Gibt‘s wieder Festspiele im Schnee?

Ski-WM 2025: Bewerbung von Garmisch-Partenkirchen nicht ausgeschlossen

+
Unvergesslich: die Eröffnungsfeier der Ski-WM im Olympia-Skistadion.

Eine Bewerbung für eine neuerliche alpine Ski-Weltmeisterschaft ist fast in Vergessenheit geraten. Jetzt hat sie Freie-Wähler-Chef Florian Möckl wieder ins Spiel gebracht. Und er stößt damit bei Dr. Sigrid Meierhofer auf offene Ohren. Die Bürgermeisterin kann sich eine WM „gut vorstellen“.

Garmisch-Partenkirchen – Die Versäumnisse von Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) in ihrer bisherigen Amtszeit listete Gemeinderat Florian Möckl (Freie Wähler) in seiner Haushaltsrede, die die Oppositionsparteien zu einer Generalabrechnung mit der Amtsinhaberin nutzen, vor ein paar Wochen in der ihm eigenen Art auf. Er tat es ein bisschen süffisant, ein bisschen sarkastisch und im Duktus einer Fastenpredigt. Eines der Dinge, die er Meierhofer im pastoralen Ton vorwarf: „Von einer möglichen Ski-WM-Bewerbung haben wir lange nichts gehört. Und das, obwohl jetzt vieles mehr vorhanden ist, als noch vor 2011. Der damalige Schwung im Ort ist momentan leider völlig futsch.“

Ein Eindruck, der auch bei den Mitgliedern der Impulsgruppe, der führende Köpfe von Handel, Hotellerie, Dienstleitern und Vereinen angehören, teilweise vorherrscht, allerdings nicht in jener krassen Form, wie von Möckl formuliert. „Ich tue mir hart, diese These zu unterstreichen, aber die Gefahr besteht. Natürlich hatten wir während der WM und danach eine Aufbruchstimmung, die mittlerweile etwas abgeflaut ist“, sagt Franz Grasegger, Chef des Mode- und Trachtenhauses Grasegger und Sprecher der Impulsgruppe. Und er schlägt sich auf die Seite des Vorsitzenden der Freien Wähler. „Wir begrüßen diesen Vorstoß und dass man sich in der Politik mit diesem Thema auseinandersetzt.“ Auch die Impulsgruppe treibt eine neuerliche Bewerbung für eine alpine Ski-Weltmeisterschaft um. Vor einigen Tagen hatte Peter Fischer, Geschäftsführer des Weltcup-Organisationskomitees und 2011 Chef des WM-OK, ein Referat zu diesem Sachverhalt vor der Impulsgruppe gehalten. Über Inhalt und Tenor des Vortrags wollten sich weder Fischer noch Grasegger äußern.

Wer die Bewerbung auslösen soll, darüber bestehen unterschiedliche Auffassungen

Das Zögern und Zaudern von Garmisch-Partenkirchens politischer Kaste versteht man auch beim Internationalen Ski-Verband (FIS) nicht. Immerhin hatten die „Festspiele im Schnee“ dem Renomee des Ortes, das von Patina überzogen war, in der Welt neuen Glanz verliehen. FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis, häufig Gast in Garmisch-Partenkirchen und dem Ort wohlmeinend, hatte Fischer in den zurückliegenden Monaten mehrmals angesprochen, weshalb der Markt sich nicht bewerbe. Zuletzt bei den Weltcup-Rennen in Gröden (Italien), davor im Herbst beim FIS-Kongress in Zürich (Schweiz).

Wer die Initialzündung für eine Bewerbung auslösen sollte, darüber bestehen unterschiedliche Auffassungen. Meierhofer ist der Ansicht, der Anstoß müsse vom Skiclub Garmisch kommen, dessen Vorsitzender Fischer ist. Der hat eine ganz andere Meinung: Er sieht die Gemeinde in der Pflicht, sie müsse sich positionieren. Und wenn sie ihren Hut erneut in den Ring werfen will, „ein eindeutiges Bekenntnis“ dafür ablegen.

Damit tut sich Meierhofer gar nicht so schwer. „Eine WM könnte ich mir gut vorstellen“, erklärt sie auf Tagblatt-Anfrage. „Eine Entscheidung müssen allerdings die Gremien treffen.“ Die Bürgermeisterin ist schon mehrere Schritte weiter als Elisabeth Koch. „Stand heute wüsste ich nicht, wie ich mich im Gemeinderat entscheiden würde“, sagt die CSU-Fraktionsvorsitzende.

Bewerbungsschluss für die Ski-WM 2025 endet im Mai 2019

Obwohl sich die Bewerbungskosten auf 400 000 Euro belaufen, wäre Garmisch-Partenkirchen wohl in der Lage, eine erneute Weltmeisterschaft zu stemmen. Anders als beim Weltcup, den die Gemeinde pro Jahr mit rund 400 000 Euro aus der Sportförderung alimentiert, würde eine Weltmeisterschaft in den Genuss von Fördermitteln von Bund und Freistaat Bayern gelangen. Meierhofer hegt zudem die Hoffnung, dass etwas Bleibendes für den Ort entstehen könne – analog der WM 1978. Ein Erbe von damals ist das Kongresshaus, während für die Titelkämpfe 2011 das Skigebiet auf Vordermann gebracht wurde. Auf der Kandahar wären wahrscheinlich nur Facelifts nötig, um sie WM-tauglich zu machen.

Meierhofer hofft nicht nur auf nachhaltige Bauten, sondern auch auf Bares – anders als 2011. Fischer hatte ausgezeichnet gewirtschaftet und dem Deutschen Skiverband (DSV) einen Gewinn von rund sieben Millionen Euro beschert. Garmisch-Partenkirchen ging leer aus. „Ich persönlich habe den damaligen Vertrag als sehr einseitig empfunden“, sagt Meierhofer.

Ins Boot geholt werden sollte, verfolgt man im Markt eine Bewerbung ernsthaft, schnellstens auch der DSV. Der muss mit dem Kandidaten Garmisch-Partenkirchen bei der FIS vorstellig werden. In der Vergangenheit hatte man beim Verband eine Bewerbung für eine alpine Weltmeisterschaft sehr defensiv behandelt, weil die Ski-Funktionäre unbedingt eine nordische WM in Oberstdorf durchboxen wollten. Nach mehren vergeblichen Anläufen ist das gelungen. Die Allgäuer richten die Weltmeisterschaft 2021 aus.

Damit könnte beim DSV der Weg frei sein für Garmisch-Partenkirchen. Die Zeit drängt für alle Protagonisten in diesem Spiel um Sport, Geld und Ansehen. Der Bewerbungsschluss für die Weltmeisterschaften 2025 naht mit Riesenschritten. Bis 1. Mai 2019 müssen sich die Orte erklären, die aufs Kandidatenkarussell aufspringen wollen und ihre Unterlagen einreichen. Die Entscheidung über den WM-Ausrichter in sieben Jahren fällt auf dem 52. FIS-Kongress, der vom 24. bis 30 . Mai 2020 in Marrakesch (Marokko) über die Bühne gehen wird. Mit oder ohne Garmisch-Partenkirchen lautet die Frage, die Politik, Sport und Wirtschaft nun klären müssen.

Quelle: tz