Fünf Fälle aus dem vergangenen Jahr ungeklärt

Spurlos verschwunden in den Bergen

Im Fall der vermissten Münchnerin Renate B. suchte im Juli 2020 die Such- und Lawinenhundestaffel der Bergwacht Region Chiemgau nach der 53-Jährigen. Bisher gilt sie weiterhin als vermisst.
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Im Fall der vermissten Münchnerin Renate B. suchte im Juli 2020 die Such- und Lawinenhundestaffel der Bergwacht Region Chiemgau nach der 53-Jährigen. Bisher gilt sie weiterhin als vermisst.

Die Bergwachten helfen mit groß angelegten Suchaktionen, wenn Bergsteiger von ihren Touren nicht mehr zurückkommen. Vergangenes Jahr blieben fünf Wanderer spurlos verschollen.

  • Wenn Wanderer von ihren Bergtouren nicht mehr zurückkehren, suchen Polizei und Bergwachten mit einem Großaufgebot.
  • Doch nicht alle Vermisstenfälle können sofort aufgeklärt werden.
  • Von fünf vermissten Bergsteigern aus dem vergangenen Jahr fehlt weiterhin jedes Lebenszeichen.

München – Mitte Oktober des vergangenen Jahres machte sich der 21-jährige Valentin W. aus Untermeitingen (Kreis Augsburg) auf, um den Watzmann zu besteigen. Seitdem fehlt von dem jungen Mann jede Spur. Seine Eltern meldeten ihn kurz nach seinem Aufbruch als vermisst. Valentin W. ist einer von fünf vermissten Wanderern des vergangenen Jahres, deren Fälle bisher ungeklärt sind.

Tagelang suchten Retter und Einsatzkräfte in den Bergen nach dem 21-Jährigen, der als erfahrener Bergsteiger beschrieben wird. „Fast täglich war er in den Bergen unterwegs. Eine Watzmann-Überschreitung hat er schon öfter gemacht“, berichtete der Vater gegenüber der Augsburger Allgemeinen

21-Jähriger nach Tour auf den Watzmann vermisst - Einsatzkräfte müssen Suche abbrechen

Doch Helikopter, Hundestaffeln und die Suche der Bergwacht blieben erfolglos. Kurz darauf musste die Suchaktion am Berg eingestellt werden – die Witterungsverhältnisse mit Neuschnee stellten eine zu große Gefahr für die Einsatzkräfte dar.

Komplett eingestellt ist die Suche nach Valentin W. jedoch nicht, wie Stefan Sonntag von der Polizei Oberbayern Süd erklärt. Ungeklärte Fälle vermisster Bergsteiger sind nicht ungewöhnlich. Die Zahl aus dem vergangenen Jahr sei mit den Vorjahren vergleichbar.

Bergsteiger verschwinden spurlos - Warten auf bessere Witterungsverhältnisse

Im Fall Valentin W. wie auch in zwei weiteren Fällen von vermissten Wanderern gingen die Ermittlungen weiter. „Nur nicht am Berg“, sagt Sonntag. Dort sei die Suche zwar aktuell unterbrochen. Roland Ampenberger von der Bergwacht Bayern erklärt aber, dass das nicht endgültig so sei. Vielmehr warte man auf weitere Anhaltspunkte, um erneut aufbrechen zu können – und auf bessere Witterungsverhältnisse.

Hier hoffen Polizei und Rettungskräfte vor allem auf den Frühling – wenn Schnee und Eis verschwunden sind, wird die Suche leichter. Bis dahin ermittelt die Polizei beispielsweise im privaten und beruflichen Umfeld der Vermissten weiter, erklärt Sonntag.

Von Münchnerin fehlt jedes Lebenszeichen - Ein Gipfelbucheintrag ist der letzte Hinweis

Auch von der Münchnerin Renate B. gibt es seit einer Bergtour im Juli kein einziges Lebenszeichen. Zuletzt hatte sie sich auf dem Pflasterbachhorn (Bad Reichenhall) in das Gipfelbuch eingetragen. Ihr Ehemann meldete sie kurz darauf als vermisst. Die folgende Suchaktion nach der 53-Jährigen mit Drohnen, Alpinhunden und bis zu 30  Einsatzkräften der Bergwacht, wurde ein paar Tage später ergebnislos abgebrochen. Auf einem Parkplatz in Ruhpolding (Kreis Traunstein) fand die Polizei im September das verriegelte Auto des vermissten Hans-Jürgen B.. Zwei Tage zuvor wurde der Wanderer als vermisst gemeldet. Seither fehlt von dem 54-jährigen Traunsteiner jede Spur.

Nicht immer rechnet die Polizei jedoch mit einem Unfall in den Bergen, wenn eine Person spurlos verschwindet. In ein paar wenigen Fällen müsse man von Suizid ausgehen, berichtet Sonntag. Im Fall der Münchnerin Renate B. und des Traunsteiners Hans-Jürgen B., kann die Kriminalpolizei Traunstein weder einen Unfall noch Absicht ausschließen, sagt der Polizeisprecher.

Auch im Allgäu quält Angehörige zweier vermisster Wanderer aus dem vergangenen Jahr noch immer die Ungewissheit. Mitte Februar machte sich ein 55-jähriger Urlauber in Oberstdorf auf den Weg zu einer Skitour – doch die Rückkehr des Mannes in das örtliche Hotel blieb aus. Sieben Monate später startete ein 62-Jähriger eine Wanderung vom Fellhorn bei Oberstdorf aus. Sein Ziel war das Söllereck – dort kam er jedoch nie an.

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