TAGEBUCH EINES 21-JÄHRIGEN SYRERS

Bayans Leben in Bayern: „Alkohol ist im Islam verboten“

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Bayan Alrazzah schreibt über Getränke in Syrien.

Bayan Alrazzah ist 22 und kommt aus Aleppo in Syrien. 2016 ist er allein nach Deutschland geflüchtet. Seitdem lebt er in München, sein Asylantrag wurde anerkannt. Für den Münchner Merkur führt er ein Tagebuch über seinen Alltag hier.

Heute berichtet er über arabische Trinkgewohnheiten.

Seit ich in Deutschland lebe, trinke ich viele verschiedene Getränke. In Syrien war alles ziemlich teuer, seit der Krieg begonnen hat. Ich mag den Geschmack von Kohlensäure. Deshalb habe ich viel Cola und Säfte getrunken, bis ich Probleme mit den Zähnen bekommen habe. Inzwischen trinke ich so was nur noch einmal am Tag.

In Syrien trinken alle schwarzen Tee zum Frühstück, Abendessen und nach dem Mittagsessen. Früher habe ich auch oft Tee getrunken, aber in den letzten drei Jahren nicht mehr. Außer im Winter. Aber dann gehe ich lieber in einen türkischen Laden und trinke dort schwarzen Tee. Dort schmeckt er am besten, finde ich. Bei uns sagt man: Kaffee bei Arabern trinken, Tee bei Türken. Ich selber trinke aber keinen Kaffee, weil ich auch nicht rauche. Und man sagt, Zigaretten und Kaffee sind beste Freunde.

Bei uns sagt man: Kaffee bei Arabern trinken, Tee bei Türken

Wenn uns früher in Syrien Gäste besuchten, musste man immer zuerst Kaffee anbieten und den Gast fragen, wie er seinen Kaffee möchte – mit oder ohne Zucker. In meiner Kultur bedeutet es, dass man sich nicht willkommen fühlt oder den Gastgeber nicht mag, wenn man den Kaffee ablehnt. Deshalb war es für meine Mutter immer schwierig, wenn sie jemanden besucht hat, weil sie wie ich keinen Kaffee trinkt.

Aber was viele Muslime nicht trinken, ist Alkohol. Jeder weiß, dass Alkohol im Islam verboten ist. Trotzdem trinken ihn manche Muslime. Vor dem Krieg haben die meisten das heimlich getan – aber seit dem Krieg ist es schon normal geworden. Ich habe Alkohol ausprobiert, als ich 17 war. Meine Freunde und ich sind in das Viertel gegangen, in dem die Christen wohnen, und haben ihn dort gekauft. Denn Muslime verkaufen keinen Alkohol. Einmal kam ich nach Hause und war betrunken, aber meine Mutter hat es nicht gemerkt, weil sie den Geruch von Alkohol nicht kennt – da hatte ich Glück. In Deutschland trinke ich selten. Nur wenn ich mit Freunden feiern gehe.

Ich liebe alle Getränke, die einen Geschmack haben. Aber man muss auch Wasser trinken. In Deutschland habe ich Wasser mit Kohlensäure kennengelernt. Einige meiner Freunde aus Syrien haben sich daran gewöhnt. Ich nicht. Ich mag stilles Wasser lieber.

Bayan Alrazzah

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Quelle: Merkur.de