Innung befürchtet einen Anstieg der Schwarzarbeit

Unmoralische Anfragen an Friseure

Weder in ihrem Friseursalon noch Zuhause darf Friseurmeisterin Martina Lederer zur Zeit arbeiten. Zahlreiche private Anfragen erreichen sie trotzdem.
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Weder in ihrem Friseursalon noch Zuhause darf Friseurmeisterin Martina Lederer zur Zeit arbeiten. Zahlreiche private Anfragen erreichen sie trotzdem.

Seit Mitte Dezember sind Friseursalons erneut geschlossen. Wegen des Lockdowns befürchtet die Innung einen Anstieg der Schwarzarbeit: Friseure bekommen etliche „unmoralische“ Anfragen.

  • Friseursalons müssen im zweiten Lockdown geschlossen bleiben.
  • Die bayerische Innung beobachtet währenddessen vermehrt Anfragen von Verbrauchern, die trotzdem nach einem Friseurtermin fragen.
  • Eine Friseurmeisterin aus Bad Tölz ist über solche Nachrichten entsetzt.

Bad Tölz – Martina Lederer ist wütend. Seit 16 Jahren führt sie in Bad Tölz einen Friseursalon, der nun während des Lockdowns geschlossen bleiben muss. Als wäre die Situation für die 39-Jährige nicht schon schlimm genug, erreichen sie und Kollegen zahlreiche „unmoralische Anfragen“. Immer wieder erhält die Geschäftsführerin Nachrichten, ob sie nicht privat die Haare schneiden, waschen oder färben könnte. Die Anfragen stammen nicht von ihren Salon-Kunden, die sich in dieser Zeit besonders solidarisch zeigen, sagt Lederer. Es sind meist Kontakte über drei Ecken, die nach einem Friseurtermin fragen. „Meine Mitarbeiter werden täglich mit solchen Anfragen belästigt“, sagt Martina Lederer. Doch die Arbeit, bei der die Nähe zum Kunden erforderlich ist, ist im Lockdown verboten. Zuhause schneiden oder Hausbesuche wäre illegal und Schwarzarbeit.

Unmoralische Anfragen an Friseure - Innung reagiert mit Schreiben an Regierung

Die Tölzerin ist nicht die Einzige, die sich in dieser Situation befindet. Der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks wendet sich in einem Schreiben vom Montag an die Staatsregierung. „Aktuell beobachten wir mit großer Sorge einen massiven Anstieg unmoralischer Anfragen von Verbrauchern, die bei Friseuren wegen privater Termine für Haarschnitte nachfragen“, heißt es darin. Während der Corona-Pandemie sei das besonders schlimm, da beim Schneiden und Föhnen Zuhause Hygienekonzepte weniger eingehalten werden. Zudem seien Infektionsketten nicht nachvollziehbar. Die Innung, mit Sitz in Fürstenfeldbruck, appelliert deshalb an die Regierung, dass Salons ab dem 1. Februar wieder öffnen dürfen.

Friseure versammeln sich bayernweit zu Protesten - „Schwarzarbeit blüht“

Um auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen, gingen am Montagabend vielerorts in Bayern Friseure auf die Straßen. In Ebersberg hatten sich rund 50 Menschen mit Grablichtern, Kämmen und Scheren vor dem Landratsamt versammelt. Sie forderten: „Lasst uns wieder öffnen.“ Die Initiatoren betonten, dass Friseure auch zum Handwerk gehören. Jedoch dürfen sie im Gegensatz zu Handwerkskollegen aus anderen Branchen nicht arbeiten. Die Betriebe, meist familiengeführt, seien in ihrer Existenz bedroht. Bei einem Protest in Regensburg versammelten sich zur selben Zeit rund 200 Menschen. Initiatorin und Friseurobermeistern Waltraud Mittermaier betonte, dass die Friseur-Branche bisher keinerlei finanzielle Unterstützung erhalten habe. „Das Einzige, das momentan blüht, ist die Schwarzarbeit.“

Friseurin aus Bad Tölz mit Appell: „Wir dürfen nicht arbeiten!“

Mit Blick auf die privaten Anfragen vermutet Friseurmeisterin Martina Lederer: In den meisten Fällen ist es einfach Unwissenheit. „Die Leute denken, dass es laut der Corona-Regelung erlaubt ist, sich zu treffen. Ein Haushalt darf sich ja mit einer weiteren Person treffen.“ Doch die 39-Jährige betont: „Wir dürfen nicht arbeiten, weder im Salon noch Zuhause. Wir haben quasi ein Berufsverbot.“ Meist folgt auf ihre Erklärung: „Achso, das wusste ich nicht.“

Von ihren Mitmenschen wünscht sich die Tölzerin mehr Solidarität. „Nur so kann der Lockdown schneller beendet werden und wir Friseure können bald wieder öffnen.“

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