Reichsparteitagsgelände marode und teuer

Die Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.
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Die Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.

Nürnberg - Die Sanierung der maroden Bauten auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände der Nationalsozialisten in Nürnberg droht Millionen zu verschlingen.

Die Stadt Nürnberg hofft deshalb auf finanzielle Hilfe vor allem vom Bund, sagte Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) am Freitag. “Das Reichsparteitagsgelände ist die vermutlich größte Hinterlassenschaft der Nationalsozialisten in Deutschland“, erklärte Maly. “Das ist keine Nürnberger Angelegenheit, sondern eine, die ganz Deutschland betrifft. Wir können diese Last nicht alleine stemmen.“

Bis Ende des Jahres wolle die Stadt einen Sanierungsplan für die Zeppelintribüne und das Zeppelinfeld erarbeiten. Dann werde er - im besten Fall gemeinsam mit Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) - beim Bund um Finanzhilfe bitten, sagte Maly. Die Kosten könnten einen “mittleren zweistelligen Millionenbetrag“ erreichen. Von der Landesregierung will Maly zunächst kein Geld fordern. “Der Freistaat Bayern ist in diesem Fall genauso wenig wie die Stadt Nürnberg politischer Erbe.“ Stattdessen stehe ganz Deutschland in der Pflicht. “Ich bin guter Dinge, dass wir auf offene Ohren stoßen werden.“

Die Nationalsozialisten hatten das Gelände von 1933 an für ihre Parteitage genutzt. Die von Alfred Speer entworfene Zeppelintribüne und das dazugehörige Aufmarschgelände entstanden zwischen 1935 und 1937. Bereits vor gut einem Jahr musste ein Teil der Tribüne wegen Einsturzgefahr gesperrt werden. In den vergangenen Jahren waren immer wieder einzelne Teile der denkmalgeschützten Anlage ausgebessert worden.

“Jetzt hat das Gebäude einen Zustand erreicht, der erfordert, grundsätzliche Überlegungen anzustellen“, sagte Hannes Hinnecke vom Baureferat. “Es ist unstrittig, dass die Stadt das nicht alleine schultern kann. Es ist eine nationale Aufgabe, das Gelände zu erhalten.“

Eine eigens gegründete Arbeitsgruppe soll in den kommenden Monaten den Plan aufstellen. “Wer welche Kosten tragen wird, können wir erst überlegen, wenn die Höhe feststeht“, erklärte Hinnecke. Erst dann könne auch darüber gesprochen werden, ob eine ähnliche Lösung wie beim Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände möglich ist. Hier übernahmen laut Hinnecke Stadt, Land und Bund jeweils ein Drittel der Kosten.

Sicher ist aber schon jetzt, dass es teuer wird. Derzeit besteht nach Hinneckes Erkenntnissen zwar weder an den geöffneten Teilen der Tribüne noch an einem der 36 kleineren Türme rund um das Feld akute Einsturzgefahr. Wegen der zahlreichen Besucher des vielfältig genutzten Geländes sei jedoch besondere Vorsicht geboten. Zum Konzept der Stadt gehört es, das Areal in den Alltag der Nürnberger einzubinden, um zu verhindern, dass es zur Pilgerstätte für Neonazis wird. Deshalb finden hier Sportveranstaltungen, Konzerte und Volksfeste statt. Einige der kleineren Türme rund um das Feld dienen nach Hinneckes Angaben auch als Lagerräume für Vereine.

Quelle: DPA