Keiner weiß, was das soll

Rosenheim wird mit Wahlplakaten aus den 40ern überflutet - die Polizei ermittelt

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Zur falschen Zeit am falschen Ort: Die Wahlplakate hängen meist inmitten der echten, wie hier in Bad Feilnbach, wo die SPD plötzlich ein Deutschland in den Grenzen von 1937 zu fordern scheint.

Im Kreis Rosenheim tauchen vielerorts historische Wahlplakate auf. Auf ihnen fordern Union und SPD scheinbar die Wiederherstellung der Grenzen von 1937. Die Polizei ermittelt.

Rosenheim– Wenn bei Michael Linnerer derzeit das Telefon klingelt, weiß der FDP-Landtagskandidat schon, was kommt. „Ist das Wahlplakat, auf dem Ihre Partei das Ende der Entnazifizierung fordert, echt?“, fragt dann ein Gemeindevertreter aus dem Landkreis Rosenheim. „Natürlich ist es das nicht“, erklärt der 38-Jährige aus Rott am Inn unserer Zeitung. „Das wissen auch die Kommunen. Aber sie müssen nachfragen, bevor sie Wahlwerbung entfernen.“

Die Forderung nach einem geeinten Deutschland schloss in der Nachkriegsdebatte für viele Menschen auch Teile Polens mit ein. Auch die SPD fordert dies auf einem Plakat von 1949, dass über das Wochenende in Bad Feilnbach neu angebracht wurde. Heute stellen solche Forderungen nur noch Rechtsextremisten. 

Ähnlich wie Linnerer dürfte es auch den Vertretern von SPD und Union gehen. Auch für ihre Parteien tauchen seit etwa einer Woche nachgedruckte Wahlplakate aus dem Bundestags-Wahlkampf des Jahres 1949 auf, auf denen sie die Wiederherstellung der deutschen Grenzen von 1937 fordern – inklusive Teile Polens. In der Nachkriegszeit wurde über solche Vorschläge noch breit diskutiert, heute stellen nur noch Rechtsextreme ähnliche Forderungen.

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Auch die Union warb 1949 für ein Deutschland in den Grenzen von 1937. 

Die Plakate hängen verstreut im Kreis Rosenheim, etwa in Bad Aibling, Rosenheim und Kiefersfelden. Oft kleben sie inmitten echter Wahlwerbung, teils aber auch an Bäumen und in der Nähe von Hauptstraßen. Teilweise wurden echte Plakate abgerissen oder überklebt, um Platz für die falschen zu schaffen.

Das Motiv der Verursacher ist unklar. „Vielleicht will uns jemand in eine rechte Ecke rücken“, sagt Linnerer. Damit will er aber nichts zu tun haben. „Ideen von gestern haben in der Politik von heute nichts verloren.“

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Für die FDP war 1949 das Ende der Entnazifizierung wichtig. 

Zur Polizei gehen wollte Linnerer zunächst nicht – obwohl seine Wahlhelfer die Verursacher beobachteten. „Wenn wir alle Probleme mit Wahlwerbung zur Anzeige bringen, machen wir nichts anderes mehr.“ Dennoch wird jetzt ermittelt. „Wer Wahlwerbung beschädigt, begeht Sachbeschädigung“, sagt Manuel Sohn von der Polizei Bad Aibling. Diese ist mit bis zu zwei Jahren Haft oder einer Geldstrafe strafbar.

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Quelle: Merkur.de