Hilfen in der Corona-Zeit

VdK fordert einmalige Abgabe für Reiche

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Viele pflegende Angehörige sind durch die Pandemie in große Not geraten. foto: dpa

Der VdK fordert eine einmalige Vermögensabgabe für Reiche, um die Hilfen in der Corona-Zeit zu finanzieren. Andernfalls sei der soziale Friede in Gefahr, betonte die VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Maria Kramer (Name geändert) pflegt ihre 83-jährige demenzkranke Mutter zu Hause. Sie hatte das gut organisiert. Kramer arbeitet drei Tage die Woche in Teilzeit, an sechs Tagen war ihre Mutter in der Tagespflege. Doch dann kam Corona – und jede Unterstützung fiel plötzlich weg. Die Tagespflege war von einem Tag auf den anderen geschlossen, Kramer hat erst mal Urlaub genommen, dann hat sie Überstunden abgebaut. Das reichte nicht, um die Krise zu überbrücken. Sie beantragte sechs Monate Pflegezeit, die läuft noch bis Oktober. Für diese Zeit hat sie im Mai Grundsicherung beantragt. Bis heute ist der Antrag allerdings unbearbeitet. Und mittlerweile sind ihre Ersparnisse aufgebraucht – und ihre Kräfte auch.

Maria Kramer hat sich mit ihren Sorgen an den Sozialverband VdK gewandt. Und sie ist nicht die Einzige, die durch die Pandemie in existenzielle Schwierigkeiten geraten ist, betont die Landesvorsitzende Ulrike Mascher. Für eine Studie der Uni Mainz wurden pflegende Angehörige zu ihren Corona-Erfahrungen befragt. „53 Prozent gaben an, deutlich stärker belastet zu sein, 38 Prozent fühlen sich überfordert, beinahe die Hälfte berichtete von höheren finanziellen Belastungen.“ Seit März konnten viele Leistungen, die Pflegebedürftigen zustehen, nicht abgerufen werden, erklärt Mascher. Plätze für Tages- oder Kurzzeitpflege waren schon vorher knapp, jetzt gibt es keine mehr. Deshalb fordert der VdK eine deutliche Verlängerung des Pflegeunterstützungsgeldes. Es wurde bis Ende September bereits von zehn auf 20 Tage verlängert. „Das ist immer noch zu wenig, um die häusliche Pflege zu organisieren“, betont Mascher. „Übrigens nicht nur in Corona-Zeiten.“

Der VdK wolle verhinddern, dass aus der Corona-Krise eine soziale Krise wird, betont die Präsidentin Verena Bentele. Denn nicht nur pflegende Angehörige seien durch die Pandemie in Notsituationen geraten. Die Kosten der Krise müssen gerecht verteilt werden, fordert sie. Zumal bereits absehbar ist, dass der Staat noch viel Geld einsetzen müsse, um kommende Ausgaben zum Beispiel für arbeitspolitische Maßnahmen abzufedern. Bentele fordert deshalb eine einmalige Vermögensabgabe – also eine einmalige Steuer auf große Vermögen, wie sie zuletzt 1952 erhoben wurde, um die Kriegsfolgen zu finanzieren. Sie schlägt einen Freibetrag von einer Million vor, selbstbewohnte Immobilien sollten von der Abgabe ausgenommen werden. Betroffen wäre nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung, doch für den Staat würde das Einnahmen in Milliardenhöhe bedeuten, sagt Bentele und betont: „Wenn der Staat einer wachsenden Ungleichheit nichts entgegensetzt, gefährdet er den inneren Frieden des Landes.“ Die Tilgung der Corona-Schulden dürfe langfristig nicht zulasten von Leistungen im Sozialbereich stattfinden. Sie fordert darüber hinaus eine Sozialversicherung für alle. „Alle zahlen ein, alle haben eine Absicherung. Das ist gelebte gesellschaftliche Solidarität.“

Der VdK Bayern spürt seit Jahren einen deutlichen Mitgliederzuwachs. Aktuell sind es 729 000. Und wie dankbar sie um die Hilfe des Sozialverbands sind, zeigte sich während der Krise. Der VdK stellte acht Wochen lang die Beratung auf ein telefonisches Angebot um. Die Anfragen stiegen um 5,8 Prozent. Auch jetzt sei die Nachfrage nach Telefonberatung sehr hoch, berichtet der Landesgeschäftsführer Michael Pausder. Deshalb behält der VdK dieses Angebot bei (Kontakt unter 089/21 17 112).

Quelle: Merkur.de