten wollen. Das ist noch nicht ganz zufriedenstellend, aber bevor die Unternehmen gar nichts machen, ist es doch schon eine ganze Menge.

Der Grüne Knopf ist ein deutsches Siegel. Bringt das denn global betrachtet überhaupt etwas?

Es erhöht den Druck auf die Modebranche. Außerdem sollen weitere Bündnisse geschlossen werden. Allen voran mit Organisationen gegen Kinderarbeit. Unsere T-Shirts dürfen keine Kinder nähen.

Worauf achten Sie beim Kleidungskauf?

Ich bin der Meinung, dass es nicht verantwortungsbewusst ist, jedem Trend hinterherzujagen. Ich habe manche Sachen, die sind 15 Jahre alt. Eleganz ist zeitlos. Ich schaue auch, woher meine Kleidung kommt und frage im Geschäft nach, wie ein Kleidungsstück produziert wurde. Bei einem T-Shirt für drei Euro sollte jedem klar sein, dass das nicht fair hergestellt sein kann. Wenn jemand sagt: Ich muss aber sparen – dem kann ich nur sagen: Lieber weniger, dafür bessere Qualität. Wenn man auf etwas spart, schätzt man es auch mehr. Außerdem gibt es so wunderbare Dinge wie Kleidertauschpartys oder Second-Hand-Geschäfte. 

Interview: Aglaja Adam

Quelle: Merkur.de