Schongauer Kanalbrücke

Verkehrschaos wegen Sperrung: „Das ist besser als Fernsehen“

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Endstation: An der Schranke fingen Baufirmen-Mitarbeiter die Autos ab.
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Viele Autos wendeten mitten auf der Straße...
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...obwohl der Gegenverkehr aus Peiting zum Teil  enorm ist.
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Die extra geschaffene Wendemöglichkeit (fotografiert durch ein Fliegengitter im angrenzenden Haus) führt die verirrten Autofahrer wieder elegant in die andere Richtung.
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Der Verkehr in Richtung der gesperrten Straße war enorm...
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...obwohl direkt davor vor einer Sackgasse gewarnt wurde...
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...und auch auf der gesamten Zufahrtstrecke.
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Es gab viel Erklärungsbedarf...

Die seit Montag geltende Sperrung der Verbindungsstraße von Schongau in Richtung Peiting hat zu kuriosen Situationen und viel Ärger geführt. Obwohl weiträumig Schilder von der Sperrung kündeten, versuchten es trotzdem viele Autofahrer.

Schongau – Er konnte einem Leid tun, der orange gekleidete Mitarbeiter der Baufirma. Der Kroate, der einigermaßen gut Deutsch spricht, hatte sich vor dem Durchfahrt-verboten-Schild an der Peitinger Straße aufgebaut und erklärte den Autofahrern, die bei ihm strandeten, geduldig, warum die direkte Durchfahrt nach Peiting nicht möglich ist und sie auf die Umfahrung ausweichen müssen. Manche akzeptierten das, manche ärgerten sich, stiegen sogar aus, viele wendeten gleich einige Meter vorher auf der Straße – obwohl der Gegenverkehr aus Peiting in Richtung Schongau fließen kann und es so zu gefährlichen Situationen kommt.

Brücke war zu eng für Lkw und Busse

Wie berichtete, war die eigentlich nicht vorgesehene Sperrung notwendig geworden, weil die Zufahrt zur Behelfsbrücke über den Lechkanal in Fahrtrichtung Peiting zu eng war für Lkw und lange Busse. Deshalb kann die Behelfsbrücke derzeit nur in eine Richtung befahren werden, nämlich von Peiting aus. In den fünf Wochen, die der Abriss des ersten Brücken-Teilstücks und die Stabilisierung der anderen Seite dauert, will das zuständige Staatliche Bauamt Weilheim ein im Weg stehendes Trafo-Häuschen versetzen, um wieder zwei Fahrspuren nutzen zu können.

Trotz Schild: Autofahrer landen in Sackgasse

Doch bis dahin heißt es: Richtung Peiting Umfahrung nutzen. Obwohl das Bauamt laut Abteilungsleiter Christoph Prause weiträumig bis zur B 17 und B 472 Schilder aufgestellt hat, dass die Fahrt nach Peiting durch Schongau nicht möglich ist, landeten fast im Sekundentakt Autos an dem Sackgassen-Schild. Und die waren richtig dreist-kreativ: Ein Motorradfahrer wollte einfach über den Gehsteig Richtung Kanalbrücke fahren und war nicht einverstanden, dass ihn ein Baufirma-Mitarbeiter aufhielt. Einem anderen Autofahrer musste sogar hinterhergesprintet werden – er hatte doch glatt versucht, hinter den Haindl-Häusern Richtung Kanalbrücke zu fahren.

„Das ist besser als Fernsehen“, sagte ein Bewohner der Haindl-Häuser, der sich das Spektakel um die Mittagszeit ansah. „Chaos, völliges Chaos“, redete sich ein anderer Anwohner in Rage. Er hatte gesehen, wie ein Autofahrer sowohl die Durchfahrts-Verbotsschilder als auch die rote Ampel vor der Behelfsbrücke ignoriert hatte und hupend draufgefahren ist – als Gegenverkehr kam, habe er rückwärts zurückfahren müssen.

Auswärtige und Einheimische sorgen fürs Chaos

Ein wichtiger Schachzug des Staatlichen Bauamts war, den Bereich der abgerissenen Haindl-Häuser, der über den Winter ein provisorischer Parkplatz für UPM war, als große Wendezone zu nutzen. „Das war kein Problem für uns“, sagt Werkleiter Wolfgang Ohnesorg über den Vorstoß von Prause. „Wir mussten ortsfremden Lkw, die nicht zu UPM wollen, eine Wendemöglichkeit anbieten. Denn wenn sie einmal vor der roten Ampel an der Behelfsbrücke stehen, ist es zu spät“, so Prause.

Prause hofft, dass sich die Situation in den nächsten Tagen einspielt und es weniger Autofahrer werden, die den direkten Weg nach Peiting suchen. Kurioserweise waren es nicht nur Auswärtige, sondern auch viele Einheimische, die nichts von der Sperrung mitbekommen und auch die Hinweisschilder ignoriert hatten. „Ich bin der Baufirma dankbar, dass sie einen Mitarbeiter zur Verkehrslenkung abgestellt hat. Aber mir ist auch mitgeteilt worden, dass viele die Durchfahrt-verboten-Schilder ignoriert haben.“ Er hofft, dass die Polizei Strafen ausspricht und vor allem nachts nach dem Rechten schaut, wenn kein Mitarbeiter mehr die Geisterfahrer stoppen kann. „Wir werden sicher dort vorbeischauen“, sagte Polizeichef Herbert Kieweg zu.

Quelle: tz