“Ski- und Bergtourismus im Einklang der Natur“

Verbindungslift am Riedberger Horn: Söders Friedensangebot

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Finstere Mienen? Nicht doch! Es gebe nur Gewinner, beteuerten die Kommunalpolitiker aus dem Allgäu – obwohl Ministerpräsident Markus Söder das Aus für den geplanten Verbindungslift am Riedberger Horn verkündete.

Der umstrittene Verbindungslift am Riedberger Horn wird nicht gebaut – zumindest nicht in den nächsten zehn Jahren. Ministerpräsident Söder präsentiert stattdessen ein 20-Millionen-Euro-Paket für naturnahen Tourismus. Doch von einer Kehrtwende wollen die Beteiligten nichts wissen.

München – Bayern bekommt zwei neue Modelldörfer „für modernen Ski- und Bergtourismus im Einklang mit der Natur“. Das wäre weiter keine große Nachricht, wenn es sich bei den Dörfern nicht um Balderschwang und Obermaiselstein handeln würde. Also genau die beiden Allgäuer Gemeinden, die seit Jahren für einen Verbindungslift am Riedberger Horn kämpfen, der durch ein bis vor Kurzem streng geschütztes Alpengebiet führen sollte, was wiederum sämtliche Umweltschützer in Bayern in Aufruhr versetzte. Und jetzt? Kommt alles ganz anders.

Am Freitag kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU): „Auf die Skischaukel wird für mindestens zehn Jahre verzichtet.“ Er wolle wieder Ruhe und Frieden am Riedberger Horn schaffen. Und um des Friedens willen bekommen die Modelldörfer statt einer Skischaukel ein 20-Millionen-Förderpaket für einen modernen Tourismus im Einklang mit der Natur.

„Zentrum Naturerlebnis Alpin“

Entstehen soll ein „Zentrum Naturerlebnis Alpin“, das eng mit dem örtlichen Naturpark Nagelfluhkette kooperieren soll und laut Söder mit dem Haus der Berge in Berchtesgaden vergleichbar sein wird – inklusive Vogelbeobachtungen und von „Rangern“ geführtem naturgerechtem Outdoorsport. Dazu sollen die bestehenden Lifte und Seilbahnen modernisiert, WLAN und schnelles Internet ausgebaut und sechs Busse mit alternativem Antrieb angeschafft werden. Statt mit dem Verbindungslift sollen die Skifahrer künftig also mit dem Bus von Piste zu Piste gebracht werden.

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Die Bürgermeister Peter Stehle und Konrad Kienle sowie der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz (CSU) beteuerten, dass die neue Planung keinen Schritt zurück, „sondern fünf Schritte nach vorne“ (Kienle) bedeute. Seit Monaten habe man an einer Lösung gearbeitet, jetzt gebe es nur Gewinner. Das sei eben die bayerische Art, ein Problem zu lösen, fügte Söder mit einem Schmunzeln hinzu.

„Heute ist ein guter Tag für das Riedberger Horn“

Geschmunzelt haben dürfte auch so mancher Skilift-Skeptiker angesichts der neuen Entwicklung. „Heute ist ein guter Tag für das Riedberger Horn“, sagte Norbert Schäffer, Chef des Landesbunds für Vogelschutz. Allerdings müsse die Skischaukel „dauerhaft vom Tisch“, nicht nur für zehn Jahre. „Es hängt weiter ein Damoklesschwert über dem Riedberger Horn“, sagte der Landesbeauftragte des Bund Naturschutz in Bayern, Richard Mergner. Der LBV und der Bund Naturschutz wollen deshalb an einer Klage gegen die Herausnahme des Riedberger Horns aus dem Alpenplan festhalten.

Kein Lift, sondern Busse: Die Skigebiete am Riedberger Horn sollen per ÖPNV verbunden werden.

Um den Bau der Skischaukel überhaupt möglich zu machen, war die Lifttrasse – etwa 80 Hektar – von der streng geschützten Ruhezone C in die weniger sakrosankte Zone B herabgestuft worden. Genau dagegen richte sich die Klage, sagte Christoph Himmighoffen vom Verein zum Schutz der Bergwelt. Er war früher im Umweltministerium und just für die Erstellung des Alpenplans zuständig. Bei Söder, orakelte Himmighoffen, sei offenbar „mit dem höheren Amt auch höhere Einsicht verbunden“.

In der Opposition herrscht Genugtuung, aber auch Misstrauen. Grüne und SPD werten die Entscheidung als großen Erfolg. „Aber wenn die Änderung des Alpenplans nicht rückgängig gemacht wird, ist alles nur blanker Populismus von Söder“, sagt Florian von Brunn (SPD). „Dann ist zu befürchten, dass die CSU bald das nächste Projekt aus der Tasche zieht.“ Söder lehnte eine erneute Änderung des Alpenplans aber ab: „Was beschlossen wurde, das bleibt jetzt auch so.“ Er gehe nicht davon aus, dass die Klage der Naturschutzverbände erfolgreich sei.

Dominik Göttler und Dirk Walter 

Quelle: Merkur.de