Landtagswahl-Ergebnisse

Große Wahlnachlese: Wer gewann - und wer verlor

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Gewissermaßen auch ein Zeichen: Die von einer schweren Niederlage gezeichnete SPD entfernt ihre Plakate.

Unterfranken bleibt die CSU-Bastion – in Oberbayern schmieren die Christsozialen dagegen ab. Und während die SPD völlig am Boden ist, erobern AfD und Freie Wähler viele Stimmen auf dem Land. Die große Wahlnachlese.

CSU

Unter dem Führungsduo Söder-Seehofer hat die CSU im Freistaat an Stimmen verloren. Doch es gibt deutliche regionale Unterschiede. Während die Partei in Unterfranken mit 41,8 Prozent noch relativ am besten ist, fährt sie in Oberbayern mit 33,9 Prozentpunkten ihr schlechtestes Bezirksergebnis ein. Auffällig: Auch in absoluten CSU-Hochburgen wie etwa Wallgau im Kreis Garmisch-Partenkirchen verlieren die Christsozialen deutlich: Erreichte die CSU dort vor fünf Jahren noch erdrutschartige 75,1 Prozent der Zweitstimmen, sind es diesmal „nur“ noch 56,5 Prozent.

Das beste Erststimmenergebnis Bayerns fährt der Finanzminister ein: Albert Füracker holt in seinem Wahlkreis Neumarkt in der Oberpfalz mit 50,3 Prozent als einziger in Bayern die absolute Mehrheit. Spitzenreiter in Oberbayern: Umweltminister  Marcel Huber mit 48,2 Prozent in Mühldorf.

Wegen der weiterhin hohen Anzahl an Direktmandaten (85) zieht diesmal kein CSU-Kandidat über die Liste in den Landtag ein. Das bedeutet nicht nur das Aus für Landtagspräsidentin Barbara Stamm oder Ex-Kultusminister Ludwig Spaenle – auch Wissenschaftsministerin Marion Kiechle scheitert beim Versuch, in den Landtag einzuziehen. Endgültig Schluss ist auch für Mehrfach-Minister Thomas Goppel, der ohne eigenen Stimmkreis angetreten war. „Ich habe damit gerechnet“, sagt er nüchtern. Die fast vier Jahrzehnte im Landtag seien eine „schöne und gute Zeit“ gewesen.

Grüne

Noch nie konnten die Grünen in Bayern ein Direktmandat erringen – jetzt sind es gleich sechs auf einmal. Neben fünf Münchner Stimmkreisen gewinnen die Grünen mit Patrick Friedl überraschend auch in Würzburg ein direktes Ticket in den Landtag. Der 48-jährige Rechtsanwalt ist einer der Initiatoren des Volksbegehrens „Klimaschutz in die Verfassung“ und verdrängt Oliver Jörg von der CSU aus dem Maximilianeum.

Den deutlichsten Sieg holt Spitzenkandidat Ludwig Hartmann in München-Mitte mit 44 Prozent der Erststimmen. Aber auch rund um die Landeshauptstadt präsentieren sich die Grünen stark. So liegen die Direktkandidaten in Freising und Starnberg etwa nur wenige Prozentpunkte hinter der CSU. In Ostbayern hingegen bleiben die Grünen schwach: Im Stimmkreis Cham in der Oberpfalz verzeichnen sie ihr schlechtestes Ergebnis mit 7,8 Prozent der Gesamtstimmen.

Freie Wähler

Die Freien Wähler sind neben den Grünen der zweite große Gewinner der Landtagswahl. Sie punkten vor allem auf dem Land. Für ein Direktmandat reicht es nicht, doch in den Stimmkreisen Kelheim, Neuburg-Schrobenhausen oder in Hubert Aiwangers Heimat Landshut erhalten die Freien Wähler jeweils deutlich über 20 Prozent der Stimmen. In den Städten kam der stark kommunalpolitisch geprägte Wahlkampf weniger an – in mehreren Münchner und Nürnberger Stimmkreisen liegen die Freien Wähler unter fünf Prozent.

SPD

Fiasko, Desaster, Katastrophe – die SPD ist nach der Wahl am Boden. In manchen Regionen geht der Absturz soweit, dass die SPD nicht mal mehr über die Fünf-Prozent-Hürde kommt – wie in Straubing mit 4,6 Prozent. In München-Mitte fällt die Partei um 22,3 Prozentpunkte, keine Partei hat in einem Stimmkreis so viel eingebüßt. Allein in Oberbayern verliert die SPD mehr als die Hälfte ihrer Landtagssitze. Heißt: Großes Zittern bei den Listenkandidaten. Auch arrivierte Landtagsabgeordnete wie der Bildungsexperte Martin Güll oder der Umweltfachmann Florian von Brunn müssen bangen. Auch das einzige Direktmandat von Ruth Waldmann (München-Milbertshofen) ist futsch. Lag die SPD vor fünf Jahren noch bayernweit bei 20,6 Prozent, kommt sie diesmal nur noch in einem von 91 Stimmkreisen über die 20-Punkte-Marke – im oberfränkischen Hof.

AfD

Die Hochburg der AfD bleibt Niederbayern. Dort holten die Rechtspopulisten 13,4 Prozent der Gesamtstimmen, in Oberbayern hingegen nur 8,5 Prozent. Im Stimmkreis Freyung-Grafenau errang die Partei 16,2 Prozent, in Deggendorf, wo die Wortführerin Katrin Ebner-Steiner antrat, 15,6 Prozent. Schon bei der Bundestagswahl 2017 war die AfD hier fast dominant. Ihre Ergebnisse bleiben jedoch jetzt hinter den damaligen Erfolgen zurück. Im Dorf Mauth im Bayerischen Wald, wo die Partei 2017 mit 28,1 Prozent bayernweit am besten abgeschnitten hatte, kam sie nun auf 20,5 Prozent. Nur eine Randerscheinung ist die AfD in München-Mitte: 3,7 Prozent. Sehr gut schnitt die oberbayerische AfD aber in Waldkraiburg ab: 19,2 Prozent. Listenführer Franz Bergmüller kam in seinem Wahlkreis Rosenheim-West auf 10,6 Prozent. Eventuell kommt auch der Traunsteiner Biobauer Markus Plenk in den Landtag.

FDP

Bis in die Morgenstunden mussten Martin Hagen und seine Mitstreiter bangen – dann war die Erleichterung groß, als feststand, dass die FDP nach fünf Jahren Durststrecke wieder in den Landtag einziehen wird. Stark waren die Liberalen vor allem in der Region München. Wolfgang Heubisch holte in Schwabing mit 12,6 Prozent der Gesamtstimmen das beste Stimmkreis-Ergebnis seiner Partei ein. In der FDP-Hochburg Grünwald im Landkreis München holten die Liberalen mit ihrem Kandidaten Helmut Markwort17 Prozent der Erststimmen. Auch im Stimmkreis Starnberg kratzt die FDP an der Zehn-Prozent-Marke. Im Norden Bayerns sieht es dagegen düster aus. Beispiel Tirschenreuth: 2,6 Prozent.

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Quelle: Merkur.de