Sprit zum Einkaufspreis: In vier Wochen ist alles vorbei

Garmisch-Partenkirchen - Der Garmisch-Partenkirchner Tankstellen-Rebell Ludwig Frischmann hat mit seiner Preispolitik einen Nerv getroffen - auch bei den anderen Tankstellenpächtern am Ort. Dabei dürfte in vier Wochen alles vorbei sein:

Thomas Hensel hat harte Konkurrenz. Er betreibt die Esso-Tankstelle an der Zugspitzstraße in Garmisch-Partenkirchen. Mit den Preisen seines Mitbewerbers auf der anderen Straßenseite kann er unmöglich mithalten – Ludwig Frischmann verkauft den Sprit zum Einkaufspreis (wir berichteten). Ohne Auf und Ab, Benzin und Diesel kosten seit einer Woche das Gleiche.

Das ist gegenüber anders. Dort sind die Preise tagsüber niedriger als morgens oder abends, wenn Frischmann geschlossen hat. Das aber habe „nichts mit ihm zu tun. Auf freie Tankstellen reagieren wir nicht so sensibel“, sagt Hensel, der auch betont: „Wir haben keinen Umsatzrückgang.“ Doch auffällig ist, dass an der einen Tankstelle ständig die Zapfsäulen belegt sind, während es bei der Konkurrenz im Ort deutlich ruhiger ist. Hensel sieht’s locker – es ist ja nur von kurzer Dauer. Denn: Frischmann schließt am 30. April. „In vier Wochen ist also alles vorbei“, sagt Hensel gelassen. Verärgerter wirkt Max Kalleder, der die OMV daneben betreibt und direkt abwiegelt: „Dazu äußere ich mich nicht.“ Über die Gemeinde hinaus scheint sich der „Billig-Sprit“ nicht auszuwirken. „Wir merken gar nichts“, sagt eine Mitarbeiterin der Farchanter Tankstelle.

Frischmann ist unterdessen erleichtert, dass immer mehr Fahrer den erbetenen Euro spenden. „Solange sie dazu bereit sind, kann ich mit dem Einkaufspreis leben.“ Nicht so recht ist ihm, dass viele gezielt seine Tankstelle ansteuern. Anrufer aus Oberau, Murnau und Kufstein hätten sich über die Anfahrt erkundigt. Dass sie extra zum Tanken rüberkommen, sei „aber nicht der Sinn der Sache. Immer nur das Billigste zu wollen, das ist nicht richtig“.

Es gehe ihm auch gar nicht darum, die Konkurrenten zu unterbieten, betont Frischmann. Vielmehr möchte er ein Bewusstsein schaffen. „Ich will, dass die Leute aufwachen. Sie sollen sehen, wie wenig für den Tankstellenpächter übrig bleibt.“ Immerhin sei der Unterschied zwischen ihm und anderen Verkäufern gar nicht groß. „Dass ein Pächter fünf Cent am Liter verdient, das sollte schon in Ordnung sein.“ Deshalb sei die Aktion auch kein Kampf gegen andere Verkaufsstellen. „Hetzen bringt nichts. Es ist nicht so, dass Tankstellen die Menschen abzocken – Abzocken tut der Staat.“

So oder so: Den genervten Autofahrern kommt jemand wie Frischmann gerade recht. Die Menge an Sprit, die bei ihm durch die Zapfsäulen fließt, hat sich vervierfacht. Für die Kunden gut, für andere Tankstellen weniger. Wie lange Frischmann beim Einkaufspreis bleibt, weiß er „selbst noch nicht“.

Katrin Martin

Quelle: tz