Und muss blechen

Rottacher (63) landet wegen Dose Schnupftabak vor Gericht

Die im Nachhinein wohl teuerste Dose Schnupftabak sein Lebens gönnte sich ein 63-Jähriger aus Rottach-Egern. Wegen ihr saß er nun vor dem Miesbacher Amtsgericht.

Rottach-Egern – Laut Anklage – bei deren Verlesung einem Großteil der Anwesenden ein Schmunzeln über das Gesicht huschte – soll der Mann am 15. April dieses Jahres in einem Rottacher Supermarkt eine Dose Schnupftabak gestohlen haben. Wert: zwei Euro. Zwar wurde das Verfahren vor dem Amtsgericht vorläufig eingestellt – allerdings gegen eine Gelauflage von 100 Euro.

Zunächst hatte der Angeklagte die Vorwürfe noch bestritten. Er habe eine Packung Wurstaufschnitt und die Dose Schnupftabak kaufen wollen. Während er noch vor der Kasse sein Portemonnaie aus der Innentasche seiner Jacke holen wollte, habe er die Dose unterbewusst in seiner Hosentasche verstaut. „Sowas passiert mir öfter, das ist eine Alterserscheinung“, sagte der 63-Jährige vor Gericht. Als unterbewusste Handlung werteten die beiden Kassierinnen diesen Vorgang nicht. „Die haben ,Diebstahl’ geschrien und den Geschäftsführer gerufen.“ Und der die Polizei.

Laut Vernehmungsprotokoll hatte der Angeklagte damals ausgesagt, er habe die Wurst vergessen, sei vier Kilometer zurückgeradelt und habe sich dann mit Schnupftabak belohnen wollen. Quasi ein Geständnis. Vor Gericht bestritt er jedoch, diese Aussage getätigt zu haben. „Das ist völliger Quatsch.“ Unterschrieben habe er das Protokoll nur, weil er der Beamtin vertraut habe.

Richter Walter Leitner erklärte schließlich, dass der Fall überhaupt nur deswegen verhandelt werde, weil der Angeklagte bereits eine Vorstrafe wegen einer Trunkenheitsfahrt mit dem Fahrrad vorzuweisen hat. Er bot an, das Verfahren gegen eine Geldauflage von 100 Euro vorläufig einzustellen. Unter der Bedingung, dass der Rottacher die Vorwürfe einräumt. Andernfalls müsse das Verfahren weitergeführt werden – wegen einer Dose Schnupftabak im Wert von zwei Euro. „Und dazu habe ich keine Lust.“