Einsatzkräfte sind vorbereitet auf Corona

Bayern ist gewappnet für das Virus

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Mit Mundschutz: Touristen aus Taiwan bei einem Besuch auf Schloss Neuschwanstein vor wenigen Wochen. Chinesische Besucher gibt es in Bayern derzeit dagegen kaum. 

Nach dem Ausbruch des Coronavirus in Italien bereitet sich auch der Freistaat darauf vor, dass Bayern infiziert nach Hause zurückkehren könnten. Reiseunternehmer und Gästeführer spüren die Unsicherheit. Für Bayerns Einsatzkräfte hingegen hat sich der Alltag durch das Virus kaum verändert.

München – Es ist Sonntag, 4 Uhr morgens, als ein Bus der Bruckmühler Firma „Berr Reisen“ von Bayern nach Venedig aufbricht. Auf zum berühmten Karneval in der Lagunenstadt an der Adria. Doch diesmal steht die Fahrt unter besonderen Vorzeichen. Denn im Lauf des Sonntags häufen sich die Meldungen über neue Corona-Fälle in Norditalien. Nach Rücksprache mit den italienischen Behörden steuert der Fahrer das Ziel wie geplant an. „Vor Ort ist alles normal gelaufen“, sagt Stefan Simbeck von Berr Reisen. Erst am Abend nach der Tagestour geht die Meldung um die Welt: Der berühmte Karneval von Venedig wird wegen des Coronavirus vorzeitig abgebrochen. Das Busunternehmen reagiert. Die nächste geplante Tour vom gestrigen Montag wird abgesagt.

Fehlalarm: Der wegen Corona-Verdachts vorübergehend gestoppte Zug am Münchner Hauptbahnhof

Auch wenn es in Bayern nach aktuellem Stand keine neuen Corona-Fälle gibt, so wirkt sich die neue Virus-Welle aus Italien auch auf den Freistaat aus. „Wer in Italien mit einem Coronavirus-Fall persönlichen Kontakt hatte, sollte sich umgehend an sein Gesundheitsamt wenden“, teilte das Gesundheitsministerium gestern mit. Ein Arbeitsstab hatte sich gestern mit der Lage in Italien befasst. Nun werde das Vorgehen der bayerischen Gesundheitsbehörden für den Fall möglicher Infektionen von Reisenden vorbereitet, die aus Italien zurückkehren. Details sollen kurzfristig und in Abstimmung mit den Ärzteverbänden festgelegt werden, hieß es ohne nähere Angaben. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit werde zudem Informationen speziell für Italien-Reisende bereitstellen. „Wir beobachten die Entwicklung in Italien sehr genau“, betonte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). „Dabei ist natürlich auch wichtig, wie das Robert-Koch-Institut und das Auswärtige Amt die Lage einschätzen.“

Doch bei den Urlaubern ist die Unsicherheit zu spüren. Bei der Hotline von Berr Reisen häufen sich die Anfragen. Viele Kunden wollen wissen: Wo kann ich noch guten Gewissens hinfahren? Kann ich meine Reise stornieren? „Stand jetzt bieten wir unsere Fahrten nach Italien außerhalb des Risikogebietes, etwa nach Rom, weiter wie geplant an“, erklärt Stefan Simbeck. „Es gelten aktuell keine Reisebeschränkungen.“ Auch das Oberaudorfer Busunternehmen Astl fährt regelmäßig nach Italien. „Die Kunden sind verunsichert“, sagt Mitarbeiterin Elisabeth Schmid. „Und wir fühlen uns schlecht mit Informationen versorgt.“ Selbst die Hoteliers vor Ort wüssten nicht, wie sie mit der aktuellen Lage umgehen sollen.

Im Bahnverkehr gibt es aktuell keine Einschränkungen von und nach Italien. Und auch die Flixbusse fahren planmäßig – solange die Behörden keine gesonderten Maßnahmen empfehlen, wie eine Sprecherin mitteilt.

Doch bei den chinesischen Gästetouren im Freistaat herrscht derzeit Flaute. Hong Assfalg vom Münchner Gästeführerverein zeigt den Besuchern aus Fernost um diese Jahreszeit eigentlich die schönsten Seiten Bayerns. „Aber seit Februar sind alle Aufträge storniert. Ich befinde mich sozusagen im Zwangsurlaub“, sagt die Gästeführerin. Seit Peking im Januar Gruppenreisen im In- und Ausland verboten hat, macht sich das auch in Bayern bemerkbar – und das nicht nur in der Region rund um Schloss Neuschwanstein. So richtig traurig über die Auszeit ist Assfalg allerdings nicht. „Meine Gesundheit ist mir wichtig. Man kann schließlich nie wissen, ob nicht doch ein Teilnehmer infiziert sein könnte.“

BRK-Einsatzkräfte brachten vor einigen Wochen eine infizierte Familie aus Siegsdorf ins Krankenhaus

Für die Rettungskräfte ist es Routine, mit infizierten Menschen in Kontakt zu kommen. Nicht nur mit Corona-Patienten. „In unserem täglichen Dienst hat sich durch das Virus nicht viel verändert“, berichtet der BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi. Wenige Stunden, nachdem im Januar in Frankreich der erste Corona-Fall bekannt wurde, gab es in Bayern eine Krisentelefonkonferenz. Der BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk und die Chefs aller BRK-Einsatzdienste besprachen das weitere Vorgehen. Kurz darauf erhielten alle Einsatzkräfte ein Papier mit Handlungsempfehlungen, einer Auflistung der Meldewege sowie einer Erklärung, wie sich die Corona-Symptome von den Influenza-Symptomen unterscheiden lassen. „Alle sind gut informiert und sensibilisiert“, betont Taheri-Sohi. Gleichzeitig wurden Kommunikationspläne und Materialbestände wie beispielsweise Mundschutz-Vorräte überprüft. Die Einsatzkräfte seien aber entspannt – obwohl sie im Alltag häufig die Ersten sind, die mit Infizierten in Kontakt kommen. Auch im Falle der infizierten Familie aus dem Kreis Traunstein waren es BRK-Mitarbeiter, die die Familie abholten und in ein Spezialkrankenhaus brachten. Dafür haben sie eine spezielle Ausrüstung. Außerdem habe das BRK zwölf Sondereinheiten, die bei schnell ausbreitenden Pandemien alarmiert werden. „Bisher läuft aber alles unter jeder Alarmschwelle“, betont der Sprecher. Man wolle vorbereitet sein. „Aber wir müssen weiterhin mit Ruhe und Expertise arbeiten.“

Ähnlich entspannt kontrollieren die Beamten der Bundespolizei Rosenheim weiterhin in den Fernzügen. „Bisher gibt es keinen Grund für erhöhte Schutzmaßnahmen“, betont Sprecher Rainer Scharf. Seine Kollegen seien zwar für erhöhte Hygienemaßnahmen sensibilisiert, im Alltag habe sich durch die Corona-Fälle in den Nachbarstaaten aber bisher nichts verändert.

Quelle: Merkur.de