Seit über 50 Jahren nicht mehr gesehen

Große Suchaktion für seltene Maus

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Die bayerische Kurzohrmaus wird am Alpenrand vermutet.

Garmisch-Partenkirchen - Eine äußerst seltene seit über 50 Jahren im Freistaat nicht mehr gesehene Feldmausart soll wieder heimisch werden.

Sie ist kaum länger als 10 Zentimeter und wiegt keine 30 Gramm. Auffällig sind ihre kleinen Augen und die kurzen, fast vollständig im graubraunen Fell verborgenen Ohrmuscheln. Wer ganz genau hinschaut, kann an den Hinterfüßen auch noch fünf sogenannte Sohlenschwielen entdecken. So sieht eine ganz besondere bayerische Maus aus, die Kurzohrmaus, nach ihrem weltweit ersten Fundort auch „Microtus bavaricus“ genannt. Das lateinische Wort „Microtus“ heißt Feldmaus.

Doch wo ist das possierliche Tierchen mit den kleinen Äuglein? Gibt es überhaupt noch Exemplare der Bayerischen Kurzohrmaus und wenn ja, wo versteckt sich der kleine Säuger? Seit der Entdeckung durch Claus König, den damaligen Leiter der staatlichen Vogelschutzwarte in Garmisch-Partenkirchen, im Jahr 1961 und der wissenschaftlichen Erstbeschreibung im Jahr darauf wurde „Microtus bavaricus“ im Freistaat nicht mehr gesichtet, wie das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) bedauert. König fand das Tierchen vor 51 Jahren am Fuße des Berges Eckbauer bei Garmisch-Partenkirchen. Ganze 23 Exemplare wurden danach gefangen.

Auf der „Roten Liste“ der bedrohten Tiere ist die Maus in der Kategorie 0 eingestuft, was so viel wie ausgestorben oder verschollen heißt. Solchen Tieren müsse beim Wiederauftreten besonderer Schutz gewährt werden, erläutert die Umweltbehörde. Hilfe kommt von unseren österreichischen Nachbarn aus der Alpenrepublik: Im Rofangebirge nahe dem Achensee in Tirol wurden 2004 die letzten Exemplare der kleinen Maus lebend gefangen.

Das lässt LfU-Präsident Claus Kumutat hoffen. Zusammen mit der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) startete seine Behörde am Mittwoch am Entdeckungsort von „Microtus bavaricus“ eine wissenschaftliche Suchaktion für den verschollenen Erdenbewohner. Kumutat und ZSM-Chef Gerhard Haszprunar sind zuversichtlich, dass am Alpenrand Restbestände der Feldmaus existieren. „Die Wiederentdeckung der Art in Tirol lässt hoffen“, sagt Haszprunar. „Der Fundort im Rofan ist kaum fünf Kilometer von der bayerischen Grenze entfernt.“

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Die Menschen vor allem in den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach und Ostallgäu sind nun aufgerufen, von Katzen erbeutete, außerhalb von Gebäuden gefangene oder tot aufgefundene Mäuse bis zum Wintereinbruch bei der Vogelschutzwarte des LfU abzugeben oder von LfU-Mitarbeitern abholen zu lassen. Vielleicht ist ja eines der seltenen Exemplare des „Microtus bavaricus“ dabei. Für LfU-Sprecher Stefan Zoller wäre dies eine kleine wissenschaftliche Sensation.

Die Experten raten, eine gefundene Maus nicht anzufassen, sondern mit einer umgestülpten Plastiktüte oder Gefrierbeutel einzusammeln. Ganz wichtig: „In die Tüte soll ein Zettel mit genauem Fundort, Datum und Erreichbarkeit des Finders gelegt werden“ so Zoller. „Bis zur Abholung sollten die Mäuse dann möglichst im Gefrierfach zwischengelagert werden.“ Anhand des Schädels oder des Gebisses finden die Zoologen anschließend heraus, ob es sich um eine normale Feldmaus oder die verschollene Bayerische Kurzohrmaus handelt. In schwierigen Fällen sei sogar eine DNA-Analyse möglich.

„Mit den Ergebnissen der Suche kann anschließend gezielt ein Artenhilfsprogramm für die Bayerische Kurzohrmaus entwickelt werden“, hofft Behördenpräsident Kumutat. Im Freistaat wurde 2008 eigens ein Programm zum Erhalt der biologischen Vielfalt aufgelegt, die Fachleute sprechen von Biodiversitätsstrategie. LfU-Sprecher Zoller verspricht jedenfalls: „Die Experten werden sich jede Maus genau anschauen in der Hoffnung, dass das eine oder andere Exemplar der Bayerischen Kurzohrmaus dabei ist.“

dpa