Claudia Beil

„Wir machen die Arbeit, nicht nur die Männer“

Claudia Beil.

Claudia Beil, 52, arbeitete noch in einer Metzgerei, als sie ihren Mann kennenlernte – einen Malermeister. Nachdem dessen Vater früh starb, übernahm sie Aufgaben in der Malerei in Erding, vor allem im Büro. Ein Modell, das verbreitet ist. Seit 1999 setzt sie sich im Verband Unternehmerfrauen im Handwerk für die Frauen ein, heute als stellvertretende Landesvorsitzende in Bayern.

Frau Beil, Sie müssen sich in der Männerwelt behaupten: Erst in einer Metzgerei, jetzt in einer Malerei. Wie schaffen Sie das?

Ich habe gelernt, mich durchzusetzen. Erst in der Metzgerei gegen Metzger und ihre Sprüchen. Später dann auf den Baustellen. Als ich da früher im Maleranzug aufgetaucht bin, war das exotisch, heute ist das nichts besonderes mehr.

Werden Frauen im Handwerk anerkannt?

Ja, es ist schon einfacher geworden. Die Ausreißer gibt’s seltener. Manche Männer denken noch: Zur Frau passt Kirche, Küche, Kinder. Aber das sind Ausnahmen. Ich war neulich auf einer Handwerksmesse, die jungen Männer haben heute ein ganz anderes Bild von Frauen als noch die Generation davor. Wir werden akzeptiert.

Einen Meisterbrief haben trotzdem nur fünf Prozent der Unternehmerfrauen.

Wenn Frauen die Meisterprüfung machen wollen, können sie das oft nur tun, bevor sie eine Familie gründen. Die große Masse macht das nicht. Es wird aber mehr. Die jungen Frauen wissen: Mit dem Meisterbrief sind sie einfach anerkannter. Sie sind Vorbilder für die Weiblichkeit im Handwerk.

Was muss sich noch verbessern?

Wir brauchen mehr Unterstützung von der Politik. Ich kenne einen Fall, da wollte ein Betrieb zwei Frauen einstellen. Weil beide kleine Kinder haben, hat der Betrieb ihnen sogar einen Extraraum bereitgestellt, wo ein Tagesmutter auf die Kinder aufpasst. Das ging dann aber nicht, weil das Gebäude eine spezielle Kindertoilette gebraucht hätte. Die Politik hat das noch nicht verstanden: Dass wir die Arbeit machen – und nicht nur die Männer.

Wie arbeiten Sie und Ihr Mann zusammen?

Mein Mann macht Rechnungen, Angebote und Kundenakquise, ich Lohnabrechnung, Buchhaltung und Werbung. Wir Frauen sind nicht mehr die gute Seele des Betriebs. Wir arbeiten mit unseren Männern auf Augenhöhe.

Quelle: Merkur.de