„Habe die Hoffnung aufgegeben, dass...“

Reiserückkehrer berichten: Freiwillige Corona-Tests in Bayern absolute Farce - „Bin massiv wütend“

Coronavirus in Bayern: Ein BRK-Mitarbeiter führt einen Test an der Sation Bergen an der A8 durch.
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Coronavirus in Bayern: Ein BRK-Mitarbeiter führt einen Test an der Sation Bergen an der A8 durch.

Reiserückkehrer berichten über frustrierende Zustände nach einem freiwilligen Corona-Test am Flughafen München oder an der Autobahn. Viele haben nie ein Ergebnis gesehen.

  • Allein die ehrenamtlichen Helfer von Rettungsdiensten haben bisher 50.000 Reiserückkehrer auf Corona getestet.
  • Doch viele Rachenabstriche an Autobahnen und Flughäfen dürften nutzlos gewesen sein..
  • Denn die Ergebnisse sind nie bei den Getesteten angekommen.

München – Patrick S. hat eine ruhige, aber leider langweilige Woche hinter sich. Der Geschäftsführer aus München war in seiner Wohnung gefangen. Ungeplante Quarantäne bei schönstem Wetter. „Zum Glück hat der Lieferservice vom Edeka funktioniert“, sagt er. Aber sonst hat eigentlich nichts funktioniert.

Reiserückkehrer berichten: Frewillige Corona-Tests absolute Farce - „Bin massiv wütend“

Heute vor einer Woche ist er am Münchner Flughafen gelandet. Er kam aus Barcelona, einem Corona-Risikogebiet, und er ließ sich gleich nach der Landung an der offiziellen Teststation testen. „In 24 Stunden, spätestens in 48 Stunden haben Sie das Ergebnis“, das haben sie ihm dort gesagt. Doch es ist nichts passiert. Bis jetzt. Patrick S. hat noch immer kein Ergebnis, anders als ein Mitreisender von ihm, von dem er weiß, dass sein Test negativ war. „Ich bin am Ende meiner Geduld“, sagt er. „Und ich bin massiv wütend.“

Corona-Tests für Reiserückkehrer: „System funktioniert überhaupt nicht“

Patrick S. ist kein Einzelfall. Es mehren sich Berichte, wonach es zu massiven Problemen bei der Rückmeldung der Ergebnisse nach den freiwilligen Corona-Tests in Bayern kommt. Gudrun Rapke ist Pressesprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Sie war in Venetien im Urlaub, das ist kein Risikogebiet, trotzdem hat sie sich vor einer Woche in Hochfelln Nord an der A8 testen lassen. Bis heute hat sie kein Ergebnis. „Das System funktioniert überhaupt nicht“, sagt sie. „Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass da noch was kommt.“

Inzwischen räumt sogar das bayerische Gesundheitsministerium ein, dass manche Personen „leider länger auf ihre Befunde warten mussten“. Über die Zahl der fehlenden Rückmeldungen machte das Ministerium keine Angaben. Stattdessen verwies eine Sprecherin auf die Telefonnummer (0 91 31) 68 08 51 01, an die sich Betroffene wenden können.

Anruf bei zuständiger Frima Ecolog am Flughafen München - keiner geht ran

Patrick S. hilft das nicht mehr – er musste einen weiteren Kurzurlaub mit Freunden bereits absagen. „Wenn ich gewusst hätte, dass das so ein Chaos wird, hätte ich das nie gemacht und lieber 200 Euro für einen privaten Test bezahlt“, sagt er. Der Geschäftsführer hat nach eigener Aussage „50 bis 100 Mal“ bei der Hotline der Firma Ecolog angerufen, die das Testcenter für den Freistaat betreibt.

Meistens hat keiner abgenommen, zweimal hat er doch jemanden ans Telefon bekommen, der ihn dann vertröstet hat. Ende letzter Woche landete eine E-Mail von Ecolog in seinem Postfach: „Sie werden die Testergebnisse so bald wie möglich bekommen.“ Passiert ist nichts. Am heutigen Montag endet sein Urlaub. Bevor er wieder ins Büro geht, will er sich privat testen lassen.

Der Ärger über die fehlenden Test-Ergebnisse trifft auch das Rote Kreuz, das mit seinen Helfern die Stationen an den Autobahnen bestückt. „Wir bekommen bis zu 150 Anrufe und E-Mails pro Tag, in denen sich die Getesteten beschweren, dass sie noch immer kein Ergebnis haben“, sagt BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi. Aber damit hat das Rote Kreuz gar nichts zu tun. Die Ehrenamtler machen einen tiefen Rachenabstrich und eine Spedition holt die Teststäbchen mehrmals am Tag ab und bringt sie ins Labor. „Es scheitert nicht am BRK, sondern am nachgelagerten Prozess der Gesundheitsbehörden“, sagt Taheri-Sohi. „Hier wurde Besserung versprochen.“ Trotzdem sorge das für einen „Reputationsschaden“ beim BRK. Weil viele glauben, das Rote Kreuz steckt hinter dem Test-Chaos.

In der Spitze der bayerischen Politik sind die Test-Pannen übrigens bereits angekommen. Auch Fabian Mehring, der Parlamentarische Geschäftsführer der Freien Wähler, wartet nach seinem Slowenien- und Kroatien-Urlaub seit neun Tagen auf sein Test-Ergebnis von der A 8-Station Hochfelln. Das torpediere die gute Idee, auch Reiserückkehrern aus Nicht-Risikoländern freiwillige Tests anzubieten, sagt Mehring. Er will jetzt in der Regierung Druck machen.

Ein großes Manko bei der Ecolog-Corona-Teststation am Flughafen München ist offenbar die Telefon-Hotline. Eine Mutter ließ sich dort Ende August testen und erlebte Schockierendes.