Nach Versuch in Erlangen geschah nichts mehr

Corona-Schnelltests an Schulen – in Bayern bisher eine Rarität

Schüler beim Schnelltest – so war es im Dezember in Erlangen.
+
Schüler beim Schnelltest – so war es im Dezember in Erlangen.

Corona-Schnelltests könnten dabei helfen, Schulen rasch wieder zu öffnen. Ein erster Versuch in Bayern verlief positiv, wenngleich der Aufwand hoch ist. Im Nachbarland ist man schon einige Schritte voraus.

München/Erlangen – Am 7. Dezember rückte die Erlanger Realschule am Europakanal unversehens ins Rampenlicht. Alle Zehntklässler, 135 Schüler und Schülerinnen, wurden einem Antigen-Schnelltest unterzogen. Da kam sogar der Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der in Erlangen seinen Wahlkreis hat, vorbei. Er klang damals sehr optimistisch: „Jetzt muss sehr schnell die Entscheidung vorangebracht werden, wie wir das im Schulalltag entsprechend auch umsetzen“, sagte er.

Seitdem hat man davon nichts mehr gehört. Doch die Stimmen, Schüler zu testen, werden wieder lauter. Die Grünen und die SPD im Landtag fordern Schnelltests an Schulen. „Österreich geht mit gutem Beispiel voran“, findet SPD-Bildungsexpertin Simone Strohmayr. Dort sind den Schulen fünf Millionen Schnelltests zugesagt. Da solle sich Bayern ein Beispiel nehmen. „Zehntausende Lkw-Fahrer und Pendler werden jeden Tag in Bayern getestet, das muss doch auch an den Schulen möglich sein“, wundert sich der Chef des Bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl.

In Bayern nur zaghafte Versuche

Bisher gab es in Bayern nur zaghafte Versuche, Schnelltests einzusetzen. In Erlangen hatte Schulleiter Markus Bölling damals viele Formalitäten zu erledigen. Die Eltern mussten unterschreiben, dass sie mit dem Test einverstanden sind, auch die Datenübertragung an die Schule setzte ein elterliches Ok voraus. Der Test selbst war freiwillig – und tatsächlich verweigerten ihn einige Schüler.

Die ersten Schüler wurden ab 7.15 Uhr getestet, bis alle die beiden aufgebauten Teststraßen im Pausenhof durchlaufen hatten, verging einige Zeit. Die Schüler mussten draußen mit Abstand auf ihre Ergebnisse warten. „Der Aufwand ist enorm, das könnte eine Schule allein nie leisten“, sagt der Schulleiter. Er kann sich nicht vorstellen, dass die ganze Schule (890 Schüler) frühmorgens regelmäßig getestet würde. Seine Empfehlung lautet, die Tests gezielt einzusetzen, etwa vor Prüfungen.

Finanziert hatte den Versuch die örtliche Schreiber-Stiftung, die eine professionelle Firma zur Durchführung der Nasen-Abstriche engagierte. „Das kostete 40 Euro pro Person“, sagt Stiftungsleiterin Ellen Schreiber. Ein Testkit beziffert sie auf zehn Euro. Sie hat später noch einen zweiten Durchgang an der Realschule finanziert, ferner einen an der Mittelschule und zwei an einem Gymnasium. Rechtlich vorstellbar, wenngleich noch nicht geklärt, wäre auch, dass die Lehrer die Tests selbst nach einer Schulung vornehmen.

Sachsen testet Schüler ab der 8. Klasse

Das Ergebnis, das jeder nach etwa einer Viertelstunde auf sein Handy erhielt, sorgte bei Bölling damals für Erleichterung: „Wir hatten keinen positiven Fall“, berichtet er. Allerdings gab es kurzzeitig Unklarheit bei einem Schüler, der offenbar aufgrund einer starken Erkältung zunächst ein positives Ergebnis erhalten hatte – ein Nachtest entlarvte das „falsch positiv“. Das ist die Crux bei den Schnelltests: Sowohl infizierte als auch nicht infizierte Personen werden manchmal nicht identifiziert – das Robert-Koch-Institut, das die Schnelltests dennoch empfiehlt, spricht von einer niedrigeren Sensitivität und Spezifität als bei herkömmlichen PCR-Tests (deren Ergebnis in der Regel erst nach einem Tag vorliegt). In Sachsen wurden daher gestern nur Schüler ab der 8. Klasse getestet – bei jüngeren Kindern sei der Test nicht sicher.

Auch in Österreich lief es nicht reibungslos. Der ORF berichtete anfangs über ein „Lieferchaos“. Grundschulen geben den Schülern die Testkits auch mit nach Hause. Der Aufwand ist enorm: Allein für Oberösterreich werden 230 000 Tests pro Woche benötigt, um die Kinder einmal wöchentlich zu testen.

Staatsregierung berät heute

Das bayerische Kabinett will heute über die Situation an den Schulen beraten - laut dpa könnte es auch um Schnelltests gehen.