Präsident warnt vor Hysterie

Schweinepest: Jagdverband fordert Unterstützung

Der Bayerische Jagdverband fordert im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest mehr Unterstützung. Mit den Bauern gibt es Streit über einen vermehrten Einsatz von Wildschwein-Lebendfallen.

München – Bayerns Schweinehalter sind in Hab-Acht-Stellung. In Polen und Tschechien wurden im vergangenen Jahr Fälle der Afrikanischen Schweinepest nachgewiesen. 

Warum ist die Schweinepest so gefährlich?

Die Seuche ist für den Menschen zwar ungefährlich, kann bei einem Ausbruch aber die Existenz von Schweinemastbetrieben gefährden – denn dann müsste der ganze Bestand getötet werden. Um die Gefahr einer Verbreitung einzuschränken, hat der Bayerische Bauernverband deshalb eine intensivere Bejagung von Schwarzwild gefordert. Auch die Staatsregierung greift mit einer Aufwandsentschädigung für bestimmte geschossene Tiere unter die Arme.

Darum spielt der Mensch bei der Schweinepest eine Rolle

Doch der Bayerische Jagdverband sah gestern Bedarf für eine Klarstellung: „Das größte Risiko für die Verschleppung der Seuche ist der Mensch, nicht das Wildschwein“, betont Jagdverbandspräsident Jürgen Vocke. Aus panischer Angst vor einem möglichen Seuchenfall würden die Emotionen hochkochen. „Dabei werden die Fakten oft übersehen“, so Vocke. Und auch sein Vize Günter Baumer sagt: „Die Verbreitung geht vielleicht schneller, wenn es eine hohe Schwarzwilddichte gibt, aber der Ausbruch kommt anders.“ Etwa durch kontaminierten Rohschinken, den Saisonarbeiter oder Fernfahrer aus betroffenen Gebieten mitbringen und nicht fachgerecht in den Müll werfen – wenn dann nachts das Wildschwein an die Autobahnraststätte kommt, droht die Übertragung. Es könne deshalb nicht die Aufgabe der Jäger allein sein, Bayern vor der Afrikanischen Schweinepest zu wappnen. Man wolle aber seinen Teil beitragen.

Darauf sollten Jäger achten

„Wir warnen Jäger davor, Trophäen aus Osteuropa mitzubringen oder Lebensmittel mit ins Revier zunehmen“, sagt Baumer. Genauso wichtig sei aber die Aufklärung der Bevölkerung. „Am liebsten wären mir stichprobenartige Kontrollen an der Grenze“, sagt Baumer. Allerdings gibt es keine rechtliche Grundlage, um einem Brummifahrer seine Rohpolnische abzunehmen. Helfen könnten aber die Landkreise, sagt Baumer. Und zwar, indem sie Container für die Gedärme von erlegtem Schwarzwild aufstellen, die bisher im Wald liegen bleiben dürfen.

Von einem vermehrten Einsatz von Lebendfallen, den sogenannten Saufängen, wie ihn der Bauernverband als Präventivmaßnahme fordert, hält Baumer aber wenig. Solche Fallen, in die mehrere Tiere tappen können, die dann vom Jäger geschossen werden, muss das Landratsamt genehmigen. „Hier muss immer geprüft werden, ob die Tötung vereinbar mit dem Tierschutzrecht ist“, sagt Baumer. Auch der Muttertierschutz müsse unbedingt eingehalten werden. Viel wichtiger wären nach Ansicht des Jagdverbands mehr Schutzschneisen bei Mais- und Rapsfeldern, damit die Jäger die Tiere überhaupt sehen können. Auch den Einsatz von Nachtzielgeräten lehnt der Verband weiter ab.

Einig sind sich sowohl Jagd- wie Bauernverband, dass der Staat bei den Gebühren für die obligatorische Trichinenuntersuchung unterstützen könnte. Denn die sind in den Landkreisen unterschiedlich hoch – und machen es mitunter unrentabel, Frischlinge zu schießen. Der kurz vor Weihnachten vom Freistaat in Aussicht gestellt finanzielle Anreiz für bestimmte geschossene Tiere sei jedoch ein guter Anfang.

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Quelle: Merkur.de

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