„Freunde sind Gärten, in denen man sich ausruhen kann“

Wahre Freundschaft - Kolumne von Susanne Breit-Keßler*

Susanne Breit-Keßler war evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern.
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Susanne Breit-Keßler war evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern und ist Vorsitzende des Ethik-Rates.

Als junges Mädchen hörte ich, in den Theatersessel gepresst, wie der großartige Hans Korte in Gestalt des Mephisto zischt: „Blut ist ein ganz besonderer Saft!“

Der Sendling der Hölle schließt mit Faust einen Vertrag. Im Ur-Faust ritzt sich der Held mit einem Federmesser die linke Hand auf, er schreibt mit dem herausfließenden Blut seinen Namen unter den Pakt. Auf der linken Hand gerinnt das Blut und formt die Worte: „O Mensch, entfliehe!“ Wer sein Leben dem Bösen widmet, zerstört es.  

Biblisch spricht man von der „Stimme des Blutes

Biblisch spricht man dagegen von der „Stimme des Blutes“, wenn man die engste Familie meint. Wer nicht verwandt ist, kann Blutsbruder werden – wie Winnetou und Old Shatterhand. Wir haben das als Kinder nachgemacht. Die Eltern waren entsetzt. Wir fühlten uns als Heldinnen: In unverbrüchlicher Freundschaft verbunden. Und tatsächlich - immer noch sind meine Freundin und ich einander nah. Allerdings hätte das wohl auch ohne diese spektakuläre Aktion funktioniert. 

Freundschaft ist weitaus tragischer als Liebe

Oscar Wilde

Der Schriftsteller Oscar Wilde formulierte bissig: „Freundschaft ist weitaus tragischer als Liebe. Sie dauert länger.“ Gerade wurde wieder weltweit der Tag der Freundschaft begangen. In der UN-Resolution von 2011 heißt es dazu, dass Freundschaft ein „edles und wertvolles Gefühl“ ist, das international Verständnis füreinander weckt, Respekt vor Verschiedenheit und den Frieden fördert. Tragisch wäre also eher, wenn Menschen, Länder und Kulturen nicht lebenslang für solche Freundschaft untereinander sorgen würden.

Freunde, Freundinnen: Ihnen kann man alles gestehen - verrückte Ideen, wilde Phantasien, den größten Kummer, Wut und Zorn. Mit ihnen kann man herumalbern und gemeinsam unendlich traurig sein. Ihnen darf man ohne Angst eigene Schattenseiten und Schwächen zeigen. Besonders wertvoll ist Freundschaft, wenn man weiß: Der oder die andere ist ehrlich. Kein Sich-herum-winden, keine kleinen oder großen Lügen, keine üble Nachrede, keine überflüssigen Komplimente und Lobhudeleien. Nur Wahrheit - behutsam.

An diesem Samstag ist der 77. Todestag von Antoine de Saint-Exupéry. Ein Asteroid ist nach ihm benannt und der Flughafen von Lyon. Straßen und eine alte 50 Franc-Note sind ihm gewidmet. Eher prosaisch. Der Schriftsteller selbst meinte mehr lyrisch: „Freunde sind Gärten, in denen man sich ausruhen kann.“ Man darf sie dankbar in ihrer bezaubernden Vielfalt bestaunen, das Paradies mit ihnen genießen, um dem Bösen zu wehren. Und man sollte sie mit Liebe pflegen, um ihrer nie verlustig zu gehen.

*Die frühere evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler ist Vorsitzende des Ethik-Rates.