Bayern: Im Land der Verzweifelten

München - Es passt so gar nicht zum typischen Bild Bayerns. Zu dieser weltberühmten Gemütlichkeit mit immerfröhlichen Menschen. Nein, dies ist die tieftraurige Seite des Freistaates – die Seite der Verzweifelten.

Eine Statistik zeigt nun: In keinem Bundesland nehmen sich so viele Menschen das Leben wie hier. Woran das liegt? Kein Mensch weiß es! Das Rätsel um den Freitod – die Zahlen sind erschreckend: Im Jahr 2009 kamen in Bayern auf 100 000 Einwohner genau 12,9 Suizide. Das sind insgesamt 1749 Selbstmorde, 1749 Schicksale. Zum Vergleich: Der Durchschnitt lag in Deutschland im Jahre 2009 bei 10,6 Selbstmorden pro 100 000 Menschen, so die Süddeutsche Zeitung.

Die Zahl der Selbstmörder ist höher als viele denken. So nehmen sich im Land doppelt so viele Menschen das Leben wie beispielsweise in einem Jahr im Straßenverkehr sterben. Und das obwohl die Zahl der Suizide seit 30 Jahren stetig abnimmt: In den 80er-Jahren lag sie noch doppelt so hoch. Aber warum neigen gerade so viele Bayern dazu, keinen Ausweg mehr zu wissen? Weltweite Sozialstudien zeigen, dass sich oft in Regionen besonders viele Menschen das Leben nehmen, in denen hohe Arbeitslosigkeit herrscht. In Bayern trifft dies aber eben nicht zu – die Arbeitslosenquote ist niedrig. Zudem liegt in einem Bundesland wie Brandenburg (höhere Arbeitslosigkeit) die Suizid-Rate bei „nur“ 8,9 Menschen je 100 000 Einwohner. Merkwürdig.

Auch an der fehlenden psychologischen Betreuung kann es nicht liegen. Im Gegenteil: Der Freistaat ist bekannt dafür, sich intensiver um den mentalen Zustand seiner Bevölkerung zu kümmern als dies andere Bundesländer tun. Es gibt Sonderausbildungen für Lehrer, Polizisten, Sozialarbeiter, Altenpfleger und viele mehr. „Bayern hat in diesem Bereich schon immer viel getan“, sagt der Würzburger Psychiater und Suizid-Experte Armin Schmidtke gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Einen „vernünftigen Grund“ für die vielen Selbstmorde könne er daher nicht nennen.

Es gibt aber einen Ansatz zur Erklärung: und zwar das Alter! In vielen ländlichen Regionen Bayerns leben hauptsächlich ältere Menschen (also über 60), die Jungen ziehen weg. Hier steigt die Zahl der Selbstmorde bei den Senioren deutlich. So ließen sich zumindest die hohen Freitod-Zahlen im Berchtesgadener Land oder im niederbayrischen Regen erklären. Am meisten Menschen nahmen sich 2009 übrigens in Weiden das Leben. Dies hat aber einen simplen Grund: dort steht eine psychiatrische Klinik.

age

Quelle: tz