Keine zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntage - DGB zufrieden

Sonntags nie! - Kolumne von Susanne Breit-Keßler*

Susanne Breit-Keßler war evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern.
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Susanne Breit-Keßler war evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern.

Die Sirenenklänge waren betörend: Ladenöffnungszeiten müssten sich ändern. Jeder sollte seinen Laden rund um die Uhr offenhalten dürfen.

Statt vier Marktsonntagen, die es in Bayern gibt, waren fünf bis sechs im Gespräch - auch ohne, dass Messen, Ausstellungen und Märkte Anlass zum Öffnen der Geschäfte geben. Der Landtag hat einem solchen Antrag inzwischen eine Absage erteilt. Trotzdem stimmt es: In Corona-Zeiten fehlen Kunden. Sie halten sich mit Käufen zurück, weil sie weniger Geld in der Tasche haben. Kurzarbeit macht keine Kauflaune. Dazu spart bequemer Online-Handel mit seinen Schnäppchen-Angeboten Geld und weite Wege.

Verkaufsoffene Sonntage sind für stationäre Geschäfte angeblich eine rentable Chance, mehr Gewinn zu machen. Aber Ausnahmen sind nur attraktiv, wenn sie etwas Besonderes bleiben. Zur Regel geworden, interessiert sich kaum jemand mehr dafür. Laut einer Umfrage von FORSA aus diesem Jahr würden fünf Prozent der befragten Bundesbürger auf jeden Fall am Sonntag einkaufen, ein Viertel „wahrscheinlich“. Dem stehen knapp 70 Prozent gegenüber, die „wahrscheinlich nicht“ oder „bestimmt nicht“ an diesem Tag einkaufen gehen. Von verkaufsoffenen Sonntage profitieren nur große Player.

Für kleine Geschäfte rechnet es sich nicht. Auf der einen Seite unzufriedene und von Wochenendschichten erschöpfte Mitarbeitende - die meisten davon wieder mal Frauen. Sie tragen zu drei Vierteln die Last der Arbeit in den Geschäften. Es braucht zusätzliche Betriebs- und Personalkosten, die potenzielle Mehreinnahmen verschlingen. Und: Der Gesamtumsatz steigt mitnichten. Was am Sonntag gekauft wird, das braucht man am Montag nicht mehr. Es ist vollkommen klar, dass die Nöte des Einzelhandels in den Blick genommen werden müssen.

Aber die ökonomischen Folgen von Pandemie und Sofa-Shopping sind nicht lösbar, wenn man am geltenden Recht herumbastelt. Der Sonntagsschutz ist verfassungsrechtlich verankert. In seinem Zentrum steht die Wertschätzung des Menschen - unabhängig von dem, was er zu leisten, zu kaufen oder anzubieten vermag. Es braucht einen verstärkten Auftritt des Einzelhandels im Internet, damit jeder weiß, was er an seinen Geschäften vor Ort hat. Es braucht Liebe zu den Läden und die Erfahrung, dass dort Einkaufen eine wahre Wonne sein kann. Kaffeetrinken im Buchladen, Beratung beim Käsehändler und Kleidung, die nicht zurückgeschickt werden muss, sondern passt. Ich gehe los.

*Die frühere evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler ist Vorsitzende des Ethik-Rates.