Fall Anton Fanger: Dr. Mord schwieg am ersten Verhandlungstag

+
Der Angeklagte.

Wegen Mordes an einem Münchner Finanzbeamten steht seit Donnerstag ein Pärchen in Landshut vor Gericht. Doch der Arzt (61) und seine Freundin schwiegen am ersten Verhandlungstag.

Der 61 Jahre alte Arzt und seine 36 Jahre alte Freundin sollen den vermögenden 48-jährigen Anton Fanger aus Kirchasch bei Bockhorn (Landkreis Erding) umgebracht haben, um mit einem gefälschten Testament das Geld des Opfers zu erben. Damit wollten sich die beiden Angeklagten nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft für fast 800.000 Euro eine Wohnung kaufen.

Bilder vom Prozess

Bilder vom Prozess gegen Dr. Mord

Der Orthopäde war bereits 1986 in Darmstadt wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden und saß danach 17 Jahre im Gefängnis. Er ist nun erneut wegen Mordes angeklagt, seine Lebensgefährtin wegen Beihilfe zum Mord.

Zum Auftakt des Prozesses am Landgericht machten die beiden Angeklagten keine Angaben, kündigten allerdings für einen späteren Verhandlungstag eine Erklärung und eine Aussage an. Daraufhin wurde der Prozess vertagt. Bei den Ermittlungen hatte das Paar den Mordvorwurf bestritten.

Der aus Hessen stammende Mediziner lernte die 36-Jährige vor drei Jahren in Deggendorf kennen, wo er früher in einer Praxis arbeitete. Über die Frau entstand laut der Anklage auch der Kontakt zu dem Finanzbeamten. Die Niederbayerin hatte früher bei einem Münchner Finanzamt gearbeitet und so eine Bekanntschaft zu dem späteren Opfer aufgebaut.

An Ostern 2008 soll der in einer Augsburger Praxis beschäftigte Mediziner den Finanzbeamten in dessen Bauernhaus besucht haben. Im Treppenhaus soll er seinen Bekannten mit einem Genickschuss getötet haben. Anschließend habe der Arzt ein falsches Testament in dem Haus zurückgelassen und zudem versucht, mit der Blutprobe einer Patientin eine falsche Spur zu legen, heißt es in der Anklage. Die Leiche wurde erst nach mehreren Tagen gefunden, als Kollegen den Finanzbeamten in der Behörde vermissten.

Das Paar steht auch wegen Betrugs und Urkundenfälschung in mehreren weiteren Fällen vor Gericht. So soll der Arzt seiner Freundin falsche Gutachten und Rechnungen von Schweizer Kliniken ausgestellt haben, damit die junge Finanzbeamtin eine angebliche Dienstunfähigkeit nachweisen kann. Tatsächlich wurde die Frau schließlich aufgrund falscher Dokumente in den Ruhestand versetzt. Zudem soll die privat versicherte Frau mit falschen Rechnungen unrechtmäßig etwa 40 000 Euro Behandlungskosten erstattet bekommen haben.

Der Arzt hatte bereits in den 1980er Jahren einen Menschen getötet. Es handelte sich um den Vermieter der damaligen Praxisräume des gebürtigen Marburgers. Der Mediziner wollte seine Praxis anzünden, um die Versicherungssumme zu kassieren. Um nicht vom Vermieter dabei erwischt zu werden, brachte er den Eigentümer um.

Die beiden Fälle weisen nach Ansicht der Ermittler deutliche Parallelen auf. Für den Landshuter Indizienprozess sind zunächst 24 Verhandlungstage eingeplant, voraussichtlich werden aber weitere Termine nötig. Ein Urteil wird frühestens Ende Juli erwartet.

Quelle: tz